10 Fragen an MIKE

MIKE – Michael Müller ( www.zaubererMIKE.com ) wohnt in Herne und ist dort in der Region auch zauberisch sehr aktiv: Er ist Vorsitzender der Magic Academy Witten, vorher war Vorsitzender des MZvD Ortszirkels Bochum.

MIKE war von Beginn des Zauberzwergs (als Heft) bis heute als Autor mit dabei, außerdem hat er die eigene Heftserie „Practical close up“ herausgegeben. Ich schätze MIKE als Freund und Zauberkünstler sehr und freue mich, dass er meine 10 Fragen beantwortet hat!

Wie lange zauberst du schon für Kinder?

Oha, genau genommen schon seit dem letzten Jahrtausend.

Ich habe seinerzeit tatsächlich direkt als Kinderzauberer angefangen und das dann auch über sehr viele Jahre ausschließlich und ziemlich intensiv betrieben. Es hat auch verhältnismäßig lange gedauert, bis ich mich mit meiner Zauberei überhaupt an reines Erwachsenenpublikum „herangetraut“ habe – mit der späten Erkenntnis: Für Erwachsene zu zaubern ist vergleichsweise einfach. Denn allgemein wird ja das Gegenteil behauptet. Dem ist aber lange nicht so!

Kinderzauberei ist und bleibt eine spezielle und anspruchsvolle Kunst. Für mich persönlich war das allerdings nie ein Thema, denn irgendwie hatte ich schon als junger Mensch immer einen ganz besonderen Draht zu Kindern. Und so hat es auch von Anfang an mit der Kinderzauberei reibungslos funktioniert.

Welche zwei sind deine Lieblingstricks im Kinderprogramm?

Kann ich, ehrlich gesagt, so gar nicht beantworten. Wenn Du einmal das Prinzip verstanden hat, wie Kinder „ticken“, dann ist das eigentlich der beste „Trick“ überhaupt. Mit diesem Trick (oder besser: dieser Erkenntnis) bist Du nämlich nicht nur in der Lage souverän mit den Kindern umzugehen, sondern Du kannst damit sozusagen in die Zukunft schauen.

Eine gelungene Zaubervorstellung ist daher für mich kein Zufall … sie ist einfach nur gut geplant! Und glaub‘ mir, wirklich alles lässt sich vorab planen… und dann läuft es fast genauso ab, wie ein fertiger Film. Nur mit dem Unterschied, dass mein „Film“ interaktiv ist und ich selbst im laufenden Film noch viele Dinge verändern kann. Das ist schon echt toll. Vor allem, weil kein Außenstehender jemals vermuten würde, dass da tatsächlich „nur“ ein Film läuft. 

Was gefällt dir am besten bei Kindervorstellungen?

Ich liebe es, wenn (m)ein Plan funktioniert. Deswegen auch ganz klar: Es sind die Reaktionen der Kinder! Und das Beste daran ist, ich bin derjenige, der zudem noch den „Pegel“ bestimmt. Und den reize ich auch gerne mal aus. Der schmale Grat: „Wie mache ich mich zum Affen, ohne dabei an Respekt zu verlieren?“

Gleichwohl gefällt mir aber auch immer das oftmals völlig unerwartete Staunen der Erwachsenen. Denn in einem vermeintlichen „Kinderprogramm“ erwarten sie meist keine starken Effekte. Dies war für mich aber schon immer ein ganz elementarer Punkt bei meinen Darbietungen. Hatte ich schon erwähnt, dass ich es liebe, wenn ein Plan…

Was nervt dich am meisten bei deinen Kindervorstellungen?

