Heute Grauer Star – Operation

Wenn dieser Artikel veröffentlicht wird, fahre ich nach Cuxhaven in eine Augenklinik, um in mein linkes Auge eine neue Linse einsetzen zu lassen. Diagnose (schon länger): Grauer Star, in Fachkreisen Katarakt. Jetzt wurde langsam die Sehleistung deutlich schwächer, so dass ich mich für die Operation entschieden habe. Heute gegen 12 Uhr ist es so weit.

Eigentlich ist diese Grauer-Star-Operation eine Bagatelle, vergleichbar vielleicht mit einer Blinddarm OP. Schnell, harmlos, ambulant, erfolgreich. Aber natürlich kann bei jeder noch so kleinen OP etwas daneben gehen. Dementsprechend umfangreich und aus meiner Sicht nervig sind die vorbereitenden Maßnahmen.

Ob die wirklich alle so notwendig sind? Oder sind da auch ein paar aufgeblasene Arzttermine bei, die hauptsächlich für den Arzt und sein Konto gut sind? Die aber letztlich unnötig Zeit und Geld kosten und unser Gesundheitssystem finanziell belasten. Wie auch immer, es ist, wie es ist. Bis es vielleicht einmal geändert wird.

Mein Arzt-Plan

Seit etwa 40 Jahren gehe ich regelmäßig wegen einer Hornhautverkrümmung und einem „Grünen Star“ (Glaukom) zum Augenarzt. Gewünscht wird alle 3 Monate, ich lasse pro Jahr aber 1 oder 2 Termine einfach ausfallen. Die gemessenen Werte in meinen Augen waren trotzdem immer gleich, die Preise für die Rechnungen ebenfalls. Egal, was gemacht wurde, die Arztrechnungen lagen bei ca. 300 €. Da ich Privatpatient bin, erhalte ich nach jedem Arztbesuch die Rechnung zugeschickt.

Die Diagnose „Grauer Star“ kam vor etwa 10 Jahren ins Gespräch. Ein Augenarzt wolle gleich operieren, sein Praxiskollege meinte, das wäre noch nicht nötig… Manchmal wurde auch gar nichts darüber gesagt. Jetzt habe ich selbst bemerkt, dass ich schlechter sehe und mich für die Operation entschieden.

Arztbesuche ohne Ende

Seitdem bin ich Dauergast in der Praxis. Alle naselang eine weiterer Termin. Erst eine normale Augenuntersuchung. Mit dem gleichen Ergebnis wie immer. Dann Termin mit einem Optiker der Praxis, der die richtige Ersatzlinse für meine Augen ermitteln sollte. Mit dem Ergebnis: Es gibt sie zum Preis von nahe null € (als Leistung der Krankenkasse) bis hin zu 2410 € für beide Augen, wenn ich die „Multifokallinse torisch“ nehme. Ich habe mich für die normale „Linse mit Tiefenschärfe torisch“ entschieden. 105,99 € pro Linse, keine Ahnung, ob die Krankenkasse das zahlt. Ich glaube nicht, ist aber egal, weil ich vermutlich dann auch keine neue Brille mehr benötige. Die die Kasse auch längst nicht mehr zahlt.

Dann noch eine Beratung und Untersuchung mit dem Augenarzt. Übrigens meistens mit einem anderen, weil die Praxis seit 2 Jahren ein „Augenkompetenzzentrum“ ist, in dem mehrere angestellte Ärzte praktizieren. Also nicht mehr „mein“ Augenarzt, sondern irgendein Augenarzt, der gerade Dienst hat. Ich weiß noch nicht einmal seinen Namen.

Bisher also 3 Augenarzt Termine nur wegen der OP, dazu ein Gesundheitscheck beim Hausarzt mit EKG und gestern ein Beratungsgespräch mit der Anästhesisten. Weil ja eine lokale Betäubung und eine Beruhigungsspritze durch eine Infusion an der Hand vorgesehen ist. Alles sehr dramatiisch und mit dem dringenden Hinweis, dass ich anschließend 24 Stunden lang eine Betreuungsperson benötige – falls etwas geschehen sollte.

Ich bin nur verwundert, weil ich die gleiche Art der Betäubung auch schon bei einer Blasen- und einer Darmspiegelung erhalten hatte, zu denen ich weder nüchtern kommen musste, noch beraten wurde, noch eine Betreuungsperson brauchte… Wunder der Medizin.

Bisher habe ich so Arzttermine im Wert von ca. 700 € wahrgenommen und Medikamente für ca. 100 € gekauft. Alles zur Vorbereitung. Und die Rechnung der Anästhesistin ist noch nicht einmal dabei.

Heute wird operiert

Heute muss ich um 10.45 Uhr in der Klinik in Cuxhaven sein, ca. 45 km von meinem Wohnort Bremerhaven entfernt. Hier gibt es zwar auch eine Augenklinik, aber mit der arbeitet mein Kompetenz-Zentrum leider nicht zusammen. Also fahre ich nach Cuxhaven. Selbstverständlich nur hin, zurück fährt mich ein Sportfreund aus dem Verein, der extra mitkommt. Nach der OP wird mein linkes Auge abgedeckt, damit darf ich natürlich nicht selbst fahren – auch wegen der Narkose-Nachwirkungen. Ich darf 24 Stunden lang weder als Autofahrer, noch als Radfahrer oder Fußgänger am Straßenverkehr teilnehmen, habe ich auf einem der gefühlt 1000 Infoblätter gelesen – was übrigens wegen meinem Grauen Star und ziemlich kleiner Buchstaben ziemlich kompliziert war.

Wir fahren um 10.00 Uhr los. 10.45 Uhr soll ich in der Klinik sein, die OP wird dann etwa 1 Stunde später stattfinden, ab 13 Uhr soll ich wieder gehen können. Ich bin gespannt, ob der Zeitplan realistisch ist. Bisher hab ich mir bei jedem Arzttermin Blasen am Arsch in Wartezimmern gesessen. Und dann angefangen zu meckern, weil ich nicht verstehe, warum die vergebenen Termin-Uhrzeiten nicht zumindest relativ pünktlich eingehalten werden können. Service-Wüste Deutschland.

Und ab morgen geht das Theater weiter: Nachuntersuchung. Sicher sinnvoll. Und dann in 4 Wochen die zweite Operation am anderen Auge. Ich freue mich darauf, dann wieder sehr gut sehen zu können, aber die Arztbesuch gehen mir tierisch auf die Nerven. Ich habe keine Angst oder Sorgen, aber ich bin wegen meiner selbst diagnostizierten „Wartezimmer-Allergie“ von jedem Arztbesuch äußerst genervt.

Und ich bin sehr gespannt auf den Gesamtpreis der ganzen Aktion. Ich werde darüber berichten!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert