Happy end bei der Häschenwanderung

Gestern habe ich wieder in meinem ausgebuchten Zaubertheater mein Programm „Tierischer Zauber“ gespielt, das ich ja in meinem zuletzt erschienenem Buch „Die Zauber-Familienshow“ ausführlich vorgestellt habe.

Ein Bestandteil dieses Programms ist die Häschen-Wanderung. Die besitze ich (mit Unterbrechungen) schon seit mehr als 20 Jahren, sie hat aber nie den Sprung in eines meiner Programme geschafft. Warum nicht? Mir gefiel schon immer ausgesprochen gut die „Spielerei“ mit dem Publikum, dass die Häschen umgedreht werden, aber ich das mit dem ehrlichsten Gesicht der Welt bestreite. Ich liebe diese „Streitgespräche“ mit den Kindern.

Aber mir gefiel es nie, dass am Ende die Kinder die gelackmeierten sind, wenn dann die Rückseiten ganz andere Farben aufweisen. Für mich hat das im Umgang mit den Kindern einen faden Beigeschmack.

Eine schönere Lösung

Nach meiner „Zauber-Auszeit“ fiel mir dann plötzlich eine schönere Lösung für die Häschen ein, die ich seitdem spiele – und nun hat die Wanderung einen Stammplatz im Tierprogramm.

Ich spiele also jetzt zunächst klassisch die Häschenwanderung: Ich zeige die Vorderseiten, eine schwarz, eine weiß und decke sie ab. Nun zaubere ich die Häschen auf die jeweils andere Seite, dabei lasse ich die Kinder den Zauberspruch rufen: „Hokus, Pokus, fidibus, dreimal schwarzer Vater.“ Die Kinder rufen: „Kater!!!“, Also noch einmal, aber diesen Gag kennt ihr ja sowieso. Die Hasen sind also gewandert.

Ich nehme aber nicht die Abdeckung ab, sondern kündige an: „Das ist Babykram, das kann jeder. Aber was wir jetzt machen, das hat die Welt noch nicht gesehen: Wir zaubern die beiden Hasen wieder zurück an ihren alten Platz! Also: Hokus, pokus, fidibus, drei Mal schwarzer Hase!“ Die Hasen wandern zurück (ich trage sie bei jeder Wanderung hin und her, was viel Lauferei ist, denn die Hasen stehen etwa 4 Mater auseinander. Aber was tue ich nicht alles für mein Publikum.)

Jetzt decke ich die Hasen auf, sie stehen wieder (?) richtig. Die Begeisterung der Kinder hält sich in Grenzen, manche reklamieren bereits, dass die Hasen gar nicht gewechselt haben.

Der zweite Durchgang

Ich frage: Habt ihr nicht gesehen, dass der weiße Hase dort drüben war?“ Haben sie natürlich nicht. „Wollt ihr das sehen?“ – „Jaaa!“ – „Das kann ich doch nicht wissen. Warum sagt ihr das denn nicht?“, stelle ich mich dumm, was ich sehr gut kann. „Gut, wir zaubern noch einmal: Hokus, pokus, fidibus, drei Mal schwarzer Hase!“ Ich trage die Hasen zur jeweils anderen Seite, dabei drehe ich sehr offensichtlich die Hasen um. Anschließend decke ich den ersten Hasen auf und stelle fest: „Hier ist jetzt der schwarz Hase!“ Dann den anderen: „Und hier ist jetzt der weiße!“

Dafür ernte ich Gelächter und den Vorwurf: „Du hast die Hasen umgedreht!“, worauf ich erstaunt und etwas beschämt frage: „Ach, das habt ihr gesehen?“ – „Jaaa!!!“ Ich gebe daraufhin zu: „Ja, ihr habt recht, ich habe euch beschummelt: Dieser weiße Hase hier ist auf der Rückseite schwarz, und der andere auf der Rückseite weiß.“

Die Umkehrung

Bevor das Gespräch unangenehm wird, fahre ich aber fort: „Ja, das ist doof, oder? Aber wie wäre es denn, wenn ihr einfach zaubert? Wer von euch kann denn gut zaubern?“ Da die Hasenwanderung ziemlich zum Ende des Programms stattfindet, melden sich viele Kinder – sie haben bereits gemerkt, dass sie bei jedem Mitzaubern sehr gut aussehen. Ich wähle Svenja aus und gebe ihr schon mal einen Zauberstab.

