Ulrich Rausch
Ein paar Gedanken zur Trickerklärungsorgie der Ehrlich Brothers & Co.
Aktuelle Fälle
In der Zeit der ersten Corona Welle, die auch Künstler hart getroffen hat, hat sich zumindest im deutschen Sprachraum ein Phänomen in einem besondern Ausmaß gezeigt: Sowohl in der Schweiz, wie auch in Österreich und Deutschland haben bekannte Künstler jeweils über die Internetpräsens von auflagenstarken Tageszeitungen (Bild in Deutschland und Kronenzeitung in Österreich) Video-Serien mit Trickerklärungen veröffentlicht.
In Österreich hat ein bekanntes Duo in seinem Wohnzimmer erklärt und dann am Ende auf seine HP hingewiesen, wo man ein Kinderzauberbuch bestellen kann. (Kleine Bemerkung am Rande: In Österreich gibt es eine Buchpreisbindung, d.h. das Buch darf nur zu dem vom Verlag festgelegten Preis, nämlich 16,50 €, verkauft werden. Auf der Homepage kann man es auch signiert bestellen, dann kostet das Kinderzauberbuch 18,50 €, und wenn man eine persönliche Widmung möchte 21,50 €. Buch: Zauberkunst lernen mit Thommy Ten | thommy-und-amelie (theclairvoyantslive.com
Abgesehen davon, dass es meiner Meinung nach gegen die Buchpreisbindung verstößt, finde ich es schon sehr befremdlich, wenn man sich ein Autogramm und ein freundliches Wort in dem gekauften Buch für Kinder extra bezahlen lässt! Ich mache das immer aus Freundlichkeit und als Kundendienst).
Über die Motive, warum jemand auf diese Weise Tricks enttarnt, kann man nur spekulieren – wissen kann man es nicht. Und deshalb ist es müßig, die wirklichen Gründen in die Beurteilung einbeziehen. Man kann zur Kenntnis nehmen, dass die Akteure dies tun um Kinder für die Zauberkunst zu begeistern, ihnen die schwierige Zeit der Pandemie zu erleichtern etc., aber manche dieser „Entschuldigungen“ sind vielleicht von der PR-Abteilung geschrieben worden und es geht vielleicht eher darum, seinen Namen in der Öffentlichkeit lebendig zu halten, Werbung für sich oder ein aktuelles Produkt zu machen oder was sonst auch noch denkbar wäre.
MZvD und Ehrlich Brothers
Was mich an dem aktuellen Fall MZvD – Ehrlich Brothers hochgradig irritiert, sind folgende Punkte:
Auf Seiten der Brothers:

Sie besitzen seit langem einen Mitgliedsausweis, auf dessen Rückseite steht, dass „das Mitglied das Schweigegebot u n e i n g e s c h r ä n k t anerkennt“. (Hervorhebung durch den Autor) Ich kann mir nur vorstellen, dass entweder ihnen das Wort „uneingeschränkt“ in seiner Bedeutung nicht bewusst ist oder dass sie glauben, dass sie inzwischen in der Zauberszene unangreifbar sind und deshalb machen können, was sie wollen. „To big to fail“.
Weiter irritiert mich, dass sie in ihrer Erklärung zum Austritt schreiben: „Manchmal erfüllen wir dabei auch den Wunsch, ein k l e i n e s Trickgeheimnis kennenzulernen.“ (Quelle: Magischer Zirkel von Deutschland e.V. (MZvD) – Beiträge | Facebook / Hervorhebung vom Autor).
Was ist ein „kleines“ Trickgeheimnis?
Ich behaupte, es gibt kein kleines und auch kein großes Geheimnis. Genauso wenig wie es gute oder schlechte Trickgeheimnisse gibt! Entweder ist eine Idee, ein Griff, ein Hilfsmittel geeignet die Zuschauer zu täuschen, dann ist sind sie Trickgeheimisse, oder aber sie sind es nicht, dann sind es Dummheiten oder Selbsttäuschungen.
Eine DS ist in der Hand eines Könners, so wie es z.B. Salvano war, auch für Zauberkolleg*innen ein vollkommen undurchschaubares Geheimnis, während sie bei einem Stümper mehr als offensichtlich ist. Ist die DS deshalb ein vermeintlich kleines oder großes Trickgeheimnis? Ist es gerechtfertigt, es zu verraten, oder ist dies eine Schande, weil man per Videoclip zwar die Zahl der Wissenden vergrößert, aber damit die der Stümper vermehrt, auch weil die richtige Anwendung nicht in 5 Minnten erklärbar und erlernbar ist?
Ich könnte jetzt jeden Trick einzeln auf die gleiche Weise durchgehen und käme immer zu dem gleichen Ergebnis: Es gibt kein kleines Trickgeheimnis. Argumentativ ist dies vollkommen untauglich – aber man kann es natürlich verwenden, um sich vor sich selber oder anderen zu rechtfertigen: Wir verraten ja nur kleine Geheimnisse – nix Großes!
Übrigens: Für mich ist ein kleines und altes Geheimnis, dass man mit Filmtricks arbeitet. Mit dem Beginn der Kinematographie hat man mit Kameratricks gearbeitet. Wenn ich es mir recht überlege, könnte man ja mal etwas Aufklärung betreiben, wo und wann die EB mit Kameratricks arbeiten, wenn die Zuseher*innen denken, das Livebild auf den Leinwänden in der Halle zu sehen.
Der MZvD
Auf Seiten des MZvD irritiert mich zum einen, dass er selber auch noch heute (14.12.2020) auf der Vereinshomepage Werbung für die „Ehrlich Kids Magic School“ macht und aktiv nach Teilnehmer*innen sucht. Als sie im August 2020 dies als News prominent auf der HP hochgeladen haben, werden sie doch sicher nachgefragt haben, um was es geht und ob dort vielleicht Tricks öffentlich verraten werden. Wäre dies der Fall, könnte man ja nicht guten Gewissens sich aktiv daran beteiligen. Man würde ja Beihilfe zum Verstoß an der Satzung leisten.

