Kinder zaubern mit (2)

Schon im ersten Teil dieser Serie habe ich geschrieben, dass wir uns in unserer Zaubershow bemühen sollen, die Kinder aktiv mit in das Programm einzubeziehen. Dazu gebe ich heute nähere praktische Hinweise.

Kinder wollen mitmachen

Anders als Erwachsene wollen Kinder in einer Zaubervorstellung jederzeit gerne an der Vorführung beteiligt werden. Erwachsene schauen gerne weg, wenn der Zauberer ankündigt, dass er nun einen Mithelfer aus dem Publikum benötigt. Kinder hingegen möchten gerne auf die Bühne. Das ist gut für uns Zauberkünstler, aber es kann auch zu Problemen führen. Jede*r kennt ja die Rufe: „Ich! Ich! Ich!“, sobald du ein neues Requisit in die Hand nimmst und dann hast du die Qual der Wahl. Und du siehst anschließend noch die enttäuschten Gesichter und Ausrufe der nicht gewählten Kinder: „Ich komm nie dran…!“

Ich meine, wir Zauberkünstler sollten deshalb für die Zuschauerbeteiligung im Vorfeld klare Überlegungen haben, wie wir damit umgehen wollen. Wenn wir ein deutliches Raster haben, wie wir mit der Kinderbeteiligung umgehen und diese auch dem Publikum mitteilen, können wir einem Stressfaktor aus dem Weg gehen. Ob wir das Raster dann zu 100 Prozent umsetzen, ist eine andere Frage, aber es steht ein Gerüst, an dem wir uns entlanghangeln können.

Generell gibt es zwei Wege Kinder an der Show zu beteiligen:

  • Ein Kind zaubert auf der Bühne mit
  • Alle Kinder zaubern gemeinsam vom Platz aus

Bei der Vorbereitung meines Programms überlege ich mir, was wo am besten passt und versuche, die Mithilfe der Kinder abwechselnd zu organisieren. Also mal zaubere ich allein, mal mit Kind auf der Bühne, mal alle zusammen, zudem gibt es auch durchaus Mischformen.

Ein Kind zaubert auf der Bühne mit

Beispiele für Einzelbeteiligung sind sicher zur Genüge bekannt: Ein Kind, oder auch mal mehrere, steht mit auf der Bühne und es ist an der Trickvorführung beteiligt. Wenn ein Kind auf der Bühne ist, muss es aktiv beteiligt sein und es muss der Anschein erweckt werden, dass das Kind den Zauber veranlasst hat. Das Kind ist der Star, der gezaubert hat! Es geht überhaupt nicht, dass ein Kind nur auf die Bühne geholt wird um etwas festzuhalten und schon gar nicht, dass 1 oder 2 Kinder nur als Statisten dort stehen, ohne wirklich etwas zu tun, quasi als Dekoration. So unglaublich es klingt: Das habe ich wirklich schon gesehen!

Das Kind ist der Star!

Daher also noch einmal: Das Kind, das ich auf die Bühne hole, ist der Star des Kunststücks – ich selber bin der Assistent! Wie geht das praktisch?

In meinem Programm schießt z.b. das Kind ein Tuch in den Apfel, zaubert das Kind die Münze von einem Beutel in den anderen oder hat die Knoten in die Jonglagetücher gezaubert. Ich stehe nur daneben und moderiere die Aktion. Und das Kind bekommt den Applaus, wenn das Kunststück zu Ende ist.

Die Regel für die Auswahl gebe ich bekannt, wenn ich das erste Mal im Programm ein Kind auf die Bühne hole: Abwechselnd Junge und Mädchen, erste Reihe, letzte Reihe,…, in Schulen 1. Klasse, 2. Klasse usw. Das hilft ein bisschen, die „Iiiich!“-Rufe zu steuern. Und ich erwähne auch, dass nicht alle Kinder auf die Bühne kommen können, „weil ihr ja so viele seid!“, aber wir auch Kunststücke machen, bei denen alle mitzaubern müssen, damit sie funktionieren.

Alle Kinder zaubern gemeinsam vom Platz aus

Manche Kunststücke sind geradezu dafür prädestiniert, alle Kinder zugleich am Kunststück zu beteiligen. Zugleich dienen sie als aktive Bewegungspausen. Aus der Grundschularbeit wissen wir, dass Kinder kaum mehr als 20 Minuten still sitzen können – das sollten wir also in unserem Programm berücksichtigen und die Kinder zauberisch in Bewegung bringen. Danach reicht die Konzentration wieder für eine Weile – bis zur nächsten Bewegungsphase oder eben zum Ende des Programms.

In meinem Programm „Zauber?Kinder!“ nutze ich dafür zwei Kunststücke, die zeitlich passend ins Programm eingebunden sind: Das bereits beschriebene Malbuch nach etwa 20 Minuten und die Tuchrakete ca. 15 Minuten später. Bei der Malbuch-Vorführung malen die Kinder Bilder in die Luft und werfen sie in das Buch (Arm- und Oberkörperbewegung, Streckübung), sie pusten die Bilder zu mir oder saugen Farben und Bilder wieder heraus (ganzer Oberkörper in Bewegung). Sie staunen über das Geschehen und unmerklich sind sie in voller Körperbewegung, oft stehen einige sogar dabei.

Ähnliches wiederholt sich bei der Tuchrakete (das ist die 20th century silk – Variante von Alfred Kellerhof). Hier sind sie dafür zuständig, den Lärm zu erzeugen, der bei einem Raketenstart nun einmal dazu gehört um die Rakete ins Ziel zu lenken: Sie stampfen mit den Füßen, klatschen in die Hände, pfeifen, brummen, kreischen und zeigen zugleich mit den Händen der Rakete den richtigen Weg zu den beiden verknoteten Tüchern. Dadurch haben wieder sie den Zauber durchgeführt.

In anderen Kunststücken rufen sie den Zauberspruch, singen kurze Lieder mit oder feuern unsichtbare Ameisen mit „Hauruck!“ – Rufen (siehe Kapitel „Dean‘s Box“, S. 83) an. Selbstverständlich mache ich alle diese Aktionen und Rufe mit und vor, denn damit kann ich sie auch wunderbar steuern. Ich dirigiere in solchen Phasen in Wirklichkeit den Kinderchor.

Alle Kinder mitnehmen!

Ein weiterer wichtiger Grund ist auch, dass damit die Kinder mitgenommen werden, die etwas zurückhaltender sind oder vielleicht sogar die Aktion für etwas albern halten (was sie ja auch objektiv betrachtet ist…). Aber wenn ich als Erwachsener und Zauberkünstler den Spaß mitmache, dann fällt auch bei solchen Kindern die Hemmschwelle und sie mischen mit.

Insgesamt ergeben sich dann sehr bewegte Zaubervorstellungen mit aktiven Kindern, die dem Programm dann auch lange folgen können. Es ist bei mir keine Seltenheit, dass sich Vorstellungen auch in Kitas bis zu einer Stunde hinziehen. Kinder können sich auch lange konzentrieren, wenn sie eine Sache mit Spaß und innerer Beteiligung ausführen. Eine Vorstellung in meinem Zaubertheater dauerte sogar 70 Minuten – und dann fragten immer noch Kinder nach einer Zugabe.

Quellenhinweis

Der Text stammt aus meinem Buch „Kinder zaubern mit“ und wurde hier leicht verändert

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