Bundeswehr – Pflicht oder nicht?

Zurzeit diskutieren die Politik und hauptsächlich der Geburtsjahrgang 2008, ob die Wehrpflicht wieder eingeführt werden soll. Und wenn ja, in welcher Form.

Kurioser Weise habe ich vor etwa einem halben Jahr zum Thema „Bundeswehr“ hier auch etwas veröffentlicht, als der Veteranentag „gefeiert“ wurde und ich mich als Veteran angesprochen fühlte. Guckst du hier.

Ich habe mir inzwischen das damals angebotene Veteranenabzeichen bestellt und Herr Oberst Berger hat mir einen netten (Form-)Brief geschrieben und es mir geschickt. Getragen habe ich es allerdings noch nicht, da ich durchaus zwiespältig in Bezug auf die Bundeswehr bin und auch als junger Mann war, als mich die Frage „Dienen oder nicht?“ direkt betraf.

Will ich in der Bundeswehr dienen?

Damals, 1971, stellte sich mir und meinen Altersgenossen die Frage: „Gehe ich zur Bundeswehr oder verweigere ich den Wehrdienst?“ Gesetz war damals, dass jeder gesunde junge Mann 18 Monate Grundwehrdienstleisten musste. Auf Antrag konnte man sich aus Gewissensgründen vom Dienst mit der Waffe befreien lassen und war dann verpflichtet, einen Zivildienst im sozialen Bereich zu leisten. Kurz gesagt: Wehr- oder Zivildienst war Pflicht.

Ich persönlich habe mich damals für den Wehrdienst entschieden. Nicht aus militärischer Begeisterung, aber in der „Wahl zwischen Pest und Cholera“ erschien mir der Wehdienst als kleineres Übel als der Zivildienst, zumal ich mich da für 2 Jahre verpflichten konnte. Das brachte ein gutes monatliches Gehalt ein, mit dem ich Geld für mein Studium ansparen wollte. Was auch geklappt hat, dann ging aber das Ersparte für Führerschein und mein erstes Auto drauf. 🙂

Bis heute bin ich zwiespältig, ob ein gesellschaftlicher Dienst für junge Menschen sinnvoll und richtig ist. Wenn überhaupt, würde ich diesen Dienst allerdings generell für alle jungen Menschen einführen, also Männer und Frauen. In Zeiten der Emanzipation (die aus meiner Sicht sehr weit vorangeschritten ist in Deutschland) gibt es keinen Grund, in dieser Frage Unterschiede zwischen Männern und Frauen zu machen.

Ein Dienst für Deutschland sollte im Idealfall dazu führen, sich mit seinem Heimatland solidarisch zu zeigen. 1972 (zur Zeit des kalten Krieges) wie heute (zur Zeit der russischen Aggression und anderer Krisenherde) sollten wir in Deutschland für unsere freie Weltordnung und Lebensweise einstehen und diese Freiheit notfalls auch verteidigen. Dazu gehört als Abschreckung und Verteidigung eine gewisse militärische Stärke, also eine schlagkräftige Bundeswehr. Aber auch eine inhaltliche Solidarität in Bezug auf unser Land, das durch zivilen Dienst gestärkt werden kann.

Aus diesen beiden Gesichtspunkten halte ich eine gewisse Form des gesellschaftlichen Dienstes für vorteilhaft. Mich hat damals als 19-jähriger auch die (erzwungene) vorübergehende Trennung vom Elternhaus in meiner Persönlichkeitsentwicklung voran gebracht. Ich musste (und wollte) eigene Entscheidungen in einer fremden Umgebung treffen. Ich denke, diesen Entwicklugnsschritt sollte man in der Debatte um den Dienst nicht unterschätzen.

Dienst für Deutschland? Ja, aber nicht als Wehrdienst

In der heutigen Debatte um den Wehr- oder Ersatzdienst stehe ich daher auf dem Standpunkt, dass jeder gesundheitlich geeignete junger Mensch einen Wehr- oder Ersatzdienst für unsere Gesellschaft leisten sollte. Allerdings soll jede*r selbst entscheiden dürfen, ob es der Wehrdienst oder ein sozialer Dienst sein soll. Beides ist gesellschaftlich gleich wichtig.

In Bezug auf den Wehrdienst war ich bereits 1972 der Meinung, dass eine freiwillige Berufsarmee besser für Deutschland wäre als gezwungene unmotivierte Soldaten und habe einen Abend als Gefreiter mit meinem Herrn Oberst darüber intensiv diskutiert. Leider schloss er sich meiner Meinung damals nicht an.

Auch heute meine ich, dass der Dienst in der Bundeswehr freiwillig sein muss. Gerne darf er deswegen attraktiv (auch finanziell) gestaltet werden, um ausreichend viele Männer und Frauen dafür zu interessieren. Ich glaube fest daran, dass das funktioniert, denn es gibt viel mehr verantwortungsvolle junge Menschen, als uns manche Medien gerne weismachen wollen. Junge Menschen reflektieren sehr genau und intensiv, wie sie ihr Leben – und damit ihr Lebensumfeld in Deutschland – gestalten möchten. Und sie sind bereit, sich dafür zu engagieren.

Redet mit den jungen Menschen!

Insofern verstehe ich nicht, wieso die aktuelle Diskussion über Wehr- und Ersatzdienst wieder mal nur von den „alten weißen Männern“ geführt wird. Redet lieber mit den jungen Leuten, die es betreffen wird – ihr werdet Staunen, welche positiven Entwicklungen es dann geben wird.

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