Magische Visite (3)

Ein Beitrag von Zauberer MIKE

Im letzten Teil hatte ich meinen Flexibilitäts-Check vorgestellt. Hierbei geht es anhand von zehn Fragen darum Routinen für den Einsatz zu optimieren. Und zwar nicht thematisch, sondern rein praktisch auf die reine Vorführung bezogen. Das einzige Ziel ist es, beim Auftritt möglichst effizient arbeiten zu können. Je mehr Punkte meiner Checkliste man daher mit „Ja“ abhaken kann, desto besser ist eine Routine für den Einsatz in der Klinik geeignet.

Der Idealfall

Man kann ohne Setup und zu jeder Zeit mit dem Kunststück beginnen. Obwohl sich im engen Krankenzimmer mehrere Patienten und Besucher im ganzen Raum verteilt befinden (sitzend und stehend), sind alle in der Lage, die Vorführung gut zu verfolgen. Es gibt auch tricktechnisch kein Problem mit den Blickwinkeln und der Effekt ist zudem so simpel, dass ihn jeder gleich auf Anhieb versteht.

Hinschauen genügt… was wiederum richtig gut ist, falls einige Zuschauer keine gängige (Fremd-) Sprache beherrschen. Die problemlose Einbindung von Zuschauern ist möglich, aber nicht zwingend notwendig. Zudem wird keinerlei zusätzliche Ablagefläche benötigt und man ist nach Beendigung des Kunststücks sofort wieder vorführbereit.

Die Requisiten

So viel zur Theorie. Kommen wir zurück zur Wirklichkeit. Um in der Praxis dem oben beschriebenen Idealfall möglichst nahe zu kommen, haben sich folgende Basis-Requisiten für mich bestens bewährt:

  • Spongebälle (3 gelbe, super soft, 2 Inch)
  • Münze (Morgan-Dollar) + entsprechende Riesenmünze
  • Gummibänder (rote + gelbe)
  • Einweg-Feuerzeug (undurchsichtig)
  • Kartenspiel
  • ITR (Zauberkünstler wissen i.d.R., was das ist)
  • Stift (Sherpa

Was die Logistik (siehe vorherige Kapitel) anbetrifft, so bevorzuge ich persönlich seit jeher die Sakko-Variante für meine CloseUp Engagements. Heißt: Alle Requisiten griffbereit „am Mann“ untergebracht.

Wie bereits erwähnt, handelt es sich hierbei nicht um meine vollständige Ausstattung, sondern zunächst einmal – ganz exemplarisch – nur um einige der von mir verwendeten Requisiten. Zusätzlich nehme ich meistens noch ein paar Cocktail-Servietten und einige Modellierballons nebst Mini-Pumpe mit. Auch darauf komme ich später noch zu sprechen.

Das „Warum“

Berechtigte Frage:  Warum gerade diese Requisiten?

Nun, ganz einfach. Zum einen beanspruchen diese Requisiten relativ wenig Platz in meinen Taschen und zum anderen erfüllen sie in höchstem Maße auch die anderen Punkte meines Flexibilitäts-Checks. Zugegebenermaßen hängt das natürlich auch zu einem guten Teil von der jeweiligen Verwendung ab.

Aber das ist ja längst noch nicht alles: Im Gegensatz zu anderen Requisiten eignen sich diese hier nämlich ganz hervorragend als „Kontaktmittel“, sorgen für gesteigerte Aufmerksamkeit oder haben andere Vorteile. Ein Spongeball lässt sich beispielsweise problemlos sehr visuell produzieren.

Im Kapitel „Kontaktaufnahme“ hatte ich ja bereits angedeutet, dass einige Kinder aufgrund ihrer negativen Erfahrungen nicht sofort zugänglich sind. Hier kann man aber oftmals erfolgreich einen kleinen Umweg über die Eltern nehmen, indem man z. B. als erstes bei der Mutter einen Spongeball „abpflückt“. Die Eltern spielen dabei ausnahmslos richtig gut mit und das überträgt sich dann auch direkt auf die betroffenen Kinder.

Zudem scheint so ein Spongeball auf irgendeine Art und Weise außergewöhnlich und interessant zu sein, denn es entsteht regelmäßig eine gewisse Neugier. Und diese machen wir uns selbstverständlich sofort zunutze.  

Ebenso übt Geld seit jeher eine starke Faszination auf die Menschen aus. Geld ist einerseits zwar etwas Unpersönliches, aber dennoch reagieren die meisten Leute sehr emotional darauf. Entsprechend groß ist die Aufmerksamkeit, wenn beispielsweise plötzlich eine Münze erscheint.  

Klein, aber fein

Gummibänder, so klein und unscheinbar sie auch sein mögen, so lassen sie sich bei Bedarf doch sehr „groß“ inszenieren. Die „Crazy Man’s Handcuffs“ führe ich beispielsweise schon seit vielen Jahren grundsätzlich nur noch mit der Beteiligung zweier Zuschauer und (m)einer speziellen Handhabung vor. Zudem ist der Effekt selbsterklärend, visuell und erlaubt 360° Blickwinkel.

MIKE und die „Crazy Man’s Handcuffs“ (Bild: https://zauberermike.de/programmpunkt.html)

Letzteres gilt übrigens genauso für das „Bedrucken“ des Einweg-Feuerzeugs. Kleines Requisit, große Wirkung.

Auf das Kartenspiel möchte ich an dieser Stelle (noch) nicht eingehen, wohl aber auf das ITR. Eines vorweg: Von den meisten Schwebeeffekten halte ich nicht viel, da es oftmals mehr „bammelt“ als schwebt – und das liegt nicht unbedingt am Künstler, sondern oftmals in der Natur der Sache.

Richtig klasse, vor allem aber praxistauglich, ist hingegen die berühmte Hummer-Card. Gut vorgeführt hat der Zuschauer nicht den Ansatz einer Erklärung. Die (Visiten-) Karte fliegt und schwebt völlig losgelöst um den Künstler herum. Ein echter Knaller ohne großen Aufwand!   

Bleibt zu guter Letzt noch der Stift. Dieser ist eigentlich nur mehr „Mittel zum Zweck“. An mindestens zwei Stellen in meinem CloseUp Programm allerdings ein unverzichtbares. 

Wird fortgeführt, sofern weiteres Interesse besteht.

Anmerkung von Volkmar: Diese Formulierung haben wir gewählt, weil sowohl MIKE als auch ich erstaunt sind, wie wenig Rückmeldung zu den Artikeln (der Visite-Serie, aber auch generell) kommen. Liegen wir mit den Themen richtig?

Zu diesem Thema werde ich in Kürze einen gesonderten Beitrag schreiben.

Bis dahin: Wir freuen uns auf eure Rückmeldung!


One thought on “Magische Visite (3)

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