Mittlerweile eigentlich gar nichts mehr, weil ich bereits im Vorfeld versuche, alles möglichst perfekt zu planen. Und wenn ich schreibe alles, dann meine ich auch wirklich alles(!). Du kannst im Vorfeld gar nicht genug Details erfragen und abklären. Und wenn etwas für mich absolut nicht passt, dann habe ich nicht nur den Mut zu äußern, dass ich den Auftrag in dieser Form nicht annehme, sondern ich leiste mir das dann im Zweifelsfall auch. Letztendlich gibt es für mich nämlich zwei ganz wichtige Punkte:

Erstens: Mir muss das, was ich mache, selber Spaß machen! Ansonsten lass‘ ich es lieber. Ich war in der Beziehung aber auch noch nie „käuflich“.   

Zweitens: Ich bin der Einzige, der am Schluss für alles verantwortlich ist! Nämlich für (m)eine gelungene Show. Warum also soll ich mich auf Bedingungen einlassen, die eine erfolgreiche Darbietung schmälern, oder gar verhindern? Hinterher fragt schließlich kein Mensch mehr danach. Da heißt einfach nur „Top“ oder „Flop“. Und letzteres möchte ich partout nicht. 

Mein bestes „Rezept“ lautet übrigens auch nicht „Kinderprogramm“, sondern „Familienshow – Schwerpunkt Kinder“. Das allein ist schon ein gewaltiger Unterschied. Und zwar für alle Beteiligten. Auch solche Dinge lege ich vor der Buchung verbindlich fest.

Welche Bühnenkleidung trägst du bei Kindervorstellungen?

Naja, meine Meinung ist, du solltest auf jeden Fall als Künstler zu erkennen sein und dein Outfit sollte sich daher von allen anderen deutlich unterscheiden. Meine „Dienstkleidung“ sieht daher so aus: Sneaker, Jeans, kurzärmeliges Hemd über der Hose, Fliege, Weste und ganz oben noch der Hut. Es handelt sich übrigens um ganz normale Kleidungsstücke, also nichts Überkandideltes aus dem Künstlerbedarf.

Für Events im Erwachsenenbereich tausche ich übrigens lediglich die Weste gegen ein Sakko. Passt zu jeder Veranstaltung. Diese Mischung aus „Locker, aber doch formell“ passt vor allem aber gut zu mir und ich fühle mich darin auch sehr wohl. Das finde ich beim Outfit ebenfalls ganz wichtig.

Wenn du einen Wunsch frei hättest für deine Kinderzauberei, welcher wäre es?

Insgesamt einfach mehr Wertschätzung! Das, was wir machen ist schon sehr anspruchsvoll und eben kein „Kinderkram“. Vorausgesetzt natürlich, wir machen es gut.

Welchen Kindertrick würdest du niemals vorführen und warum nicht?

Nun, ich denke, das sollte man nicht an einem bestimmten Trick festmachen. Vorführen oder machen kannst Du fast alles, sofern du grundsätzlich einige Dinge beachtest… Hier einige Begriffe, die das sehr schön verdeutlichen:

  • Freund-schaft-lich
  • Respektvoll
  • Höflich
  • Rücksichtsvoll
  • Hilfsbereit
  • Aufmerksam
  • Einfühlsam
  • Bescheiden
  • Charmant
  • DANKBAR – Was sind wir ohne unser Publikum?

Falls dir das bekannt vorkommt… Richtig, es handelt sich um die „ZweitSchlüssel“ meiner SchlüsselPunkte aus dem Kinderzauber-Festival-Seminar (das MIKE im Oktober 2020 in Bremerhaven gehalten hat, Anmerkung von Volkmar)

Wer sind deine zauberischen Vorbilder (generell Zauberkunst)

Hört sich jetzt vielleicht blöd an, aber so richtige Vorbilder habe ich eigentlich gar nicht. Jedenfalls nicht im Sinne des Wortes. Im Laufe der Zeit habe ich viele tolle Zauberkünstler und Zauberkünstlerinnen kennengelernt und mich mit ihnen ausgetauscht. Und dabei sind es keinesfalls nur die hochkarätigen Namen, die mich oftmals nachhaltig beeinflusst haben. Ganz im Gegenteil, die kochen nämlich oft auch nur mit Wasser.

