Bausteine für ein Kinderprogramm (5)

Ulrich Rausch

Die Ouvertüre

Es gibt immer nur einen „Ersten Eindruck“ – diese Binsenweisheit, die vor allem für zwischenmenschliche Begegnungen zählt, gilt natürlich auch für ein Zauberprogramm. Wer ist der Mensch, der da vorne auf der Bühne steht? Und: Was hat mich in der nächsten Stunde zu erwarten?

Wenn sich der „unsichtbare“ Vorhang hebt, kann das eigentliche Programm beginnen. In der Oper käme jetzt die Ouvertüre, in der die Zuseherinnen und Zuseher musikalisch darauf eingestimmt werden, was sie alles erwartet. Darin werden die wichtigsten Leitmotive, die in den folgenden Handlungen eine besondere Bedeutung haben, angespielt, die einzelnen Personen werden musikalisch vorgestellt usw.

Böser Zauberer …

Dieses Konzept kann man auch auf ein Zauberprogramm übertragen, in dem die ersten Minuten wie eine kleine Ouvertüre gestaltet werden. Gerade bei Kindern, die vielleicht zum ersten Mal einen Zauberer live auf der Bühne sehen, scheint dies sinnvoll zu sein, um ihnen einen ersten Eindruck zu vermitteln was sie erwartet und eventuell bestehende Ängste (vor einem bösen oder gefährlichen Zauberer) zu nehmen. Ich hatte mir früher nicht vorstellen können, dass Kinder Angst vor einen Zauberkünstler haben. Aber nachdem mir dies mehrmals passiert ist, und ich sicher nicht der Auslöser dafür war, ist es mir inzwischen wichtig, allen Kindern zu Beginn zu zeigen, dass sie keine Angst haben müssen.

Positiv sein, Angst nehmen

Die Gründe für die – bei mir unbegründete – Angst können vielfältiger Natur sein: Das Kind ist noch zu jung, in seiner intellektuellen Entwicklung noch nicht so weit zu verstehen, dass eine Zaubershow nicht „echt“ ist, es ist noch in einer Märchenwelt verhaftet, in der böse Zauberer wirklich existieren, Eltern, Großeltern oder wer auch immer verwenden das Bild des „allmächtigen Zauberers“ als Droh- und Strafbild, mit dem das Kind zum richtigen Verhalten angehalten wird. Dass nichts davon auf mich und mein Programm zutrifft und man demnach auch keine Angst vor mir haben muss, das möchte ich in meiner Ouvertüre deutlich machen, um dann mit allen Kindern eine zwar spannende, aber zugleich auch entspannte Stunde zu erleben.

Zur Gestaltung des Vorspiels brauche ich eigentlich nur zwei Fragen zu beantworten: Wer bin ich in meiner Rolle als Zauberers? Und: Wie ist mein Zauberprogramm? Oder um es etwas genauer zu sagen: Was sind die wesentlichen Merkmale meines Programms? Wenn ich diese beiden Fragen beantworten kann, dann kann ich mit diesen Antworten die erste Sequenz meines Programm zusammenstellen. Denn in diesem Einstieg möchte ich, ähnlich einer Ouvertüre, alles zeigen oder zumindest andeuten, was sie zu erwarten haben.

Wie bin ich ?

Als Zauberkünstler möchte ich gerne wahrgenommen werden als: freundlich, hilfsbereit, den Menschen zugewandt, nicht übernatürlich und vor allem nicht perfekt

Wie ist mein Programm?

Mein Programm ist ein Spiel gemeinsam mit den Kindern, nur (in den meisten Fällen) zusammen mit den Kindern entstehen die verblüffende Wunder. Es gibt richtig gute Zauberkunst. Keiner – außer dem Zauberkünstler selber, blamiert sich. Es gibt ruhige und aufregende Momente im Wechsel. Ich möchte mindestens eine in sich geschlossene Geschichte erzählen.

Fortsetzung folgt

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