Lieblingskunststücke

Heute: Die Schirmillusion

Ich beginne heute eine geplante Serie, in der Kunststücker für das Kinderprogramm vorgestellt werden, die mir immer wieder besonders viel Spaß machen. Gerne darfst du dich daran beteiligen und auch dein(e) Lieblingskunststück(e) vorstellen.

Ich spiele liebend gerne in meinem Programm „Zauber?Kinder!“ die Schirmillusion. Sie ist die 4. Nummer in dem Programm, zur Vorbereitung liegt schon vor Beginn der Vorstellung ein aufgespannter Regenschirm auf der Bühne. Was häufig zu der Frage führt: „Was willst du denn mit dem Regenschirm?“. Worauf ich einfach antworte: „Kann doch sein, dass es anfängt zu regnen.“ Ich liebe diesen pre-show Smalltalk mit den Kindern.

Wenn das Kunststück an der Reihe ist, nehme ich den Schirm auf und lege ihn zusammen. Dabei erkläre ich, warum ich ihn dabei habe: „Immer, wenn ich irgendwo zum Zaubern hinfahre, rufe ich vorher in Frankfurt an. Da machen die ja das Wetter, das abends im Fernsehen gezeigt wird. Und die haben gesagt, wen ich heute in Cuxhaven bin, dann regnet es dort.“ Ich sage immer absichtlich einen falschen Ort, damit die Kinder reagieren: „Hier ist nicht Cuxhaven, hier ist Bremerhaven!“

Der Schirmaustausch

Damit lege ich eine Fährte ins Chaos, auf dessen Höhepunkt ich den Schirm gegen den präparierten austausche. Ich führe das Gespräch weiter, dabei lege ich den Schirm in meinen KOffer und greife den Austauschschirm – die Hand bleibt aber noch im Koffer.: „Ach so, und hier regnet es nie?“ Unterschiedliche Meinungen. „Das muss ich genau wissen. Also: Wer meint, dass es hier nie regnet?“ Egal, wie viele Finger hochgehen, ich sage: „4261. Wer meint, dass hier immer regnet? Finger hoch! Aha: 12243. Und wem ist das Wetter ganz egal?“ Jetzt melden sich meistens alle.

Ich sage: „Gut. Dann machen wir es so: Ich lege den Schirm einfach hier auf den Tisch und wenn es regnen sollte, nehme ich ihn mir.“ Jetzt komme ich mit dem Austauschschirm aus dem Koffer und lege ihn gut sichtbar auf den Tisch.

Die weitere Routine

Für die Kinder ist die Aktion mit dem Schirm jetzt erledigt. Sie vergessen den einfach. Und wir wenden uns jetzt den Tüchern zu. Ich wähle mir ein Kind zum mitzaubern aus und zeige 8 Tücher. Bei jedem sage ich eine falsche Farbe und gebe es dem Kind, gestern war es Amelie, auf der Bühne. Natürlich ernte ich laute Proteste. Ab Tuch 5 lasse ich einfach die Kinder die Farben rufen und gucke so, als ob ich ihnen kein Wort glaube. Bach dem 8 Tuch sage ich lapidar: „Ist auch egal, welche Farbe, die Tücher haben – Hauptsache, sie sind bunt.“

Die Schirmillusion

Amelie soll jetzt die Tücher in den Changierbeutel legen und ich kündige an: „Ich halte mir gleich die Augen zu und dann nimmt Amelie ein Tuch aus dem Beutel. Ich werde dann ohne hinzusehen sagen, welche Farbe das Tuch hat, das Amelie genommen hat!“ Ich halte die gespreizten Finger vor meine Auge, was zu Protesten der Kinder führt, mache es dann richtig.

Amelie greift in den Beutel und findet dort nur ein kleines Stoff-Paket. Nach allerlei Gerede stellen wir fest, dass es sich um die Bespannung meines Regenschirms handeln könnte. Wir müssen das überprüfen und Amelie packt den Schirm vom Tisch aus – an dem dann zur allgemeinen Freude die verschwundenen bunten Tücher hängen.

Amelie wird gefeiert und geht wieder auf ihren Platz, das Kunststück ist beendet.

Was ich an dem Kunststück mag

Diese Vorführung der Schirmillusion mag aus mehreren Gründen besonders gerne:

  • Sie macht das Kind auf der Bühne zum Helden. Sie hat die bunten Tücher aus dem Beutel an den Schirm gezaubert (jedenfalls behaupte ich das und niemand zweifelt daran).
  • Ich kann ein Kind in jedem beliebigen Alter auf die Bühne bitten – es sind keine besonderen Fertigkeiten nötig, außer in den Beutel zu greifen.
  • Es gibt viel Smalltalk, bei dem die Kinder gleichberechtigt mitreden können: Wetter-Abstimmung, Farben des Schirms, Proteste, wenn ich durch meine Finger „linse“, Erklärung des Pakets aus dem Beutel
  • Und noch einmal: Das Kind auf der Bühne wird zum Helden.
  • Es wird mit Alltagsgegenständen gezaubert, die den Kindern bekannt sind. Den Changierbeutel stelle ich als „meine neue Zaubermütze“ vor, die nicht besonders gut passt…
  • Das Kunststück stellt an mich keine besonderen zauber-technischen Ansprüche. Ich kann mich also komplett auf die Interaktion mit den Kindern konzentrieren,

Für mich ist die Vorführung dieser Form der Schirmillusion jedes Mal ein besonderes Highlight. Es macht mir genau so viel Spaß wie den Kindern.

Die Requisiten, der Austausch und mehr

Die Schirmbespannung auf dem Kopf

Ich benutze übrigens keinen der meiner Meinung nach völlig überteuerten Schirme aus dem Fachhandel, die durch die dicke Röhre für den Austausch zudem völlig unecht aussehen. Ich habe zwei Schirme bei Rossmann für je 3,99 € gekauft, dazu die 16 Seidentücher, die nötig sind. Der Austausch ist eine Version angelehnt, die Martin Michalski in seinem Buch „Zaubern – Spiel der Illusionen“ beschreibt. Ich habe das Kunststück seit fast 20 Jahren im Programm, der Austausch hat noch nie Verdacht erregt. Ich glaube, dass die Misdirection durch die Abstimmung über das Wetter so groß ist, dass niemand auf die Hand mit dem Schirm achtet.

In „Zauber?Kinder!“ habe ich auf Seite 164-172 meine Vorführung ausführlich beschrieben. Ich stelle diesen Abschnitt hier in Kürze im Downloadbereich kostenlos zur Verfügung. Vielleicht gefällt dir das Kunststück genau so gut wie mir.

Aufruf: „Mach mit!“

Gerne veröffentliche ich hier im Blog auch dein Lieblingskunststück. Du kannst kurz oder ausführlich beschreiben oder auch nur den Titel nennen – ganz wie es beliebt. Vielleicht haben wir dann bald eine Sammlung von tollen Kunststücken für ein Kinderpublikum zusammen.

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