Ich finde es aber toll, wenn Leute sich sehr intensiv mit der komplexen Materie der Täuschung auseinandersetzen. Nehmen wir mal Toni Slydini, der den meisten hier wahrscheinlich ein Begriff ist. Das ist immer noch erstklassige handgemachte Täuschungskunst. Auch wenn diese in der heutigen Zeit vielleicht etwas verstaubt wirkt. Und damit meine ich nicht unbedingt seine „Paper Balls“, die übrigens auch sehr viel komplexer sind, als allgemein angenommen wird.

Aber genau das ist der Punkt. Heutzutage kaufen viele doch lieber irgendwelche Gimmicks, anstatt sich mit Themen wie „selektiver Wahrnehmung“ auseinanderzusetzen.

Was sind deine 3 Lieblingsbücher zum Thema Zauberkunst?

Boah. Echt schwierig. Hier ist es eigentlich fast genauso, wie mit den Vorbildern. Ich bin so ein kleiner „Rosinen Picker“ und von daher gibt es für mich auch keine wirklichen Lieblingsbücher.

Es gibt aber durchaus Bücher, die gerne unterschätzt werden. „Zaubern für Dummies“ von David Pogue, oder „The Complete Idiot’s Guide To StreetMagic“ von Tom Ogden gehören beispielsweise dazu. Hier sind es nämlich nicht die Tricks, sondern das, was sozusagen an Informationen „zwischen den Zeilen“ steht. Eigentlich sehr schade, weil die Masse vielfach nämlich nur hinter dem schnellen Trick her ist und die wertvollen Informationen gar nicht zur Kenntnis nimmt. 

Wie hältst du dich in Bezug auf Zauberkunst für Kinder auf dem Laufenden?

Ich schaue zwar gelegentlich und dann auch sehr gerne mal über den Tellerrand, aber ansonsten mache ich lieber mein Ding. Dazu gehört es natürlich auch, mich ständig selbst zu hinterfragen.

Wie wird sich die Zauberkunst für Kinder in den nächsten Jahren verändern?

Naja, im Grunde ist doch fast alles ein fließender Prozess. Dinge verändern sich ständig und passen sich an, ohne dass man es groß merkt. Sozusagen ein schleichender Prozess. Veränderungen werden erst dann wahrgenommen, wenn man bestimmte Zeitabschnitte miteinander vergleicht. Egal ob Filmschnitte, oder Musiktakte. Im Laufe der Jahre ist auf jeden Fall so ziemlich alles schneller geworden. Genauso haben sich auch unsere Gewohnheiten und Umgangsformen deutlich verändert…

Und so ähnlich verhält es sich mit der Zauberkunst für Kinder. Einiges wird sich im Laufe der Zeit weiter verändern – wahrscheinlich auch einige Kunststücke und Requisiten. Welches Kind kennt denn heutzutage z. B. noch einen Plattenspieler oder ein Telefon mit Schnur und Wählscheibe…?

Andererseits benutzen Zauberkünstler aber aktuell immer noch sehr erfolgreich einen Kasten mit Türen und einem großen Würfel darin… 

Es bleibt also relativ. Daher bin ich mir ziemlich sicher, dass die Zauberkunst für Kinder – so oder so – immer „up to date“ bleiben wird.

Danke für diese sehr interessanten Antworten!

3 thoughts on “10 Fragen an MIKE

  1. Feines Interview- finde mich in vielen Ansichten wieder. Nur einfacher finde ich das Zaubern vor Erwachsenen-Publikum leider auch nicht 😉

  2. Hallo Ihr Zwei!
    Vielen Dank für Euer Feedback. 👍

    Was Zaubern für Kinder / Erwachsene angeht… beides ist natürlich nicht einfach, aber:
    Ein guter(!) Kinderzauberer wird immer auch vor einem reinen Erwachsenen-Publikum bestehen können!
    Den umgekehrten Fall bezweifele ich in den meisten Fällen jedoch ganz stark. 😉

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