Katzenleben gerettet!

Tue Gutes und rede darüber! Nach diesem Motto möchte ich die folgende wahre Geschichte erzählen, die mein „zwangsadoptierter Enkel“ Jens (Name aus Datenschutzgründen geändert) und ich in den letzten Tagen erlebt haben. Ich finde, sie ist zur Nachahmung empfohlen.

Alles begann vor etwa 2 Wochen. Jens, der alleine wohnt, wollte gerne zwei junge Katzen haben. Bei einer Familie in Bremerhaven hatte sich gerade Nachwuchs eingestellt, ein Kontakt kam zustande und er nahm zwei davon. Auf dem Weg dorthin hatten wir auch noch schnell die notwendige Ausrüstung, also Transportkorb, Katzenklo, Streu, Futter und mehr, eingekauft.

Alles klappte gut, nur waren bereits am ersten Abend die Katzen in der Wohnung verschwunden, als Jens nach Hause kam. Weg. Nicht auffindbar. Keine Spur, wie er mir am Telefon berichtete. Da er versicherte, dass die Zimmertür geschlossen war, konnten die beiden ja nicht weggelaufen sein und ich riet ihm gründlich zu suchen.

Was er auch tat und bald mitteilte, dass er Geräusche hörte, aber noch nicht orten konnte, von wo die kamen. Eine weitere Stunde später hatte er die beiden Katzen dann entdeckt: Sie hatten sich einen Platz in seinem Bettkasten gesucht, der eigentlich nur sehr schwer durch eine kleine Ritze zu erreichen war!

Seitdem wohnen sie dort, nachdem auch noch eine Kuscheldecke dorthin gelegt wurde.

2. Abenteuer

Nach diesem Abenteuer entwickelten sich eine der Katzen gut und war sehr aktiv, die andere, Albino (Name ebenfalls geändert) dagegen fraß kaum, nahm, wenn überhaupt, nur Kitten-Milch und wirkte auch bald schlapp. Mehrere Versuche, ihr anderes Futter vorzusetzen, schlugen fehl. Sie nahm nichts und wurde immer magerer und schlapper. Also ging Jens mit ihr am Montagabend zum Tierarzt-Notdienst. Dort bekam sie eine Spritze mit aufbauenden Wirkstoffen.

Und er den deutlichen Hinweis, es wäre eine gründlichere Untersuchung, vielleicht eine Infusion, in einer Tierklinik nötig, was teuer wäre. Oder man könnte bis zum nächsten Morgen abwarten. Wobei fraglich wäre, ob das Katzenbaby den Morgen noch erleben würde…

Nach einem kurzen Austausch beschlossen wir zu versuchen, das Leben des Kätzchens zu retten. Jens suchte im Internet eine Tierklinik mit nächtlichem Notdienst. Die nächstgelegene gibt es demnach in Delmenhorst. Es war jetzt 22.00 Uhr, er versuchte dort anzurufen, jedoch meldete sich niemand. Wir beschlossen, keine Zeit mehr zu verlieren, einfach loszufahren und von unterwegs noch einmal anzurufen.

Das taten wir, erreichten weiterhin niemanden und standen kurz vor 23 Uhr vor der Klinik. Große Villa, Türschild „Tierklinik“, aber das Tor war zu und alles war dunkel. Auf unser Klingeln erfolgte keine Reaktion. Entweder dauerhaft geschlossen oder Urlaub oder was auch immer – jedenfalls keine Hilfe verfügbar.

3. Abenteuer

Jens bemühte also wieder google.de, um zu sehen, ob es eine andere Klinik in der Umgebung gibt. Und er wurde wieder fündig: Tiergesundheitszentrum Oldenburg, rund um die Uhr mit Notdienst. Also rief er an und diesmal wurde der Anruf auch angenommen, die Klinik war besetzt und bereit uns anzunehmen. Allerdings nicht in OIdenburg, sondern in Hatten-Sandkrug. Den Weg dorthin kenne ich, immerhin wohnt die Familie meines Sohnes dort.

