Bühnenbild und Staging

Von Roman Ertl

Unlängst wies Braidon Morris (in seinem Seminar) auf eine Selbstverständlichkeit hin: Die bewusste, zielorientierte Gestaltung des Bühnenbildes. Die Notwendigkeit dieses Themas liegt in seiner immer wieder zu beobachtenden Vernachlässigung. Auch wenn sein Grundgedanke: „Das Bühnenbild und die dazugehörige Bühnenkleidung sind der erste und der letzte Eindruck beim Publikum“ wohl nicht immer unter allen Umständen zutreffen mag, so manche Bühne von Kinderzauberern, die ich ansehen durfte, war tatsächlich nicht für die Vorstellung optimiert; insbesondere, wenn es keinen Bühnenhintergrund gab!

Bühnenbild von Volkmar in einer Kita

Einfach Vorhang kann Wunder wirken

Bei besagten Auftritten, sei es in einer Schule, Bibliothek oder bei einem Event liefen zufällig vorbeikommende Personen durch das hinter dem Zauberer befindliche „Bühnenbild“, unterhielten sich, wunderten sich über die vielen Kinder, zeigten auf sie oder machten sogar deutlich private Aktionen, die die Zusehenden ablenkten oder sogar verwirrten. Hier hätte schon ein einfacher Vorhang hinter dem Zauberer ein Wunder der Fokussierung bewirkt.

Doch Morris bittet um weit mehr als das. Er geht mit seinen Ideen zum Bühnenbild (zu dem auch die Kleidung zählt) nicht nur von Wertschätzung für das Publikum aus, er weist auf die themenzentrierte Auswahl der Bühnenelemente hin. Die Farbauswahl, die Materialien, die Größe usw. orientiert sich am Thema der Vorstellung, sei es nun die Weltreise oder die magische Tierwelt.

Die Aufgaben des Bühnenbildes sollen dabei nicht nur eine Einladung in das Reich der Magie und Träume sein, eine bestimmte gewünschte Atmosphäre unterstützen oder Orientierung auf einem großen Gelände bieten. Durch zeitweiliges Abdecken nicht gewünschte Elemente der Bühnenshow können Überraschungsmomente kreiert werden oder sie bietet dem sich dahinter befindlichen Darsteller einen Raum für Vorbereitungen.

Stimmiges Bühnenbild erzeugen

Die Requisiten auf der Bühne wie Tisch, Hocker, Koffer, Ablage usw. sollen mit dem Bühnenhintergrund korrespondieren, z. B. durch einen Farb- oder Formkontrast, und ein gesamtes stimmiges Bühnenbild ergeben. Sie sind aber zudem genau zu berücksichtigende Punkte in der Choreografie des Zauberers. Es muss ihre exakte Vorortung im Bühnenraum festgelegt werden. Also: Wo genau stelle ich sie hin und wenn ich sie bewegen muss, wann, wie, wozu und wohin?

Staging nach Christoph Borer

So eine Analyse wird Staging genannt und wird u.a. von Christoph Borer erbeten. Z. B. die Bühne wird in Draufsicht in 6 Sektoren eingeteilt: vorne und hinten sowie unterteilt in rechts, Mitte und links. Dann werden die Wege des Zauberers während seines Routineablaufs dort eingetragen. Denn es wird häufig langweilig, wenn der Zauberer die gesamte Zeit nur hinter seinem Koffer steht und Trick für Trick dort ein- und wieder auspackt, ohne sich auf der Bühne zu bewegen.

Steht sein Koffer in der Bühnenmitte hinten und möchte der Zauberer eine Schachtel allen Kindern leer zeigen, dann beginnt der Bewegungsstrich beim Staging in der Mitte hinten, geht von dort nach links vorne und endet rechts vorne (Sichtweise Publikum). Wenn er dort stehen bliebe, können die Kinder von links weniger sehen. Also geht er wieder zur Mitte, hat dann aber einen Weg „zuviel“ gemacht. Also dann gleich von hinten Mitte nach vorne und von dort die Schachtel nach rechts und links zeigen?

