Der sogenannte „Trickverrat“

Ein Beitrag von Roman Ertl

Inwieweit Bühnendarsteller, die mit Kindern zaubern, auch Tricks verraten können, sollen oder sogar müssen, wird gerade wieder einmal heiß öffentlich wie privat diskutiert. Fest steht, dass die meisten Zauberer und Zauberinnen schon von Kindes Beinen an mit dem Virus der Magie infiziert wurden. Der erste selbst erarbeitete Trick ist vielen noch in Erinnerung, so beeindruckend war er einst.

Um solch ein Kunststück zu bewältigen muss jemand diesen Trick genau erklären. Doch für Zauberer, die im MZvD Vereinsmitglied sind, gelten bestimmte Einschränkungen bei einer Trickerklärung. Die Ehrlich- Brüder, Stars vieler Kinderherzen und erster Infektionskontakt mit dem glücklicherweise ungefährlichen Zaubervirus haben Trickerklärungen veröffentlicht und wurden deshalb gerügt, worauf sie den Verein verlassen haben.

Die Ehrlich-Brothers

Die Stellungnahme von Andreas und Chris Ehrlich: „Als Ehrlich Brothers haben wir in den vergangenen Jahren immer wieder für den Magischen Zirkel von Deutschland (MZvD) geworben – bei Fernsehauftritten, in Interviews, in den Live-Shows und in beratenden Gesprächen mit ambitionierten Nachwuchskünstlern, so wie zuletzt bei der Produktion des TV-/Streamingformats Magic School. Bei all unseren Auftritten in der Öffentlichkeit zollen wir stets Respekt vor der Branche und versuchen immer, Lust auf diese wunderbare Kunst zu machen.

Quelle: wikipedia.de

Manchmal erfüllen wir dabei auch den Wunsch, ein kleines Trickgeheimnis kennenzulernen. Uns wird durch alle Altersgruppen hinweg immer wieder versichert, dass wir ein erstes Interesse bei potentiellen Zauberkids und Nachwuchszauberern wecken. Der MZvD hat uns jüngst einen Verweis erteilt und uns informiert, dass die Satzung keine andere Wahl ließ. Für uns ist damit deutlich geworden, dass unser Verständnis davon, wie man mit zeitgemäßer Form Interesse an der Zauberkunst weckt, nicht mit dem Regelwerk des MZvD zu vereinbaren ist.

Daher sehen wir leider keine Möglichkeit, Mitglieder des Magischen Zirkels zu bleiben. Wir werden auch in Zukunft Shows aufführen, bei denen wir den einen oder anderen kleinen Trick erklären. Die nächste Gelegenheit wird unsere große Live-Show an Weihnachten und Silvester sein, die wir in die Wohnzimmer Deutschlands streamen. Wir waren viele Jahre gerne im MZvD. Daher bedauern wir diesen Schritt. Wir werden die Mitgliedschaft in guter Erinnerung behalten und die Aktivitäten des MZvD weiterhin mit Interesse verfolgen.“

Wie stehst du dazu?

Dieses aktuelle Geschehen soll Anlass sein, sich erneut mit diesem herausfordernden Thema zu beschäftigen und vielleicht ein „update“ der eigenen Einstellung vorzunehmen. Wir alle kennen die drängelnden Kinderwünsche nach Trickerklärungen und müssen diese auffangen und lenken. Wie schaffen wir eine Balance zwischen den Polen Ehrlichkeit vs. Entzauberung? Bitte schreibt gern dazu etwas in den Kommentar.

6 thoughts on “Der sogenannte „Trickverrat“

  1. Ich verrate generell keine Tricks in der Öffentlichkeit und sehe auch keinen vernünftigen Grund dafür. Neugier der Zuschauer ist für mich kein Argument.
    Ich führe aber Zauberkurse durch und veröffentliche Bücher z.T. mit Trickerklärungen, was meines Wissens mit den Regularien des MZvD vereinbar ist. Der entscheidende Unterschied ist für mich, dass die Teilnehmer-/Leser*innen nicht aus Neugier kaufen, sondern aus Interesse.
    Und ich teile mein Trickgeheimnis nicht mit 3000 Zuschauern, von denen es vielleicht 2827 gar nicht interessiert, sondern nur mit denen, die ausdrücklich deswegen kommen (oder kaufen), die also bereit sind, für Ihr Interesse Zeit und Geld zu investieren.
    In meinen Augen verwechseln die Ehrlich Brothers da echtes Interesse mit schlichter Neugier oder Sensationsgier der Zuschauer.

    1. Wobei die Ehlich Brothers meines Wissens nach auch NIE eigene Tricks verraten, sondern immer nur solche, die sich andere Künstler ausgedacht haben,.