Screenshot vom, 14.12.2020/17:35 Uhr (Ehrlich Brothers suchen Nachwuchszauberer/innen ° Magischer Zirkel Deutschland (mzvd.de)
Als ich noch Mitglied war (jetzt bin ich es nicht mehr, aber aus anderen Gründen), habe ich dem Vorstand einige konkrete Fragen zum Erklärunsgverbot gestellt. Ich war der Meinung, dass es an der Zeit ist, diese Regelung mal grundsätzlich zu diskutieren, um dann evtl. die Satzung zu aktualisieren. Die Fragen zielten auf Informationen ab, die meiner Meinung nach Grundlage für eine gute Diskussion hätten werden können. Zum Beispiel, wo die historischen Wurzeln des Verbots sind oder was das Ziel ist, ob das vereinsinterne Verbot dieses Ziel erreicht usw. Die Antwort kennen alle, die diese Zeilen lesen.
Während des Diskussionsprozesses hätte man alle Verfahren wegen Geheimnisverrats auf Eis legen können, um dann später mit einem vielleicht etwas anderen Blick die aktuellen Fälle zu betrachten. Man hätte sich die jetzige Situation, von der alle Beteiligten angeben, dass sie sie so eigentlich nicht wollen, ersparen können.
Als Nicht-Mitglied interessiert mich dies alles nicht mehr, aber ich habe noch ein starkes Interesse an der Frage, ob und wie man verantwortlich Zaubertricks lehren kann. Darum wird es im nächsten Teil gehen.

HALLO ULRICH !!!!! In Liebe otto
Hallo Ulrich. Viele Grüße Tonga
Zum Thema, was an den Ehrlichs irritiert:
Ja, es steht auf dem Ausweis, dass man sich an die Satzung halten muss, ja die Satzung verbietet derart Trickverrat.
Allerdings muss man meiner Meinung nach auch die Tragweite berücksichtigen.
Viele der Trickerklärungen, welche die beiden öffentlich zur Verfügung gestellt haben, waren bereits online zu finden, sie haben das ganze lediglich einer größeren Masse zugänglich gemacht.
Zumal man meiner Meinung nach nicht davon ausgehen kann, dass die beiden bei allem, was sie tun auf diesen Ausweis schauen (sprichwörtlich versteht sich).
Schlichtweg: Die Wirkungskraft der beiden beschränkt sich eben nicht nur auf den Zirkel, die Lebensrealität ist halt nunmal weitreichender als das (schlichte) Vereinsleben.
Dass sie gegen die Ehrenordnung verstoßen haben, stimme ich zu. Jedoch ist dort anzumerken, dass die Begriffe „Trickverrat“ und „Schweigegebot“ in der Ehrenordnung selbst teils widersprüchlich genutzt wird, daher meiner Meinung nach der Fehler schon hier liegt.
Wenn der MZvD nicht in der Lage ist, das zu überarbeiten, bzw. zu differenzieren, welche Form des „Trickverrats“ schädlich ist, finde ich es nur konsequent von den beiden, dass sie ausgetreten sind.
Dass der MZvD gegen die beiden schießt, sie dann aber als Aushängeschild weiter nutzt (auch heute noch, fast 5 Jahre nach dem Austritt) zeigt meiner Meinung nach deutlich, wer hier am längeren Hebel sitzt.
Ohne die Ehrlichs wäre nunmal die Reichweite der Zauberkunst in Deutschland fast gänzlich nicht gegeben und sich mit deren Aufbauarbeit zu schmücken ist ein schwaches Zeichen.
Mitgliedern, die so viel für die Zauberkunst getan haben, eine Lappalie vorzuwerfen und damit die Zauberkunst eher einschränken als fördern zu wollen (was übrigens auch ein Verstoß gegen die Satzung ist – vom MZvD selbst) ist ein Armutszeugnis