„Ja!“ zu Zoom-Auftritten

Vorgeschichte:

Vor einiger Zeit hatte ich über die Zoom-Show von Mr. Flo berichtet und dazu geschrieben, dass diese online-Form von Auftritten nichts für mich ist. Dazu hat es einige Kommentare gegeben, u.a. den folgenden von Christian Geiger, der die Sache völlig anders sieht als ich. Ich halte das Thema für so wichtig und die Argumentation für so gut, dass ich nach Rücksprache mit Christian seinen Kommentar hier als erweiterten Artikel veröffentlichen möchte. Diskussionen sind ausdrücklich erwünscht!

Online shows für Kinder

Hallo Volkmar, nun habe ich auch gerade deinen Beitrag hier gefunden und muss auch ein paar Gedanken los werden… Denn ich bin von manchen Einschätzungen und auch Kommentaren etwas irritiert, da ich hier einiges anders sehe, aber der Reihe nach.

Ich biete nun auch seit Ende November 2020 Online-Shows für Kinder & Teenies an, nachdem mich einer meiner Kunden überredet hat: „Wenn das ein Zauberer nicht schafft, wer denn dann?“ Denn vorher fand dieses „Online-Ding“ auch total doof – vor allem aus Unkenntnis der technischen Möglichkeiten!

Nach mehr als 2 Monaten und sehr vielen Online-Shows habe ich meine Meinung nun komplett revidiert, auch wenn ich mich riesig auf die ersten Live-Auftritte freue – wann auch immer das sein mag…

Online Show als eigener Show-Typ

Dabei sehe ich die Online-Show als komplett eigenständigen Show-Typ, der zwar mit meinen Live-Kindershows etwas zu tun hat, aber ganz anderen Regeln folgt! Daher ist auch die Auswahl der Kunststücke eine andere und ich habe mich für visuellere Kunststücke oder auch „virtuelle Kunststücke zum Mitmachen“ entschieden.

Und ja – auch die Interaktion mit den Kindern folgt anderen Regeln – wobei ich auch meine damaligen Argumente wie „Ich brauche die Kinder Live“ mittlerweile nicht mehr so sehe. Denn bspw. Zoom ist ja eben NICHT der Ein-Wege-Kanal, in den ich nur sende und nichts empfange. So hole ich in meinen Zoom-Shows auch Kinder (virtuell) durch die Spotlight-Funktion nach vorne, lasse diese mitzaubern, sich verneigen, Applaus entgegennehmen usw. Klar, dabei kann die Zauberei nur bedingt direkt in den Händen der Kinder stattfinden – aber das ist eben eine Einschränkung dieses Showtyps und lässt sich bspw. virtuell lösen …

Direktes Feedback der Kinder ist da

Und ich selbst sehe alle Kinder bei mir auf dem Bildschirm und bekomme deren Feedback live mit … wenn man das „Delay“ vergisst, fast wie live. Und auch die Einschränkung bezüglich des Bildausschnitts empfinde ich nicht mehr als Hindernis, sondern sogar als Vorteil. Denn warum soll ich diesen „Off-Bereich“ als Zauberer denn nicht nutzen, mit Overlays arbeiten … Das hat dann zwar mit der Live-Zauberei nicht mehr viel zu tun … aber warum soll ich die Vorzüge dieses Show-Typs denn nicht für meinen Vorteil nutzen?

Und noch ein Wort zum Schluss: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Kinder aktuell sogar dankbarer sind für diese Art der Unterhaltung, als ich dies je live erlebt habe! Denn der Alltag dieser Kinder ist momentan so auf den Kopf gestellt, dass sich diese ganz extrem darüber freuen gemeinsam eine solche Show zu sehen.

Ist das eine Generations-Frage?

Zwischenbemerkung von Volkmar: Nach dem Kommentar hatte ich mit Christian Kontakt aufgenommen, indem ich u.a. schrieb, dass die Nutzung der Zoom-Technik für Kinderzauber-Vorstellungen auch eine Generationsfrage sein könnte – ältere Künstler wie ich wollen/können das vielleicht nicht. Was er dazu meint, lest Ihr im Folgenden.

Und auch wenn ich dir ungern widerspreche – ich denke, das ist KEINE Generationsfrage 😉

Ich denke das Grundproblem liegt darin, dass die meisten (Kinder)-Zauberer die Technik nicht verstehen bzw. auch nicht verstehen möchten. Diese akzeptieren bspw., dass sie sich früher auch in Techniken auf der Bühne einlesen und weiterbilden mussten … (Licht, Ton, Auswahl, der Kunststücke …), aber was bspw. Zoom macht und kann ist uninteressant, bzw. hier versucht man erst gar nicht zu verstehen, was dort alles möglich ist … 🙁

Und wie ich geschrieben habe – Streaming Shows ohne Rückkanal der Kinder finde ich affig. Aber über Zoom mach es Spaß! Ich habe hier manchmal einen Geräuschpegel im Studio … auch wenn manche Arten von Kunststücken nicht ganz so gut funktionieren. Aber die neuen Möglichkeiten eröffnen auch ganz neue „Tricktechniken“ 😀

Daher denke ich, dass die Ablehnung dieser Form zu 99% auf Unkenntnis der technischen Möglichkeiten beruht – aber das lässt sich alles lernen – wenn man möchte!

