Live erlebt: Arcato

Das Hoftheater

Nach einer Woche Zauber-Abstinenz habe ich heute im Münchner Hoftheater die Kinder-Zaubervorstellung von Arcato – im echten Leben Uwe Sperlich – live gesehen. „Hoftheater“ hört sich groß an, ist aber ein kleines Theater mit ca. 60 Plätzen im Semmlerhof. Aber natürlich hat es eine echte Bühne mit Beleuchtung und Tonanlage – also klein, aber fein und für Zauberkunst bestens geeignet. Das dachten sich auch die etwa 20 Kinder und 10 Erwachsenen, die heute gekommen waren.

Wahrscheinlich war es dem Theater und dessen Gastronomie geschuldet, dass es in der insgesamt 1-stündigen Zaubershow von Arcato sogar eine Pause von 10 Minuten gab. Premiere für mich in einer Kinder-Zaubershow. 😊

Arcato

Dem Publikum bot Arcato ca. 50 Minuten netto solide und unterhaltsame Zauberkunst für Kinder. Leider sprang der Begeisterungsfunke nicht wirklich auf das Publikum über. Das kann an der geringen Zuschauerzahl liegen und an der Tatsache, dass sehr viele kleine Kinder auch unter 5 Jahren anwesend waren. Ich hatte aber auch das Gefühl, dass die Kinder aktiver mit in die Show eingebunden werden könnten. Wohl waren häufig Kinder mit auf der Bühne, aber sie hatten nicht immer eine wirkliche Zauber-Aufgabe. Gemeinsame Zaubersprüche mit dem Publikum waren die Ausnahme. Ich finde, da wäre noch Luft nach oben gewesen, die für das gute Programm die Kirsche auf der Torte gewesen wäre.

Das zauberische Programm

Da es bei Arcato kein Warm up mit den Kindern vor der Show gab, fand das eben zu Beginn der Vorstellung statt. Kleine Fingerübungen, die darin endeten, dass man die Hände auch zum Applaudieren benutzen kann. Nicht mein Fall, dieses Fishing for compliments… Ich finde, es sollte einfach losgehen, der Rest ergibt sich dann schon – so ist es in jedem Theaterstück dieser Welt üblich. Nur nicht bei Zauberern, da müssen die Zuschauer erst klatschen lernen…

Anschließend vereinten sich 4 bunte Tücher zu einem Blendo, es folgten eine Routine mit Zauberstäben, die Multi-pip Card und eine sehr schöne Vorführung des steigenden Zauberstabs. Darin spielte wirklich das Kind auf der Bühne eine Hauptrolle, was die Nummer sehr belebte. Danke für Hinweis, so mache ich es ab jetzt auch!

Nach der Pause

Es folgten nun einige Nummern, die scheinbar aus dem Erwachsenenprogramm stammen: Eine Vorhersage mit einem Forcierwürfel, der „Fish of the day“ und ein Tierquiz, bei dem Arcato zu meiner Überraschung die Erwachsenen gewinnen ließ, weil die Aufgaben für die Kinder objektiv nicht lösbar waren. Kann man machen – man kann aber auch jeden Morgen auf dem Pferd zur Arbeit reiten (schöne Grüße an Ingrid). Kommentar eines Kindes jedenfalls: „Das ist gemein!“ In dieser Phase benutzte Arcato außer dem Englischen Satz auf der Karte auch einige Wörter, die sicher nicht im Wortschatz jedes Kindes  vorkommen: Requisiten, Volumen hab ich noch im Hinterkopf.

Zita (links) ist weg

Danach wurde es aber wieder kindgerecht. Der uralte Persil-Trick verblüffte die Kinder jedenfalls absolut. Klassiker stammt also wohl tatsächlich von „Klasse“ ab. Das Malbuch ist im Kinderprogramm immer ein Renner, auch wenn die kleine Zita hinter dem DIN A 3 Format leider verschwand und nicht mehr zu sehen war. Schließlich wurden von Zoey noch Knoten weggezaubert. Zum Ende räumte Arcato auf: Er steckte alle benutzten Tücher säuberlich in einen Beutel. Nett wie Kinder sind, fragte ihn ein Junge; „Soll ich dir helfen?“. Leider antwortete Arcato mit „Nein, danke!“ Ich hätte es als gute Idee betrachtet, ihn mit einräumen zu lassen (so lange er keine Geheimnisse entdecken kann…) und dann hätte er den Clou gezaubert: Aus dem Beutel kam nämlich kein bunter Streamer, wie ich erwartet hatte, sondern ein Tuch mit der Aufschrift „Ende“.

Fazit

Arcato hat eine einstündige (inklusive Pause) Zaubershow geboten, die den Kindern und Erwachsenen Spaß gemacht hat. Die absolute Begeisterung kam leider nicht auf – ich glaube, dafür hätten das gesamte Publikum mehr einbezogen werden müssen.

Andererseits: In welchem Lehrbuch steht, dass ständig alle Kinder begeistert mitmachen müssen? Wie sagte Uwe Schenk doch in Fürstenfeldbruck nach dem Kinderwettbewerb zu mir: „Nur weil alle Kinder laut schreien, ist es für mich noch lange keine gute Zauberei.“ Recht hast er. Das eine ist Entertainment, das andere Zauberkunst. Ich mag es am liebsten, wenn die Kinder wegen der tollen Zauberkunst begeistert sind und mitfiebern.

Ich bleibe also nach dieser Vorstellung nachdenklich und kann sie nicht wirklich einschätzen… Aber das ist ja letzten Endes mein Problem.

Was ich aber genau weiß: Das Argument, man solle mitzaubernde Kinder auf kleine Podeste stellen, damit sie auf Augenhöhe mit dem Künstler sind, stimmt nicht. Trotz Podest waren die Kinder nur halb so hoch wie Arcato. 😊

Liebe Arcato, Uwe, herzlichen Dank für den unterhaltsamen Zauber-Vormittag und den Smalltalk in deiner Garderobe nach der Show, mit dem ich dich beim Einräumen gestört habe. Ich hoffe, das hatte keinen negativen Einfluss auf deine zweite Veranstaltung am Nachmittag.

Ich freue mich auf ein Wiedersehen irgendwann und irgendwo.

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