Das Ministerium empfiehlt: Zauberei

Von Bernhard Raupach

Auf der Internetpräsenz des Zauberkünstlers Pierre Brenó konnte ich ein wirkliches Fundstück entdecken. Die „Kommission der Regierung von Oberbayern für Puppenspiele und Aufführungen sonstiger Wanderbühnen“ prüfte Pierre Brenó im Jahre 2003 und legte ihren Bewertungsbogen vor. Zu finden ist er hier: Prüfungsbericht Regierung von Oberbayern (in-zaubertheater.de) Dies wurde offenbar auch im amtlichen Schulanzeiger veröffentlicht.

Quelle: www.in-zaubertheater/index.php/prüefungsbericht-regierung-von-oberbayern

Auf die abschließende Bewertung folgt ein bemerkenswerter Hinweis an die Schulen, der die Aufführung anstelle einer Unterrichtsstunde empfiehlt.

Ich halte dies für ein erstaunliches Dokument.

„Zauberei statt Büffeln“- das klingt zu schön um wahr zu sein. Und ein Ministerium, das ein amtliches Referenzschreiben ausstellt? Das war mir neu. Ich frage mich, ob diese Möglichkeit der Werbung auch in anderen Bundesländern möglich ist? Sollten wir nicht alle von dieser Möglichkeit Gebrauch machen?

Ergänzungen von Volkmar Karsten:

In einem Gespräch teilte mir Ulrich Rausch mit, dass auch Hardy und Wolfgang Hundt (Hundini) ähnliche amtliche Empfehlungen hatten. Was darauf deutet, dass es in Bayern (wo beide heimisch sind) diese Prüfungsmöglichkeit gab oder noch gibt. Vielleicht können Kolleg*innen von dort uns mehr berichten?

Tommy Morgan aus Worms war sogar im Auftrag des Rheinland-Pfälzischen Kultusinisteriums unterwegs: Er spielte in Schulen sehr erfolgreich sein preisgekröntes Verkehrs-Erziehungsprogramm.

Aus anderen Bundesländerns sind mir solche Kooperationen oder Unterstützungsmöglichkeiten nicht bekannt. Ich war 2003 selbst Regierungsschuldirektor in Niedersachsen (wenn auch nicht „Leitender“, wie der Kollege aus Bayern, der die Empfehlung unterschrieben hat). Solche Prüfmöglichkeiten, wie sie die „Kommission der Regierung von Oberbayern für Puppenspiele und sonstige Wanderbühnen“ darstellt(e), waren damals und auch bis heute bei uns und im Land Bremen nicht vorhanden.

Wollen wir solch eine Prüfung?

Eine ganz andere Frage ist, ob solch eine Prüfung und Einstufung überhaupt wünschenswert ist. Selbstverständlich ist es gut, eine positive Referenz zu haben, die ich in Schulen oder Kitas vorlegen kann – sie erhöht vermutlich die Bereitschaft, mich zu buchen.

Andererseits greift der Staat, bzw. das Bundesland, in die künstlerische Freiheit ein, denn das „Gütesiegel“ bekomme ich nur, wenn ich die staatlichen Anforderungen erfülle, die dafür festgesetzt wurden. Experimente, neue Wege wären damit eingeschränkt und unterlägen der staatlichen Aufsicht.

Vielleicht weiß auch jemand mehr über die Einstufung der Künstler*innen in der früheren DDR. Sie waren meines Wissens Voraussetzung, um überhaupt oder gar in Schulen auftreten zu dürfen.

One thought on “Das Ministerium empfiehlt: Zauberei

  1. Ich danke dem Verfasser des Artikels und würde vorschlagen, dass jeder Profi oder auch Amateur die Möglichkeit hat, die Prüfung ablegen kann. Die Entscheidung einen Künstler in die Schule einzuladen liegt alleine am Schulleiter oder der Schulleiterin. Die Schule ist nicht verpflichtet, einen „pädagogisch wertvoll geprüften Zauberkünstler“ einzuladen. Allerdings gehen die meisten Schulen auf Nummer sicher, wenn sie den Künstler und seine Arbeitsweise nicht kennen, und entscheiden sich für den, der auch den Nachweis „pädagogisch wertvoll“ vorlegen kann. Des Weiteren ist vom Prüfling das „Erweiterte Führungszeugnis“ zu beantragen. Wenn Sie das Prüfungsergebnis auch in all den Schulauftritten nicht immer wieder erfolgreich wiederholen, könnte es sein, dass man das Ende der Fahnenstangen sehr schnell erreicht hat. Über „Sein oder nicht Sein“ urteilen letztendlich die Schülerinnen und Schüler, ob sie in vier Jahren wieder kommen dürfen. In meiner Prüfung waren es rd. 250 Schüler*innen der 1. bis 4. Klasse. Das was nicht im Prüfungsbericht angegeben wurde: 10 Leute von der Regierung von Oberbayern.! Also, bleiben Sie am Ball. Eine Bewertung mit der früheren DDR-Praktiken zu vergleichen finde ich völlig unangebracht. Das hat so ein kleines „Gschmackerl“ wie man in Bayern sagt!
    Gruß
    an alle meine Freunde
    der Zauberkunst
    Pierre Breno

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