Kindertricks für Erwachsene

Kindertricks für Erwachsene?

Generell unterscheidet man Tricks für Kinder von Tricks für Erwachsene. Warum eigentlich?

Dem Publikum ist es ja völlig egal, für wen der Trick gedacht war oder wie kompliziert die Tricktechnik ist. Davon bekommt es (hoffentlich) ohnehin nichts mit. Das Publikum will nur gut und altersangemessen unterhalten werden. Nehmen wir den Ausgangssatz oben wörtlich, müssen wir konsequenterweise noch mehr unterscheiden. In Programme für Kinder und für Erwachsene, aber letztere noch weiter unterteilt in z.B. junge Erwachsene, die vielleicht lieber moderne, fetzige Magie à la Ehrlich Brothers mögen, gesetztes Mittelalter und vielleicht Senioren ü60, die es etwas ruhiger mögen.

Was wir ja letzten Endes auch tun. Aber nicht durch unterschiedliche Programme, sondern vielmehr durch verschiedene Arten der Vorführung. Es kommt also gar nicht auf den Trick an, sondern auf die Verpackung. Die Art der Vorführung, der Vortrag oder die musikalische Untermalung machen aus dem Trick ein Kunststück, dass wir damit für das jeweilige Publikum passend machen. Es ist nicht die geheime Tricktechnik, die unser Publikum unterhält, sondern unsere Präsentation.

Jeder Trick passt für alle

Gehen wir von dieser Betrachtung aus, so ist generell jedes Kunststück vor jedem Publikum einzusetzen, sofern wir es passend für die Zielgruppe vorführen. Wie man eigentliche „Erwachsenen“-Tricks im Kinderprogramm einsetzt, habe ich an den Beispielen „Blindsight“, „Dean’s Box“ und „Jahrmarkt der Gedanken“ in meinem Buch „Kinder zaubern mit“ ausführlich beschrieben. Zudem präsentiere ich mehrere andere Kunststücke im Kinderprogramm, die eigentlich im Erwachsenen Stand-Up heimisch sind.

Aber geht es eigentlich auch andersherum? Kann man „Kinder“-Kunststücke vor Erwachsenen spielen und die fühlen sich trotzdem bestens unterhalten? Ich meine: „Ja!“ und erlebe das gerade regelmäßig in den Vorstellungen in meinem „Zaubertheater im BSC Grünhöfe“. Offiziell spiele ich dort ein Kinderprogramm, so ist es angekündigt. Für Kinder ab 5 Jahren.

Nun kommen dort aber in der Regel ebenso viele Erwachsene wie Kinder, weil eben Mama, Papa, Oma, Opa und 1 – 3 Kinder zusammen kommen. Am Donnerstag hatte ich eine Gruppe aus dem Familienzentrum zu Gast, bei der einige Kinder weniger mitkamen als erwartet. Das Verhältnis war dadurch sogar etwa 8 Kinder und 12 Erwachsene.

Erwachsene mögen das Kinderprogramm

Diese fifty-fifty-Mischung stört mich nicht weiter, ich spiele konsequent mein Kinderprogramm und stelle dabei fest, dass sich die Erwachsenen genauso gut amüsieren wie die Kinder.  Am Donnerstag waren die Erwachsenen  während der Vorstellung sogar extrem aktiv, fröhlich und gutgelaunt. Und nach der Vorstellung kommen oft Erwachsene um sich für die tolle Vorstellung zu bedanken, an der sie (!!!) großen Spaß gehabt haben.

Eine ähnliche Erfahrung habe ich bereits vor mehreren Jahren gemacht. Ich war damals für einen Auftritt in einer Kita engagiert und sollte vorher auf einem Elternabend mich, mein Konzept und mein Programm vorstellen. Ja, ich weiß: Seltsames Anliegen, ich hab’s aber trotzdem gemacht. Um nicht so viel reden zu müssen, hab ich einfach Teile aus meinem Programm mit den Eltern gespielt. Die waren so begeistert, dass ich schließlich fast das ganze Programm vorgeführt hatte.

In beiden Fällen und jetzt immer wieder in meinem Zaubertheater mache ich die Erfahrung, dass die eigentlichen „Kindertricks“ auch vor Erwachsenen einsetzbar sind, wenn das Publikum „passt“ – in den geschilderten Fällen waren es Erwachsene, die eigene Kinder im Alter von 5 – 12 Jahren haben oder eben die, die beruflich damit zu tun haben.

Die Präsentation macht’s!

Wir sollten daher meiner Meinung nach weniger unsere Tricks daraufhin betrachten, für welche Altersklasse sie erfunden wurden, sondern daraufhin, für wen wir sie vorführen wollen und uns dann die passende Präsentation überlegen. Mit dieser „Taktik“ kommen wir dann auch ziemlich schnell zu eigenen Vorträgen und müssen nicht die manchmal hanebüchenen Vortragsanregungen aus den Trickbeschreibungen nachplappern.

Vielmehr können wir uns auf Tricks konzentrieren, die wir mögen und gerne vorführen möchten. Und dann müssen wir nur noch eine zum erwarteten Publikum passende Vorführungsidee haben und können so aus dem nackten Trick ein schönes Kunststück machen.

Ich bin jedenfalls fest entschlossen, heute in meinem Kinderprogramm Alfred Kellerhofs „Bauernregeln“, Punx „Fischmarkt“, einen „Six-Bill-repeat“, Joros Servietten-Zerreißen und seinen „Zwei-Männer-Trick“ und die „Münzwette“ von Braidon Morris kindgerecht vorzuführen. Die eingeweihten unter euch werden erkennen, dass ich mich auf ausgewiesene, erfahrene Kinder-Zauberer stütze… 😉

Und ich habe auch schon mit großem Erfolg eine Schwammballroutine und den Eierbeutel auf einem 60. Geburtstag gespielt. Geht nicht gibt’s nicht – es kommt nur auf die Präsentation an!

Benutzt du auch Kindertricks in Erwachsenen-Programmen? Oder Erwachsenentricks in Kinder-Programmen? Dann teile bitte deine Erfahrungen mit uns!

2 thoughts on “Kindertricks für Erwachsene

  1. Ich benutze weder Kinder-Tricks im Erwachsenenprogramm noch Erwachsenen-Tricks im Kinderprogramm. Sondern: Gute Tricks in allen Programmen.

  2. Für mich gab es diese „Kategorisierung“ eigentlich auch nie.
    Ich habe schon immer nur Effekte aufgegriffen, die mich irgendwann als Zuschauer selber „geflasht“ haben und mit denen ich mich persönlich identifizieren konnte.
    So gesehen sind meine Programme (für Kinder und Erwachsene) zu einem guten Teil identisch, obwohl es ganz unterschiedliche Vorführungen sind.
    Der Vorteil ist, ich kann innerhalb eines laufenden (Erwachsenen-) Programms etliche Kunststücke spontan ganz anders vorführen.
    Mein Kinderprogramm ist allerdings auch grundsätzlich „erwachsenentauglich“, weil ich finde, dass auch die „Großen“ staunen sollen. Alleine schon aus diesem Grund gibt es für mich keine „Kindertricks“!

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