Wenn der Würfelkasten zum Finale leer gezeigt wird, kann es je nach Bauart des Kastens besser sein, dies hinten in der Mitte der Bühne z. B. auf einem geschlossenen Koffer zu vollziehen. Aber ihn auch die gesamte Routinezeit hinten stehen zu lassen, auch während der Würfelentnahme aus dem Zylinder ist suboptimal. Also wird z. B. ein Tisch gebraucht, der vorne stehen soll. Aber nicht direkt vor dem Koffer, sondern seitlich, aber wie weit? Soll der Zauberer dann vor oder hinter dem Tisch im Bühnenverkehr vorbei oder muss der Tisch dann an einen anderen Ort gestellt werden? Steht der Tisch bei der nächsten Routine im Weg und wird er mehrfach ohne magische Notwendigkeit zur Seite hin und her gestellt? Das kommt auf die Größe des bespielten Raumes an.

Wo soll das Kind auf der Bühne stehen?

Wenn ich ein Kind auf die Bühne hole, wo soll es stehen oder sitzen? Wenn z. B. ein Sitzhocker zwischen Zauberer und seinem Koffer steht, müsste der Magier hinter dem Rücken des sitzenden Kindes Utensilien aus dem Koffer holen bzw. ablegen. Dies könnte unprofessionell aussehen, obwohl hinter dem Kinderrücken durchaus tricktechnisch ein Griff verdeckt wäre, aber genau das könnten die Zuschauer vermuten. Die Utensilien auf der Vorderseite des Kindes zum Koffer zu bewegen könnte störend wirken, außer es gehört zu einer Comedy. Folglich besser das Kind und den Zauberer woanders platzieren, z. B. Koffer rechts, Zauberer Mitte, Kind links und ohne Tisch?

Borer arbeitet bei seinen Vorbereitungen viel mit inneren Bildern bzw. Filmen. Vielleicht wäre für den vorbereitenden Zauberer so ein innerer Film des optimalen choreografischen Routineablaufes auf der Bühne hilfreich für die Entstehung besonders magischer Präsentationsabläufe -oder sogar eines farbenreichen Bühnenbildes?

Bühnenbild gestern im Zaubertheater

Wie ist dein Bühnenbild gestaltet? Spartanisch oder bunt?

Sende gerne ein Foto davon an volkmar.karsten@t-online.de, um es hier veröffentlichen zu lassen!

2 thoughts on “Bühnenbild und Staging

  1. Lieber Roman,
    danke für diesen sehr schönen uns ausführlichen Artikel. Sehr schade, dass ich nicht in Bamberg mit dabei sein konnte …
    Wie du dir sicherlich bereits denken konntest, ist auch mir mein Bühnenbild sehr wichtig und ich habe auch Volkmar gerade Bilder von diesem zugeschickt – möchte jedoch noch zwei andere Anmerkungen zu meinen Gründen für einen solchen Hintergrund / Aufbau geben:

    1) bei kleinen Veranstaltungen wie Kindergeburtstagen … lasse ich jegliche Form von solchen „Aufbauten“ weg, da ich meinen Kunden möglichst Stress abnehmen und nicht zusätzlichen bereiten möchte. Denn ein solcher Hintergrund benötigt immer zusätzliche Tiefe und die ist bei kleineren Veranstaltungen nur sehr selten gegeben – und auch die Aufbauzeit ist …
    Aber auch jenseits dieser Einschränkungen ist glaube ich das Gruppenverständnis der Kinder bereits so ausgeprägt, dass eine solche Traumwelt nicht ganz so relevant ist.

    2) bei größeren Veranstaltungen empfinde ich den Hintergrund jedoch als absolut wichtig und kann allem oben Beschriebenen komplett zustimmen. Allerdings geht es mir, neben der Spannung und Neugier, die ein solcher Hintergrund bei den Kindern erzeugt, auch ehrlich gesprochen immer etwas „um das schnöde Mammon“ 😉 Denn ja – mir ist die Optik meiner Show, Requisiten … extrem wichtig – aber:
    Bei großen Veranstaltungen gibt es anschließend tausende von privaten Fotos, Videos … und hier erscheint es mir aus Marketinggesichtspunkten durchaus wichtig, hochwertig zu erscheinen und immer mal wieder einen „Name drop“ zu machen. Denn auch wenn andere Veranstalter und Eltern später nur lustige Bilder sehen – ist ein dort zu sehender Name des Künstlers immer Gold wert und führt durchaus zu der einen oder anderen Anfrage.
    Und ja … auch die Presse veröffentlicht lieber tolle Bilder und entscheidet sich aus meiner Erfahrung im Zweifel immer für optisch ansprechende Bilder… und beides sehe ich als zaubernder Dienstleister als (sehr) wichtig an.

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