Lieblingskunststücke (3): Die Ende-Tafel

In meiner kleinen Serie möchte ich heute meine Version der „Ende“-Tafel vorstellen. Ich liebe Kunststücke, die technisch einfach sind, aber dennoch ein hohes Maß an Staunen erzeugen. Und die Requisiten müssen für die Kinder bekannt und klar erkennbar sein. Alles das ist bei diesem Kunststück der Fall, deswegen spiele ich es so gerne.

Effekt

Ich zeige die zwei kleine Schul-Tafeln von beiden Seiten eindeutig leer vor. Es sind nur die schwarzen Schriftseiten und die hölzernen Rückseiten zu sehen. Nun stelle ich die Tafeln frei sichtbar ab. Die Kinder sollen sich jetzt Buchstaben denken und diese in die Luft steigen lassen. Ich greife mir Buchstaben aus der Luft und werfe sie in Richtung Tafeln. Schließlich zeige ich die die erste Tafel leer vor, auf der anderen steht das Wort „Ende!“

Das Ende Schild im Einsatz 2007

Erklärung

Der Neubau 2019

Richtig! Die Kenner habe erkannt, dass es sich um die gute, alte Geistertafel handelt. Meine Version kommt ohne Magnete oder gar elektronischen Schnickschnack aus. Ich benutze 2 normale Kinder-Spielzeug-Tafeln, die ich bei Woolworth für 1,99 € pro Stück gekauft habe. Auf eine habe ich mit Plakafarbe das Wort „Ende“ geschrieben und es mit einem auch farblich passende Stück Pappe abgedeckt. Das liegt einfach lose im Rahmen. Ich halte es beim Zeigen mit den Fingern fest.

Nach dem Leer-Zeigen der Tafeln lege ich sie mit den Tafelseiten aufeinander, dabei fällt die Pappe in die unbeschrieben Tafel. Ich zeige später erst die leere Tafel vor, dann die mit dem Wort „Ende“. Tadaa…

Mein Vortrag (In Klammern, was ich dabei mache und Kommentare)

„Wer von euch geht zur Schule?“ (, frage ich. Alle SchülerInnen melden sich. Die Frage stelle ich besonders gerne, wenn ich in einer Schule auftrete. Sie löst dort alles von irritiertem Schweigen bis Lachen aus. In Ferienzeiten oder am Wochenende verkünde ich: „Gute Nachricht für euch: Es sind Ferien / Wochenende, ihr müsst da jetzt nicht hin!“)

„Gut, dann kennt ihr ja Tafeln.“ (Ich zeige meine beiden Tafeln und erkläre.) „Ja, heute gibt es ja diese Whiteboards und große Tafeln. Aber die passen nicht in meinen Koffer, deswegen nehme ich diese. (Ich zeige die zwei Tafeln leer vor.) Früher wurden solche wirklich in Schulen benutzt!

Aber schreiben und lesen lernen geht noch genau so wie früher. Die Tafeln gehen in die Klassen, … ääh, nein. (Ich stelle die Tafeln ab) Die sind schon da. Die Kinder gehen in die Klassen.

Vorne in der Klasse stehen ja immer so Erwachsene. Die nennt man Lehrerin oder Lehrer. Und die sagen zu den Kindern: „Jedes Kind, das schon einen Buchstaben kennt (die ersten Kinder wollen rufen, daher schnell weiter!), sagt jetzt nichts!!! Sondern denken nur an den Buchstaben und lässt ihn ganz langsam in die Luft steigen. Und wenn ihr jetzt mal hochguckt, könnt ihr die unsichtbaren Buchstaben da oben fliegen sehen. 🙂

Und dann habt ihr ja in der Schule ja schon oft gesehen, wie die Lehrerin oder der Lehrer da in der Klasse steht und so oben in der Luft mit den Händen herumgrapscht. (In der Regel gibt es hier stürmische Proteste, weil die meisten LehrerInnen das tatsächlich nicht tun. Ich kommentiere das lapidar: „Dann müsst ihr mal besser aufpassen!“) Und wisst ihr, was die dabei tun? (Wissen die Kinder meistens nicht.)

Die fangen sich da oben Buchstaben! (Ich gucke ganz treu ehrlich.) Und werfen sie an die Tafeln. (Das Grapschen und Werfen habe ich natürlich alles genau so vorgespielt. Sehr zur Freude der anwesenden Erwachsenen – für die Kinder ist das normal.)

Und am Ende der Stunde wird immer geguckt, was die Kinder gelernt haben. (Das wissen die Kinder, denn es gehören in der Tat zu jeder Unterrichtsstunde die Ergebniskontrolle und die Reflektion. Ich zeige die erste, leere, Tafel. Oft kommt die Reaktion „Nichts!“).

Ja, nichts. ES gibt immer eine Klasse, die nichts gelernt hat. Die nennt man die PISA-Klasse (Gag für die Erwachsenen. Ich zeige die beschriebene Tafel und die älteren Kinder lesen vor.): Ende!

Ich gucke erstaunt!

Ich gucke erstaunt und sehe mir die Tafel genau an. Dann sage ich: „Oh, wenn da „Ende“ steht, muss ich sofort aufhören. Ich bekomme sonst wahnsinnigen Ärger mit dem Zauberei-Ministerium. Vorher möchte ich mich aber bei euch bedanken, dass ich kommen und mit euch zaubern durfte. Danke sehr und tschüs bis zum nächsten Mal.“

(Verbeugung, Applaus, Ende.)

Schlussbemerkung

Ich führe dieses Kunststück aus mehreren Gründen gerne vor:

  • Ich mag es, wenn am Ende meines Programms das Wort „Ende“ für die Kinder zu sehen ist. Das ist eine klare Ansage für sie, die sie kennen. Es kommt übrigens seitdem ganz selten vor, dass danach noch eine Zugabe gewünscht wird. Ende ist Ende, und am Ärger mit dem Zauberei-Ministerium will auch keiner Schuld sein. Außerdem liegen bis hierhin 45 – 60 Minuten Show hinter uns.
  • Das Kunststück ist sehr ruhig. Ich finde das zum Abschluss einen Programms gut. Zumal ich davor meine (also eigentlich Alfred Kellerhofs) Version der 20th century silks mache, in der bei mir ein Raketenstart stattfindet. Dazu müssen die Kinder so viel Lärm machen, wie es bei einem Raketenstart gibt – also sehr viel. Es ist gut, jetzt die Kinder wieder zu beruhigen und sie erst dann zu verabschieden.
  • Das Kunststück hat zwei Applaus-Bringer: Es wird direkt geklatscht, wenn das Wort Ende erschienen ist. Und dann wieder, wenn ich meine Schlussrede gehalten habe.
  • Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist perfekt. Materialkosten ca. 5,00 €, Unterhaltungswert unbezahlbar.

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