Endlich wieder Auftritte!

Nach der langen Corona-Durststrecke scheint jetzt doch Bewegung und Hoffnung in die Zauberszene zu kommen: Am vergangenen Sonntag hat Silvio Fischer aus Oschatz (Sachsen) wieder zwei öffentliche Zaubervorstellungen gegeben und zwischendurch Ballons modelliert. Heute hat er einen Schulauftritt in der Schule seiner Kinder. Und wie er mir erzählte, hat auch Rosi in Berlin schon wieder auf einem Kindergeburtstag gezaubert. Es gibt also Hoffnung auf bessere Zeiten.

Doch wie ist es trotz Corona zu den Auftritten von Silvio gekommen? „Der Zauberzwerg“ sprach zuerst mit dem Künstler. 🙂

Anlass war ein öffentliches Fest in der Nähe von Oschatz, das zwischen Leipzig und Dresden in Sachsen liegt – ist ja wichtig, weil jedes Bundesland zurzeit andere Regeln für die Durchführung von Veranstaltungen hat. Das Fest hat ein ebenfalls corona-geschädigter Unternehmer organisiert, der sonst mit mobilen Bratwurst-, Eis- und Crêpes-Ständen auf Märkten und Festen unterwegs ist. Mangels Auftragslage (und vermutlich Bargeld…) hat er also auf seinem großen Grundstück ein Fest selbst organisiert.

Absprache mit Ordnungs- und Gesundheitsamt

Das geschah in Absprache mit dem zuständigen Ordnungs- und Gesundheitsamt, mit dem er und auch Silvio ihre Pläne absprachen. Nach Vorlage eines Konzepts waren keine Einwände mehr für die Durchführung des Festes vorhanden. Konkret wurde das Übliche verlangt: Tische mit nötigem Abstand, Mund-Nase-Schutz beim Gehen, Desinfektion, keine direkten Kontakt – also nichts, was nicht einzuhalten wäre.

An die 250 Gäste waren dann dem Ruf gefolgt und haben unter anderem die 2 Zaubershows von Silvio angesehen. „Die Bedingungen waren anders als sonst, aber in Ordnung.“, berichtet Silvio. „Der Veranstalter hatte mir als Bühne einen kniehohen Anhänger aufgestellt. Davor war in 2,5 Meter Abstand eine Absperrung, näher durften die Gäste nicht herankommen.

Kontaktlos zaubern

Die Kunststücke mussten kontaktlos vorgeführt werden. Kinder auf die Bühne holen ging natürlich nicht, aber es gibt ja genug Kunststücke, bei denen die Kinder vom Platz aus „mitzaubern“ können. Ich habe u.a. ein Seilzerschneiden durchgeführt, die Lovely duck, die Pompom-Stäbe kindgerecht mit einem Vortrag, wie mein Schlanfang war, außerdem Würfelkasten, Ringspiel und eine Bonbon-Produktion. Die hatte ich extra beim Gesundheitsamt absichern lassen. Ich musste die verpackten Bonbons vorher desinfizieren und sie direkt aus der Kasserolle ins Publikum werfen – also durfte sie nicht mehr anfassen. Die Kunststücke ohne Kind auf der Bühne zu spielen war zwar ungewohnt, aber es geht. Ich werde weiter an meinen Tricks arbeiten, um sie in solchem kontaktlosen Rahmen spielen zu können.“

Ballontiere modellieren

Zwischen seinen zwei Vorstellungen hat Silvio Ballontiere modelliert. Dafür mussten die Kinder mit Abstand anstehen, das hat auch weitgehend geklappt, weil der Veranstalter regelmäßig an alle Eltern appellierte dafür zu sorgen. „Die Kinder konnten ihr Wunschtier bei mir bestellen. Ich habe die dann modelliert und hatte für die Übergabe eine pop-up Gartentonne mitgebracht. Das war der Briefkasten für das bestellte Tier. Wenn es fertig war, habe ich es mit einer Müllzange in den Briefkasten gelegt, gerufen: „Die Post ist daaa!“  und das Kind konnte es sich abholen.

Zwischendurch habe ich ständig meine Hände und die Ballontiere desinfiziert, ausreichend Flüssigkeit war vorhanden.“

Das Fazit:

Die Veranstaltung war sehr ungewohnt und anstrengend, berichtet Silvio weiter, denn er war von 11 – 19 Uhr dort, aber die angebotene Mischung aus Zauberei und Ballonmodellieren war kontaktlos umsetzbar und hat allen Beteiligten Spaß gemacht.

„Ich werde jetzt mein Programm durchforsten und gucken, ob ich noch mehr Tricks kontaktlos vorführen kann. Und generell werde ich versuchen, im Freien statt in einem Raum zu spielen. Da können mehr Kinder teilnehmen und die Ansteckungsgefahr ist nicht so hoch.“

Silvios Auftritt in der Grundschule für heute ist unter folgenden Regeln geplant: Er gibt 4 Vorstellungen nacheinander für 1. Klassen, 2. Klassen, 3. Klassen, 4. Klassen. Das sind pro Vorstellung ca. 30 Kinder, während der Klassenwechsel resetted er sein Programm, das natürlich wiederum kontaktlos ist. Gezaubert wird in der Turnhalle, Silvios Vorschlag im Freien aufzutreten wurde seitens der Schule nicht gewünscht.

Meine Meinung:

Eine sehr interessante Sache, diese Auftritte – da leuchtet Licht am Ende des Tunnels. Es scheint doch bald wieder möglich zu sein Zaubervorstellungen zu spielen, auch wenn es anders als bisher sein wird. Zumindest in Sachsen und vielleicht auch in anderen Bundesländern. Ein Kollege aus Bayern, der in einer Kita arbeitet, sah die Sache in einem online Chat pessimistischer. Dort gibt es zurzeit noch ein Besuchsverbot für Betriebsfremde, also auch Zauberkünstler, in Einrichtungen und man rechnet nicht vor Jahresende damit, dass Zaubervorstellungen gebucht werden können.

Dennoch scheint mir der Weg der Akteure aus Sachsen erfolgversprechend: Selbst die Initiative ergreifen, Kontakt mit Ordnungs- und Gesundheitsamt aufnehmen und ausloten, was geht. Anscheinend lassen die (für mich zurzeit nicht wirklich zu durchschauenden) Corona – Schutzregeln einigen Spielraum für Kunst – zumindest in manchen Bundesländern.

2 thoughts on “Endlich wieder Auftritte!

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