Eine halbe Stunde später, kurz vor Mitternacht, standen wir vor dem erleuchteten Haus, klingelten und wurden eingelassen. Die notwendigen Formalitäten wurden abgewickelt, Papierkram und (für mich bisher so nicht bekannt) immer gleich die Ansage, wie teuer die Behandlung sein würde. Scheint bei Tierärzten üblich zu sein, denn man muss gleich nach der Behandlung zahlen und hier war mit einem 4-stelligen Betrag zu rechen.

Und dann saßen wir da in dem menschenleeren Wartezimmer. Fast 30 Minuten lang kümmerte sich niemand um uns oder das Kätzchen. Aber schließlich kam die Tierärztin und untersuchte die Kleine. Sie fand auf Anhieb aber keinen krankhaften Befund, sprach von einem aufpäppelnden Mittel, meinte aber auch, dass Albino einen relativ guten Eindruck machen würde. Man könnte sie aber über Nacht dort behalten, sie beobachten und weitere Untersuchungen und Röntgen am nächsten Tag machen. Was, wie sie dazu erwähnte, natürlich teurer wäre. 🙂

In Anbetracht der Äußerung der Bremerhavener Tierärztin, dass Albino die Nacht vielleicht nicht überleben würde, entschlossen wir uns für weitere Untersuchungen am nächsten Tag und übergaben das Kätzchen vertrauensvoll der Klinik. Auf der Rückfahrt waren wir uns einig, dass wir damit – egal, wie es jetzt ausgehen würde – alles getan hatten, was in unserer Macht stand, um das Leben der jungen Katze zu retten. Am nächsten Vormittag würde die Klinik Jens anrufen und mitteilen, wie die Ergebnisse der Untersuchung sind. Mit diesem guten Gefühl konnte ich mich dann um ca. 3.00 Uhr morgens schlafen legen.

Ende gut, alles gut

Am Dienstag-Mittag rief dann Tierklinik tatsächlich an. Allerdings bei mir, statt bei ihm. Na gut, fast richtig. Sie hatten Albino geröntgt und im Darm „Fremdmaterial“ gefunden, dass sich nach einem Einlauf als „mehrere kurze Stücke fadenförmiges Fremdmaterial (Haargummi oder ähnliches) im Kot“ (Arztbericht) herausstellte, Vermutlich hatte das dafür gesorgt, dass Albino nicht fressen wollte. Jedenfalls hat sie dann nach dem Darmentleeren „einen ganzen Teller Nassfutter selbstständig gefressen.“ (a.a.O.)

Weitere Untersuchungen von Körper und Blut ergaben keine krankhaften Befunde und sie könnte daher jetzt wieder abgeholt und ggf. in der regulären Sprechstunde des örtlichen Tierarztes weiter behandelt werden. Und der Preis der gesamten Untersuchung wurde auch gleich mitgeteilt. 🙂

Ein kleineres Problem war nun nur noch, den passenden Termin für die Abholung aus Sandkrug zu planen. Die Klinik macht das eigentlich am späten Nachmittag, der war aber bei uns bereits verplant. Mit Mühe konnte ich die Dame am Telefon überzeugen, dass wir lieber nach 20 Uhr kommen wollten, worauf sie sich schließlich auch einließ. Dann aber evtl. ohne Arztgespräch, weil nur Notbesetzung wäre. Damit konnten wir leben, wir hatten ja bereits alle wichtigen Informationen und es gab auch einen ausführlichen schriftlichen Arztbericht dazu.

Die abendliche Abholung aus Sandkrug übernahm dann Jens mit seiner Mutter, dafür durfte ich seinen Dienst im Sportheim übernehmen.

So fand dieses Abenteuer ein gutes Ende. Albino hat die Nacht überlebt, frisst wieder und wird sicher wachsen und gedeihen. Und wir haben das gute Gefühl mit unserem Nachteinsatz erfolgreich ein junges Katzenleben gerettet zu haben. Das ist unbezahlbar!

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