  2. Allmählich finde ich die Diskussionen über den Trickverrat schon peinlich. Heutzutage ist jeder Interessierte in der Lage sich über YouTube alle möglichen Trickerklärungen anzusehen. Ich glaube kaum, dass alteingesessene Zauberer über diese Informationsquelle informiert sind, geschweige denn, sie öffnen zu können..
    Vor mehr als 35 Jahren besuchte ich, erstmalig nach 15 Jahren öffentlicher Zauberauftritte, einen Zirkelabend in Osnabrück. Jedes anwesende Mitglied zeigte mir sofort ungefragt sein Können. Als ich meinem Gegenüber dann bei der Zauberei mit einem Tuch erklärte, seine Daumenspitze gesehen zu haben, war für mich der Abend schon halb gelaufen. Der Höhepunkt wurde erreicht, als ich nach einem Magie-Heft griff, das auf dem Tisch lag: „Wer nicht Mitglied im Verein ist, darf keinen Blick in die Geheimnisse der Vereinszeitung werfen.“
    Zwecklos zu erwähnen, dass ich eine Woche zuvor in Bochum bei einem Seminar noch einen ganzen Jahrgang von Alfred Schmidt erworben hatte.
    Erst über Michael Sondermeyer fand ich wieder Zugang zum MZ.
    Der Vorstand des MZ scheint sich in den letzten 40 Jahren im Punkt Trickverrat nicht weiterentwickelt zu haben. Hier sollte man umdenken, um nicht eines Tages den Verein wegen Mitgliederschwund ad acta zu legen.

    1. Lieber Hartwig,
      schade das Du in Osnabrück schlechte Erfahrungen gemacht hast aber auch gut zu hören das es auch gute Ortszirkel gibt. Wie oft bist du in den letzten Jahren in diesem Ortzirkel gewesen um dein Erfahrung, die du in mehreren Jahrzehnten sammeln durftest, mit dem Nachwuchs zu teilen? Der MZvD entwickelt sich natürlich. Vielleicht nicht so wie der eine oder andere es gerne hätte aber es gibt schon heute, trotz angeblich unmoderner Satzung, einige sehr erfolgreiche ONLINE Zauberschulen. Wenn du das Schweigegebot komplett abschaffen möchtest kannst du auch auf der Mitgliederversammlung den entsprechenden Satzungsänderungsantrag stellen. Nichts machen, nicht einmal zu Ortszirkeltreffen gehen und dann sich öffentlich über Mitgliederschwund beschweren ist peinlich – nicht das bewahren der Trickgeheimnisse.

  3. Meine Meinung dazu ist keine von den beiden einfachen Erwarteten, ob JA oder NEIN. Ich bin der Meinung, dass es dem Zuschauer überhaupt nichts nutzt zu erfahren, wie etwas technisch funktioniert. Es beruhigt ihn lediglich seines EGO`s wegen, damit er nicht als dumm dasteht.

    Allerdings ist da ein für mich sehr wichtiger Aspekt, den ich seit vielen Jahren bei den Kollegen in ihrer Argumentation zum Thema schmerzlich vermisse: Warum fragt ein Zuschauer nach einer Lösung? …weil er glaubt, dieses Wissen ist ausreichend für eine Vorführung. Verrät man ein Trickgeheimnis, vermittelt man genau das aber! Ein Trickgeheimnis zu verraten mit der anschließenden Bemerkung, dass das allein aber nicht reicht, ist dann aber noch sinnloser!

    Also….BIN ICH GEGEN TRICKVERRAT, weil ich keinem damit irgendwie helfe. Ich werte mich selbst ab, wenn ich mit einer Erklärung dem Zuschauer automatisch vermittle, dass genau dieses Wissen ausreicht, das hervorzurrufen, was ich damit erreicht habe. Wenn er es also mit diesem Wissen trotzdem nicht nachmachen kann (und es ganz sicher auch nie wollen würde, sondern nur den vermeintlichen „intellektuellen Nachteil“ abbauen möchte), welchen Grund gibt es dann eigentlich wirklich dafür?

    Anders verhält es sich natürlich bei Zauberlehrlingen, wovon es aber in Wirklichkeit eigentlich wenige gibt.

  4. Auch zu diesem Thema möchte kurz eine Rückmeldung geben. Ich mache viel Tischzauberei in den Familienhotels wobei ich vorher immer eine Zaubershow für alle (groß und klein) habe. Nach der Show schnell umziehen und dann geht es in die Bar. Da werde ich oft gefragt wie das mache oder wie das Kunststück geht. Meine Antwort darauf ist immer, wenn jemand an der Zauberei interessiert ist soll er sich einen Zauberkasten kaufen und schauen ob die Zauberei wirklich etwas für ihn sei. Das erledigt zu 99% die Fragerei. Viele größere Kinder schauen natürlich gleich auf YouTube ob sie da etwas finden. Das kann man natürlich nicht verhindern.

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