Kinder zaubern mit

In dieser heute beginnenden Serie werde ich mich mit Theorie und Praxis einer Zaubervorstellung für Kinder beschäftigen, deren Grundprinzip es ist, die Kinder aktiv an der Show zu beteiligen. Ich zaubere nicht für Kinder, sondern ich zaubere mit ihnen.

Die Inhalte dieser Serie habe ich ausführlich in meinem Buch „Kinder zaubern mit“ von 2020 veröffentlicht. Heute wollte ich sie eigentlich als Seminar beim Konfetti-Tag vorstellen. Leider musste ich dafür wieder absagen, deshalb soll der Seminarinhalt hier bekannt gemacht werden.

Erwartungen der Kinder an die Show

Kinder wollen als Publikum ernst genommen werden. Kinder wollen an der Show beteiligt werden und nach Möglichkeit sogar die Hauptrolle spielen. Sie erwarten, dass der Zauberer sie gut unterhält:

  • Mit spannender Zauberei
  • Mit fröhlicher Unterhaltung
  • Mit vielen Möglichkeiten zur aktiven Mitgestaltung

Wenn ich den Zuschauern gerecht werden will, muss dies alles vor der Show von mir bedacht und geplant sein, der Programmaufbau und die Präsentation müssen darauf abgestimmt sein. Ich muss meine Show von Anfang an entsprechend so gestalten, dass möglichst viele Kinder aktiv beteiligt werden können.

Es reicht nicht aus, für jedes Kunststück ein Kind auf die Bühne zu holen und mit ihm das Kunststück vorzuführen. Denn dann wären alle anderen Kinder zum bloßen Zusehen verdammt und entsprechend enttäuscht. Sie würden zwar einsehen, dass nicht jedes Kind auf die Bühne kommen kann (mangels Masse an Tricks, bzw. zu großer Masse an Kindern). Aber sie wären dennoch enttäuscht, weil andere dürfen und „Ich darf nie auf die Bühne!“

Alle Kinder beteiligen

Aus diesem Grunde plane ich in meine Vorstellung Kunststücke mit ein, die ich zwar alleine oder mit einem Kind auf der Bühne vorführe, bei denen aber dennoch alle Kinder beteiligt werden: Durch Pusten, durch Zuwerfen von unsichtbaren Farben oder Buchstaben, durch lautes (!!!) Rufen des Zauberspruchs, durch gesteuerte Bewegungen aller Kinder.

Konkret heißt das z.B., dass sie mit einer Hand auf den Kopf greifen und durch das Ohr das Bild des Hasen aus dem Gehirn ziehen, den sie mir dann auf das weiße Tuch zaubern. Selbstverständlich mache ich alle Aktionen vor und mit. Und inzwischen hat sich mein Programm so verändert, dass ich kein Kunststück mehr ohne die direkte Beteiligung der Kinder vorführe. Ihre Aktivität ist immer gefragt, auch dann, wenn vielleicht ausnahmsweise mal kein Kind mit mir auf der Bühne steht.

Diese Vorführweise führt dazu, dass Kinder sich in die Show häufig eingebunden fühlen und für sich denken, dass sie mitgezaubert haben. Das äußert sich dann in Rufen wie: „Das habe ich geworfen / gemalt / …“.

Kinder und Künstler sind ein Team

Außerdem wird dadurch schnell klar, dass wir als „Team“ zaubern. Zauberer und Kinder arbeiten zusammen, ohne die Hilfe der Kinder geht gar nichts, aber gemeinsam kommen wir zu einem erfolgreichem Trickergebnis. Das merken die Kinder selbstverständlich und entsprechend selbstbewusst und zufrieden werden sie. Sie sind, ohne ihren Platz zu verlassen, wichtige Darsteller in der Zaubershow geworden.

Das wiederum führt dazu, dass die Konkurrenz Zauberkünstler – Zuschauer so gut wie nie auftaucht, selbst das Bekannte „Das kenn ich!“ kommt äußerst selten vor – einfach, weil die Präsentation anders als üblich verläuft und die Kinder an den Kunststücken beteiligt sind.

