Läuft ein Kind mit Pommes über die Bühne

Die gewagte Funnykito- Methode zur Intervention

Von Roman Ertl

Foto: Screenshot von YouTube (Ausschnitt)

Endlich dürfen Straßenzauberer wieder mit ihren lustigen und in der Regel dramaturgisch weiten Raum nehmenden Choreographien die Passanten erfreuen. Auch der Brasilianer Dan Marques, bekannt als Funnykito, tourt dieses Jahr wieder durch Europa und wird wohl einige Wettbewerbspreise mit nach Südamerika nehmen. Seine neue „Button- Show“ (unter  The Button Act Dan Marques FULLHD – YouTube einzusehen) wollte ich mir ansehen und betrat rechtzeitig die betreffende bereitgestellte Wiese bei einem internationalen Treffen von Straßenartisten, welches vor wenigen Wochen in Mölln stattfand.

Während FK seine „Bühne“ auslotete und die Tonanlage testete, versammelten sich schnell die Umstehenden bzw. Sitzenden und Liegenden. Ziemlich nahe kamen ihm da einige Kinder, die sich aber eher mit eigenen Themen, wie Rangkämpfen untereinander, befassten.

Der Beginn der Show war preiswürdige Manipulationszauberei mit seinen Westenknöpfen, die verschwanden und wieder erschienen, die Farben wechselten oder sich sukzessive vergrößerten.  Leider konnte ich nicht alles sehen, da die vor ihm befindenden Kinder unruhig aufstanden, hin und her liefen oder sich sogar vor ihn stellten, um ihn in seinen Bewegungen nachzumachen. Dies ignorierte der Künstler, vielleicht mit der Erfahrung, dass die Zuschauer untereinander irgendwann für Ordnung sorgen würden.

Foto: Roman Ertl

Doch dann kam die sensationelle Peitschennummer, bei der FK mit einer Lederpeitsche einem Zuschauer eine langstielige Süßigkeit aus der Hand peitscht. Dass nur wenige Handbreit vor ihnen eine Lederpeitsche knallte schienen die jetzt sich mit Cola und Popcorn versorgenden Kinder entweder nicht wahrzunehmen oder zu interessieren. Der Höhepunkt war, als ein Kind mit einer Riesen- Pommes- Tüte in den Händen von quer hinten kommend direkt durch die Aktion lief und neben dem Künstler stand, kurz anhielt um eine Frites zu greifen und sich dann erst anschickte zu seiner Kindergruppe weiterzugehen.

FK schaute das Kind an, das ihn aber erst bemerkte, als der Künstler ihm eine dicke Pommes aus der Tüte nahm und es seinem Zuschauerassistenten in den Mund schob. Dies war kühn und gewagt, denn es gibt Kinder, die jetzt die Vorführung mit egozentrierten Rückgabeforderungen ins Kippen bringen könnten. Pfiffig war deshalb die Entscheidung FKs, die Pommes dem Assistenten in den Mund zu schieben, so dass bei möglichen Regressansprüchen des Kindes er sich u. U. geschickt entwinden kann.  Doch das Kind sah seine Pommes gefährdet und machte sich schnell aus der Reichweite der zulangenden Finger, so dass FK seine Vorstellung ungehindert beenden konnte.

Mir hat diese Aktion wieder einmal gezeigt, dass der Umgang mit sogenannten Störungen durch eine fokussierte zielorientierte Haltung sogar showimmanent sowie bereichernd sein kann.  

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