Das eigene Zaubertheater (2)

Der erste Teil dieses Artikels endete so: „Und dennoch lohnt sich der Betrieb des eigenen Zaubertheaters. So sehr, dass ich nach meiner über dreijährigen Zauber-Auszeit direkt mit einem Zaubertheater im Herbst 2019 wieder in die Zauberei eingestiegen bin. Wie das gemeint ist, darüber berichte ich im nächsten Teil.“ Das will ich heute tun.

Also: 2016 beschloss ich eine Auszeit vom Zaubern zu nehmen und verkaufte konsequent mein gesamtes Equipment – Tricks, Technik, Bücher, ALLES. Nur so konnte ich sicherstellen, in der Zeit auch wirklich Abstand von der Zauberkunst zu halten.

Das funktionierte auch gut, ich war fast drei Jahre „trocken“. Aber dann interessierte mich die Zauberkunst doch wieder und ich wollte wieder einsteigen. Diesmal aber anders. Ich wollte nicht mehr ständig auf fremden Veranstaltungen auftreten, wo ich die Rahmenbedingungen nicht beeinflussen kann und manchmal Wartezeiten von mehr als 1 Stunde in Kauf nehmen musste, bis mein Auftritt endlich dran war. Diesmal sollte alles nach meinen Wünschen gehen.

Das Zaubertheater im BSC Grünhöfe

Schnell war mir klar: Der einzige Weg, das zu erreichen, ist ein eigenes Zaubertheater. Da entscheide ich, wann ich wie lange welches Programm spiele und die Zuschauer kommen, um genau das anzusehen.

Aus meinen vorherigen Theater-Erfahrungen wusste ich, wie schwer es ist, eine passende und finanzierbare Räumlichkeit zu finden und wie finanzschwach die Region Bremerhaven ist. Volle Häuser bei kulturellen Angeboten sind hier nicht selbstverständlich – was eine hohe Investition von vornherein ausschloss.

Kooperation mit meinem Sportverein

So reifte mein Entschluss, das angenehme Zaubertheater mit meiner nützlichen ehrenamtlichen Tätigkeit als „Manager“ unseres Vereinshauses zu verbinden. Wir sind ein kleinerer Mehrsparten-Verein, dessen Sporthaus nur 2 Mal unter der Woche abends sowie am Wochenende zum Spielbetrieb der Fußballer geöffnet ist. D.h., es gibt freie Kapazitäten, auch am Wochenende, weil unsere Fußballabteilung relativ klein ist. Ich könnte also problemlos freie Termine zum Üben, für Kurse und für Vorstellungen finden und nutzen. Zudem ist der Raum groß genug um einen Teil davon als Theater mit fester Bühne einzurichten.

Gesagt, getan. Nach einigen Gesprächen mit dem Vorstand, dem ich als Ehrenvorsitzender beratend mit angehöre, wurde die Idee, unser Vereinshaus mehr zu beleben, begrüßt. Das „Zaubertheater im BSC Grünhöfe“ war beschlossene Sache und ich hatte freie Hand es zu gestalten. Das Theater sollte quasi ein Abteilung des Vereins sein und damit auch ein Werbeträger.

Hans-Jürgen Kellner im Zaubertheater im BSC Grünhöfe 2020 beim 5. Kinder-Zauber-Festival

Meine Nutzungs-Konditionen

Seit November 2019 führe ich mein Zaubertheater zu folgenden Konditionen:

  • Ich nutze kostenlos die im Verein vorhandene mobile Bühne mit den Maßen 3 x 2 Meter, 40 cm hoch, mit einer Spider- Wand als Hintergrund. Zudem haben wir eine moderne Tonanlage inklusive Headsets (all das wurde schon vor mehreren Jahren für Veranstaltungen des Vereins über ein regionales Förderprogramm angeschafft).
  • Die Räumlichkeit kann ich kostenlos jederzeit nutzen. Über Förderprogramme und mit einer Spende meinerseits an unseren Verein haben wir 60 Stühle neu gekauft, die für die Gaststätte und das Theater genutzt werden. „Meinen“ Teil des Raumes kann ich gestalten, wie ich möchte.
  • Der Raum wird einmal wöchentlich von einer Reinigungskraft gesäubert. Die Kosten dafür und für alle weiteren Nebenkosten trägt der Verein.

Meine Gegenleistung …

… für die kostenlose Bereitstellung eines Theaters durch meinen Verein sind:

  • Ich kümmere mich in meiner Vereinsfunktion als „Manager und Wirt“ und als „Theaterdirektor“ um die Räumlichkeit, organisiere den laufenden Kneipen- und Theaterbetrieb und sorge dafür, dass auftretende Mängel behoben werden.
  • Für meine Vorstellungen nehme ich kein Eintrittsgeld, sondern bitte um Spenden für den Verein und dessen Theater. Sie decken so zumindest einen Teil der Nebenkosten.
  • Ich mache mit meinen Vorstellungen regelmäßig Werbung für den BSC Grünhöfe, indem ich den Namen des Vereins (so wie jetzt gerade) in die regionale Öffentlichkeit bringe.

Der (finanzielle) Gewinn aus dem Theater

„Und was habe ich persönlich davon?“, höre ich jetzt Zauberkünstler*innen rufen, die mit der Zauberkunst zumindest einen Nebenverdienst erzielen wollen. Nun, ich habe zunächst einmal Spaß an diesem Konstrukt: Ich liebe meinen Verein, die Zauberkunst für Kinder und Kinder generell. Für alle drei Bereiche kann ich in meinem jetzigen Zaubertheater Gutes tun. Zudem ist meine mit der Pensionierung gewonnene Freizeit sinnvoll und kreativ gefüllt.

Aber ich habe auch einen reellen finanziellen Gewinn davon, denn nur meine öffentlichen Vorstellungen im Theater sind kostenlos (als es ging, waren das 1-2 im Monat). Darüber hinaus ergeben sich aus dem Theaterbetrieb aber auch Anfragen für private Auftritte oder solche in Schulen und Kitas.  Die nehme ich an, wenn sie mir gefallen (!), aber dann natürlich für richtiges Honorar. Insofern betrachte ich das kostenlose Theater auch als kostenlose Werbemaßnahme.

Zudem veröffentliche ich in der „Schriftenreihe zur Zauberkunst für Kinder“ regelmäßig Bücher. Die praktischen Erfahrungen dazu sammle ich in den Auftritten in meinem Theater, das dafür zugleich meine Experimentier-Bühne ist.

Mein „Zaubertheater im BSC Grünhöfe“ ist also eine Win-Win Situation für mich und meinen Sportverein. Vielleicht ist das – in angepasster Form – eine Anregung zur Nachahmung?

Im nächsten Teil beschreibe ich meine Spielplangestaltung.

2 thoughts on “Das eigene Zaubertheater (2)

  1. Vielen Dank für diesen interessanten Artikel, Volkmar. Mich würde außerdem sehr interessieren warum du der Zauberei eine zeitlang „abgeschworen“ hast.
    Viele Grüße
    Bernhard „Bernhard – der Zauberer“

    1. Moin, Bernhard,
      Ja, das kann ich verstehen.
      Mir fiel selbst beim Schreiben meines Artikels ein, dass ich das Thema „Auszeit“ mal ausgiebiger im Blog darstellen könnte/sollte.
      Ich arbeite bereits dran und werde dazu in nächster Zeit einen Beitrag einstellen.#
      Schöne Grüße
      Volkmar

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