Nachtrag

Ich habe heute mit Christian telefoniert und wir haben über das Thema interessant gesprochen. Mit dem Resultat, das ich doch so langsam ins Grübeln komme, ob Zoom-Auftritte nicht doch besser sind, als ich bisher dacht.

Christian würde sich jedenfalls freuen, wenn sich noch viel mehr Künstler*innen dafür entscheiden würden. Die Nachfrage ist hoch, die Technik unkompliziert und die Kinder haben große Freude daran. Für Rückfragen steht er gerne zur Verfügung. Kontakt ist möglich über seine Homepage oder per Mail info@chrismagic.de .

Was meint Ihr zu diesem Thema?




4 thoughts on “„Ja!“ zu Zoom-Auftritten

  1. Eine Antwort auf die „Zoom- Frage“ ist m. E. auch damit verbunden, was als Ziel der Show gesehen werden soll. Möchte ich „nur“ Unterhaltung, Spaß und Überraschungen, dann ist so eine Zoomshow ein mögliches Medium zu Geldverdienen. Wenn ich aber Zauberkunst möchte (siehe die Beiträge im Netz von Timon Krause), also dass STAUNEN mehr ist als Überraschung, dann ist das mit Zoom deutlich schwerer möglich.

    1. Hallo Roman.
      Ich bin vollkommen auf deiner Seite wenn du schreibst, dass STAUNEN über Zoom schwieriger zu erreichen ist – aber es ist möglich 🙂 Hast du eventuell einen Link zu den Beiträgen von Timon Krause – ich habe bei Google nicht direkt was gefunden, würde mich jedoch interessieret. Danke.

      Und nur um das klar zu stellen – mir persönlich geht es bei den Online-Shows nicht bzw. nur zweitrangig um das Geldverdienen. Ich liebe Kinder über alles und möchte daher meinen Teil dazu beitragen, die Kinder zumindest für 45 Minuten aus Ihrem aktuell sehr tristen Alltag zu holen! Und daher geht es in meinen Online-Shows tatsächlich „nur“ um Zauberei zum Mitmachen mit sehr viel Entertainment, Animationen auf dem Bildschirm… Und je mehr sich dabei die Kinder den Bauch vor lachen halten – desto besser …
      Dabei bin ich vollkommen auf deiner Seite – und möchte bei Live-Shows als Künstler auch mehr als Entertainment liefern … aber Online ist es auch so OK.
      Daher freue ich mich auch weiter über jeden weitere(n) Kollegen/innen, der Kinder in der nächsten Zeit mit einer Online-Show glücklich macht 🙂

  2. Hallo Christian,
    ich gelobe Besserung und argumentiere weniger theoretisch, sondern nun praktisch:
    Ja, der Spaß steht bei den Kindern an erster Stelle und der Zauberer m/w/d hat ja auch viel Freude bei den Shows. Das geht mit Zoom prima (wenn man sich die Technik zu eigen gemacht hat). Auf http://www.timonkrause.com/ze gibt es dann wieder mehr theoretische Gedanken zum Gratis- Download über die Systemrelevanz von Kunst.
    🙂

  3. Ganz ehrlich: Ich persönlich kann Online-Shows nicht viel abgewinnen.
    Zauberkunst funktioniert nur LIVE. ✔
    Es passieren Dinge, für die es selbst in unserer hochtechnisierten Welt keinerlei Erklärungen zu geben scheint.
    Darum sind auch viele Klassiker (immer noch) so gut. Dem Zuschauer fehlt fast immer ein möglicher Lösungsansatz. Bei einem Seilzerschneiden kommt Elektronik ja auch gar nicht erst in Frage…
    Irgendeine (wenn auch völlig falsche) Erklärung findet das Publikum mit Sicherheit immer. Auch beim Seilzerschneiden.
    Die eigentliche Kunst ist es doch, mögliche Lösungsansätze zu widerlegen (z. B. das Seil aus der Hand geben). Erst dann ist Staunen doch überhaupt möglich.
    Und jetzt komme ich zurück zur Online-Show…
    Im Zweifelsfall hat der Zuschauer hier doch immer irgendeine Erklärung parat, die ich via Screen aber auch nur sehr schwer ausräumen kann. Stichwort: „Kameratrick“, etc.
    Ausgenommen hiervon ist vielleicht das, was es früher schon als Radiozauberei gab. Interaktive Kunststücke, bei denen ich auf der anderen Seite (m)ein persönliches Aha-Erlebnis habe. Aber selbst da staune ich nicht wirklich, weil ich ja weiß, die Zuschauer hinter den anderen Bildschirmen haben ja zufällig z. B. die gleiche Karte gefunden wie ich gerade eben.
    Jetzt sind wir hier natürlich in einem Zwergen-Blog und da gelten natürlich etwas andere Bedingungen. Kinder glauben was sie sehen bzw. zweifeln das nicht unbedingt an. Und wenn so eine Online-Show gut gemacht ist, haben sie auch ohne Zweifel ihren Spaß daran.
    Und jetzt mal ganz provokant: Aber dazu brauche ich nicht unbedingt zu zaubern. 😉

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