Das eigene Zaubertheater

In den letzten zwei Jahrzehnten schießen Zaubertheater wie Pilze aus dem Boden – und vermutlich noch viele weitere Zauberkünstler*innen träumen davon, in eigenen Räumlichkeiten aufzutreten. In der Neuauflage von „Zauber?Kinder!“ befindet sich deshalb ein komplettes neues Kapitel zum Thema „Das eigene Zaubertheater“. Darin beschreibe ich sehr genau, was bei der Gründung eines eigenen Theaters alles bedacht werden muss.

Aber warum ist das eigene Theater eigentlich der Traum vieler Künstler*innen? Genügt es denn nicht, gut und regelmäßig gebucht zu sein (wenn nicht gerade eine Pandemie herrscht)? Mit dieser Frage will ich mich hier befassen und dazu meine eigene Erfahrungen beschreiben.

Die „Zauberburg II“

Ich habe mein erstes Zaubertheater im Jahre 2005 gegründet: Die „Zauberburg II“. Der Name leitete sich von der „Zauberburg“ ab, die bereits in den 60er Jahren vom damaligen Ortszirkel Bremerhaven betrieben wurde. Ich wurde 2004 Mitglied in diesem Zirkel, der aber schon längst keine eigenen Räumlichkeiten mehr hatte (und auch nur noch wenige Mitglieder).

Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon viele Auftritte und war in der Region als Zauberkünstler bekannt. So beschloss ich jetzt nebenberuflich ein eigenes kleines Theater zu gründen, in dem ich regelmäßige Auftritte spielen wollte und das auch dem Zirkel als Treffpunkt und Auftrittsort dienen konnte. Die „Zauberburg II“ war dann einfach die Fortsetzung der alten Zauberburg – und mein eigenes Theater. Wie ich schnell feststellte, hatte ich mir damit Spaß, Freude und Stress zugelegt.

Der Reiz eines Zaubertheaters

Mit dem eigenen Theater hat man als Künstler*in die Möglichkeit, für eigene Auftritte die passende magische Atmosphäre zu schaffen. Anders als bei gebuchten Auftritten in Schulen, auf Geburtstagen usw., wo die Räumlichkeiten mehr oder weniger unmagisch sind, tauchen die Zuschauer hier in eine andere Welt ein, sobald sie die Eingangstür passiert haben. Das ganze Ambiente und die Dekoration wirken schon zauberhaft und die Zuschauer sind entsprechend erwartungsvoll.

Zudem kommen in ein Zaubertheater Menschen, die sich freiwillig und aus eigenem Interesse für den Besuch einer Zaubervorstellung entscheiden. Sie sind sogar bereit dafür Eintritt zu zahlen. Das ist deutlich anders als bei gebuchten Auftritten, wo es nicht ungewöhnlich ist, dass auch Gäste anwesend sind, denen die Zauberei ziemlich gleichgültig ist. Sie sind aus einem anderen Grund hier (dem Geburtstag, der Feier, …) und der Zauberer ist dann im besten Falle eine zusätzliche gute Unterhaltung.

Insofern wertet das Zaubertheater die auftretenden Künstler*innen auf, weil das Publikum genau ihretwegen gekommen ist. Zudem entscheidet der Künstler selbst über seinen Auftritt: Wann er spielt, wie lang das Programm ist und was angeboten wird: Close up, Stand up, abendfüllend, Comedy – das entscheidet allein die auftretende Künstlerin, nicht der Gastgeber einer Veranstaltung. Ein Zaubertheater bietet ein hohes Maß an künstlerischer Selbstbestimmung.

Die Kehrseite der Medaille

Das eigene Zaubertheater hat leider auch seine Schattenseiten, die nicht verschwiegen werden sollen und die einer potenziellen Gründung bewusst sein müssen. Sie lassen sich auf zentrale Hauptthemen reduzieren:

Geld …

Nur in seltenen Glücksfällen wird es eine passende Räumlichkeit geben, die mietfrei und ohne Nebenkosten als Zaubertheater zu nutzen ist. Ganz im Gegenteil entstehen dadurch schon einmal je nach Lage erhebliche monatliche Fixkosten, die eingespielt werden müssen. Im Gegensatz zu einer Buchung mit festem Honorar wird die Einnahme im Theater mit Eintrittsgeld der Besucher erzielt, die erst einmal in das Theater gelockt werden müssen. Stichpunkt: Werbung.

… Zeit …

Für den erfolgreichen Betrieb eines eigenen Theaters muss sich der Betreiber um alles selbst kümmern und das kostet sehr viel Zeit, oder – wenn man Teile davon an andere Personen überträgt – Geld.  Wie bei einem gebuchten Auftritt muss natürlich das Programm entwickelt werden. Aber während ich vor der „Theater-Zeit“ mit einem Kinder- und einem Erwachsenenprogramm ausgekommen bin, die ich hin und wieder gering modifiziert habe, war im Theater schnell klar, dass jeweils ein zweites und drittes Programm hermüssen. Ich will ja ein Stammpublikum haben, und das möchte nicht jedes Mal die gleiche Show sehen. Neue Programm zu entwickeln dauert Zeit und kostet Geld für neue Requisiten.

Hier galt: „Eintritt: 1-Stuhl“

Weitere Zeit (und Kosten) müssen in die Werbung investiert werden, denn ohne Werbung kommt kein Zuschauer.  Oder in die Ausstattung des Theaters: Stühle, Bühne, Bar, Dekoration, Beleuchtung – alles muss geplant, bezahlt und umgesetzt werden. Dafür kann man zum Sparen auch mal kreative Ideen einsetzen, wie die Aktion: „Eintritt: 1 Stuhl“. Kam gut an, war preiswert 🙂 sah aber dann doch zu wirr aus und ich kaufte wenig später einheitliche Stühle.

… Geld oder Zeit

Das Theater muss sauber und instandgehalten werden. Das kann man selbst tun oder machen lassen – immerhin darf man entscheiden zwischen Zeit oder Geld.

In all diesen Bereichen ist der Betrieb anders als bei gebuchten Auftritten, wo ich mich nur um meinen Auftritt kümmern muss – alles andere ist Sache des Auftraggebers.

Und dennoch lohnt sich der Betrieb des eigenen Zaubertheaters. So sehr, dass ich nach meiner fast vierjährigen Zauber-Auszeit direkt mit einem Zaubertheater im Herbst 2019 wieder in die Zauberei eingestiegen bin. Wie das gemeint ist, darüber berichte ich im nächsten Teil.

4 thoughts on “Das eigene Zaubertheater

    1. Ja, das war ein schöner Auftritt. Wenn du mal wieder möchtest (und man darf), kannst du gerne im neuen Zaubertheater ein Gastspiel geben!

      1. Sehr gerne!
        Kann ich ja direkt mal mein neues Programm spielen.
        Und wenn ich schon mal da bin, gebe ich auch gerne noch mein Kinderprogramm zum Besten.
        Da freue ich mich jetzt schon drauf… und natürlich auf den netten Kollegen aus dem Norden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.