Mal eine Auszeit nehmen

Auch wenn es sich in der aktuellen Corona-Zeit etwas widersprüchlich anfühlt, möchte ich heute meine Gedanken zum Thema „Auszeit vom Zaubern“ darlegen. Grund dafür sind konkrete Anfragen, warum ich vor einigen Jahren – weit vor Corona – eine mehrjährige Pause vom Zaubern eingelegt habe, um dann letztlich doch wieder in das Thema einzusteigen. Auf die aktuelle, durch die Pandemie bedingte Zwangspause komme ich später zurück.

Meine persönliche Lage vor der Auszeit

Bis zu meiner Pensionierung im Sommer 2016 war ich vierfach-belastet: Beruflich als Schulleiter, privat als Vorsitzender eines Sportvereins, sehr aktiver Zauberkünstler, alleinerziehender Vater mit Einfamilienhaus und Garten. Das hat mir alles Spaß gemacht, aber meine Tage waren sehr gut ausgefüllt, wie man sich vorstellen kann.

Im Zusammenhang mit meiner freiwillig um 3 Jahre vorgezogenen Pension (was laut Beamtengesetz in Niedersachsen mit entsprechenden finanziellen Abzügen möglich ist) im Sommer 2016 wollte ich eine Zäsur setzen und mein weiteres Leben komplett ohne äußere Zwänge gestalten, stattdessen sorgenfrei in den Tag hineinleben, nach Lust und Laune leben und reisen und mir wichtige private soziale Kontakte pflegen.

Meine Auszeit

Das habe ich dann auch getan: Ich habe die Auszeit, das Sabbatjahr, die ich aus finanziellen Zwängen vorher nicht nehmen konnte, eben nach meinem Berufsleben umgesetzt. Und zwar gründlich und komplett: Nicht mehr arbeiten gehen, Rücktritt als Vereinsvorsitzender, Ende der Zauberei mit Verkauf fast sämtlicher Requisiten, Haus verkauft und der Sohn war inzwischen erfolgreich berufstätig. Ich hatte nun nur noch ein Ehrenamt im Sportverein und ansonsten viel Zeit für mich und meine weiteren Hobbys reisen, fotografieren, Musik, Sport, die ich sehr genossen habe.

Die Rückkehr zur Zauberkunst

Tatsächlich erst fast drei Jahre später begann es in den Fingerspitzen wieder zu kribbeln und das Interesse an der Zauberkunst erwachte wieder. Der Zaubervirus ergriff mich wieder, allerdings nicht so extrem wie vor der Auszeit, denn jetzt konnte ich die Sache viel differenzierter angehen. Ich wollte nicht mehr so viele Auftritte absolvieren und mich auch nicht mehr zu Veranstaltungen buchen lassen, die mir nicht gefielen. Außerdem wollte ich die Rahmenbedingungen selber setzen, mich zu nichts überreden zu lassen, was mir nicht gefiel – nicht wieder in die alte Tretmühle zurückfallen. Dann lieber gar nicht auftreten – ich hatte ja gerade erlebt, dass es auch ein sorgenfreies Leben ohne Zaubern geben kann.

So entstand der Plan in einem eigenen Zaubertheater aufzutreten. Da habe ich die Entscheidungsgewalt, wann, wie oft und was ich spiele. Ich muss nicht warten, bis das Festessen vorbei ist und alle Verwandten ihre lustigen Reden gehalten haben, sondern trete zur angekündigten Uhrzeit auf. Ich muss mir auch nicht den Platz für den Auftritt im Garten beim Kindergeburtstag mühsam suchen, sondern ich gehe auf meine Bühne. Also nur Auftritte unter optimalen Bedingungen.

Gründung des Zaubertheaters im BSC Grünhöfe

Das hat mir gefallen, und da ich inzwischen für unseren Verein die Vereinsgaststätte leite, die nur 3 – 4 Mal pro Woche geöffnet ist, konnte ich dieses Ehrenamt mit meiner Zauberidee kombinieren – es entstand das „Zaubertheater im BSC Grünhöfe“. Eine win-win-Situation, weil ich einen idealen Zauberort gefunden habe und der Verein zusätzliche öffentliche Werbung erfährt.

Inhaltlich bin ich aus meiner Zauber-Auszeit mit neuem Tatendrang zurückgekommen. Ich konnte natürlich die alten Programme relativ schnell wieder spielen, hatte aber auch Ideen und Kreativität gewonnen, neue zu entwickeln. Aus dem alten Zaubertrott war neues Engagement und wieder erwachtes echtes Interesse geworden – was ja generell der Sinn von Auszeiten oder Sabbatjahren im Beruf ist: Abschalten, regenerieren, mit neuem Schwung, aber auch mehr innerer Distanz, wieder einsteigen. Bei mir hat es funktioniert.

Auszeit in der Pandemie

Und so kann ich nur jedem/r empfehlen, auch einmal eine Auszeit von der Zauberkunst zu nehmen. Vielleicht bietet sich dazu die aktuelle Situation mit der Pandemie sogar an, auch wenn eine Zwangspause natürlich rein gar nichts mit einer Auszeit zu tun hat.. Notwendig dafür ist, wirklich mit bewusster Entscheidung zu sagen: „Ich will jetzt erst einmal nichts mit Zaubern zu tun haben, ich steige mal aus, ich bin dann mal weg.“ Aber man*frau kann natürlich die fremdbestimmten Vorgaben für eine persönliche Entscheidung nutzen, die nächsten 6 Monate die Zauberrequisiten nicht anzufassen und keinen Gedanken daran zu verschwenden.

Eine Auszeit, eine Sabbatzeit, beinhaltet die innere Entscheidung eine Pause einzulegen. Nur dann bringt sie die gewünschte Entschleunigung und neue Kreativität mit sich. Eine erzwungene Auszeit erzeugt eher Stress, weil damit eine Unzufriedenheit einhergeht. Also entweder freiwillig und bewusst aussteigen oder gar nicht.

Und mir ist auch klar, dass eine Auszeit vom Zaubern generell nur einlegen kann, wer nicht beruflich zaubert. Eine Auszeit bedeutet Einnahme-Ausfall. Immerhin muss man*frau auch in dieser Zeit leben und eingegangene Verpflichtungen finanzieller und anderer Art einhalten können. Das sind private Bedingungen, die jede*r für sich klären muss. Konkret bei mir war das eben ein Ausschlussgrund dafür meine Auszeit schon früher zu nehmen – ich hätte es mir schlicht nicht leisten können.

Rückblickend sage ich: Meine Entscheidung für die Auszeit direkt nach der Pensionierung war zu 100 % richtig. Ich habe damit inneren Abstand zur Zauberei gewonnen, der mir heute hilft, die Zauberkunst zu genießen und das, was ich tue, mit Spaß, Freude und Zufriedenheit anzugehen. Und so soll ein Hobby ja wohl aussehen. Oder?

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