Dann decke ich die Hasen wieder ab und lege auf die eine Hülle ein gelbes, auf die andere ein rotes Tuch – natürlich passend zu den Rückseiten des jeweiligen Hasen darunter. Ich kündige an: „Und jetzt bitte ich euch, gemeinsam mit Svenja diesen Hasen auf der Rückseite gelb zu zaubern!“ Das tun wir mit dem Zauberspruch. „Und nun diesen auf der Rückseite gelb!“ Auch das geschieht.

„Wollt ihr sehen, ob es geklappt hat?“ Selbstverständlich wollen sie das und der Wunsch der Kinder ist mir selbstverständlich Befehl (jedenfalls, wenn er sich mit meinem Plan deckt…) Ich drehe also mit einer dramatischen Geste erst den einen Hasen um – riesiger Jubel – dann den zweiten – noch riesigerer Jubel. „Super! Ihr habt es geschafft! Ihr seid ja echte Zauberer!“ usw.

Nachklapp

Mit dieser Endung des Kunststücks ist der Effekt genau umgekehrt: Die Kinder sind nicht die Gelackmeierte, sondern sie sind die Helden des Kunststücks: Sie haben sich zunächst nicht aufs Glatteis führen lassen und am Ende sogar selber einen großartigen Zauber verursacht.

So liebe ich es und so lieben es auch die Kinder. Und darum bemühe mich mich in meinem Programm, möglichst bei jedem Kunststück die Kinder positiv in den Vordergrund zu stellen und sie zu den Stars der Vorstellungen zu machen. Ich kann nur empfehlen, es genauso zu tun und das eigene Programm auch einmal auf diesen Gesichtspunkt hin zu überprüfen.


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8 thoughts on “Happy end bei der Häschenwanderung

  1. Lieber Volkmar,
    aus dem von dir beschriebenen Grunde habe ich die Hasenwanderung zwar im Schrank, aber nie im Kinderprogramm gehabt.
    Vielleicht sollte ich einmal darüber nachdenken, ohne deine Methode 1:1 zu kopieren.
    Zeit zum Austüfteln ist ja vorhanden …
    Weihnachtsfeiern weniger.
    Vielleicht wäre das auch einmal ein Thema.
    Zauberhafte grüße aus Ostwestfalen
    Uwe
    *Emmello*

    1. Thema Weihnachtsfeiern? Da warten wir doch mal die heutige Sitzung der MP ab – dann wissen wir vielleicht, ob wir für Weihnachtsfeiern planen können. Ich hab jedenfalls angefangen, mein Weihnachtsprogramm einzuüben. Ich will es am 28.11. zum ersten Mal in diesem Jahr spielen. Mit „deinem“ Schneesturm 🙂

  2. Ich möchte nur hinzufügen, dass Kinder in der Regel mit Aufsitzereffekten kein Problem haben, wenn „anständig“gespielt werden und es nicht um das Besiegen geht, sondern man gemeinsam Spass haben will. Und in diesem besonderen Fall finde ich es sowieso unproblematisch, weil ja nicht ein Kind vor den anderen bloßgestellt wird.

    1. Das sehe ich entschieden anders. Ich halte diese Aufsitzer-Spielchen generell für grenzwertig und unnötig. Warum soll ich Witze auf Kosten des Publikums machen?
      Und generell kann man den Begriff „Kinder“ so auch nicht als Maßstab nehmen. Die „Kinder“ gibt es nicht. Alle sind Einzelpersonen mit unterschiedlichen Empfindungen. Manche sind eben sehr sensibel, andere kein bisschen. So macht es manchen Kind nichts aus „veräppelt“ zu werden, das nächste direkt neben ihm fühlt sich dadurch schlecht behandelt.
      Ich finde, wenn sich auch nur ein Kind in meiner Show durch einen Aufsitzer-Trick betroffen fühlt, dann ist das eins zu viel. Darum verzichte ich lieber auf solche „Scherze“.

  3. Hatten wir diese Diskussion um „Aufsitzer“ nicht schon in Bremerhaven!? 😉
    Wann ist ein (vermeintlicher) „Aufsitzer“ ein „Aufsitzer“?
    Je nach Sichtweise… immer. Was aber auch gar nicht schlimm ist.
    Denn… – und da bin ich ganz bei Ulrich Rausch – …es kommt doch letztendlich (immer) nur darauf an, wie man einen solchen „Aufsitzer“ präsentiert.
    Will ich der „Überlegene“ sein und meinem Publikum mal so richtig zeigen, wer von uns am Ende der „Schlaue“ ist, oder nutze ich den (Aufsitzer-) Effekt lediglich für ein unerwartetes Ende/einen unerwarteten Höhepunkt?
    Wenn ich richtig überlege, habe ich etliche solcher „Höhepunkte“ in meinem Programm. 🎈
    Gruß
    MIKE

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