Erwartungen des Künstlers an die Show

Wenn ich eine Zaubervorstellung für Kinder spiele, gehe ich mit der Vorerwartung dorthin, dass ich

  • Spannende Zauberei bieten möchte
  • Die Kinder fröhlich unterhalten möchte
  • Die Kinder Möglichkeiten zur aktiven Mitgestaltung bekommen
  • Ich selber Spaß an der Vorstellung habe

Wie man sehen kann, decken sich die ersten drei Vorstellungen zwischen mir und dem Publikum. Das ist doch eine gute Basis, um eine für alle schöne und stressfreie Show zu spielen.

Ich habe in den letzten 50 Jahren immer mit Kindern zu tun gehabt. Beruflich als Erzieher und Lehrer, hobbymäßig im Sportverein als Übungsleiter und nebenberuflich als Zauberkünstler. Und im Laufe der Jahrzehnte habe ich festgestellt, dass positive Ergebnisse, Spaß, gute Unterhaltung, Lachen und Fröhlichkeit nur selten auftreten, wenn man gegeneinander arbeitet.

Wenn es jedoch gelingt, sich mit den Kindern auf einen gemeinsamen Weg zu einigen, den man gehen will, kommen in der Regel die gewünschten fachlichen Ergebnisse heraus (z.B. etwas zu lernen, sportliche Ziele zu erreichen, einen Zaubertrick zum Erfolg zu bringen) und allen Beteiligten macht das gesamte Vorhaben deutlich mehr Spaß. Zudem sinkt der Stressfaktor auf ein Minimum.

Voraussetzung: Respekt!

Voraussetzung dafür ist es Kinder ernst zu nehmen und ihnen mit Respekt zu begegnen. Selbstverständlich sind wir Erwachsenen in der Regel in der Führungsrolle, wir leiten, um bei der Zauberkunst zu bleiben, das Kunststück an. Dennoch können wir es so vorführen, dass die Kinder beteiligt sind und ihre Ideen einbringen. Wir können manche ihrer Wünsche berücksichtigen, denn – das habe ich ja gerade ausgeführt – in den meisten Fällen haben sie keine wesentlich anderen Wünsche als wir Erwachsenen selber.

Es ist also relativ einfach, die Vorerwartungen von Kinderpublikum und Zauberkünstler an eine schöne Vorstellung unter einen Hut zu bringen: Führe du als Expert*in die Kinder durch das Programm, aber beziehe deine Zuschauer*innen von Anfang bis Ende mit in das Programm ein.

In den folgenden Artikeln werde ich auf die Aspekte eingehen, die für ein erfolgreiches gemeinsames Programm sehr hilfreich, wenn nicht sogar Voraussetzungen sind. Daran anschließend werde ich zur praktischen Programmplanung und –vorführung kommen.

Wenn du die Informationen schneller haben möchtest, empfehle ich den Kauf meines Buches „Kinder zaubern mit“ – da steht alles drin. Paperback, 120 Seiten, 19,00 €, Bestellungen an volkmar.karsten@t-online.de (portofreie Lieferung)

One thought on “Kinder zaubern mit

  1. Super Beitrag Karsten,
    ich habe meine Einstellung durch Corona auch geändert und habe letztes Jahr schon kein Kind mehr auf die Bühne geholt und es klappte perfekt. Alle Kinder waren mit eingebunden.
    Auch fällt nach der Vorstellung das Argument der lieben Eltern weg: Warum haben sie mein Kind nicht dran genommen oder: Das nächste Mal nehmen sie bitte mein Kind dran.
    Ich zaubere fast ausschließlich in Kinderhotels und da kommt das sehr oft vor.
    Das hat mich natürlich bestärkt nicht mehr so viele Kinder auf die Bühne zu holen.
    Bei Geburtstagen handhabe ich das natürlich wie gehabt und es hilft mir bei jedem Kunststück ein Kind.
    lg

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