
Aktuell läuft die Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko. Und da kam mir der Gedanke: „Meine Güte, dass ist ja schon die X., die ich sehe. Ja, die wievielte denn eigentlich? Da ging der Blick zurück um festzustellen, was von den einzelnen WMs als Erinnerung geblieben ist. Hier seht ihr das Ergebnis.
1954 Schweiz – Sieger: Deutschland
An diese WM hab ich keinerlei Erinnerung, weil ich erst 7 Monate alt und mir Fußball völlig egal war. Allerdings wurde Deutschland Weltmeister, wie ich später erfuhr. Auch das grandiose Siegtor von Helmut Rahn habe ich dann irgendwann gesehen.
1958 Schweden – Sieger: Brasilien
Auch mit 5 Jahren interessierten mich Fußball und die WM noch nicht. Zudem gab es zu der Zeit kaum Fernsehgeräte oder Telefone in privaten Wohnungen. Informationen erhielt man damals über das Radio. Uwe Seeler spielte seine erste WM.
1962 Chile – Sieger: Brasilien
Die erste WM, an die ich mich bewusst erinnere. Nicht wirklich an Details, aber wir haben zumindest die Spiele im Radio verfolgt und ich kann mich an das deutsche Ausscheiden im Viertelfinale gegen Jugoslawien (… das es heute unter diesem Namen gar nicht mehr gibt!) mit 0:1 erinnern. Deutscher Torwart war Wolfgang Fahrian. Auch dieses Tor habe ich dann später mal im TV gesehen.
1966 England – Sieger: England
Jetzt war ich als aktiver Fußballer komplett mit im Schiff und habe die Spiele im inzwischen bei uns auch vorhandenen TV-Gerät verfolgt. Zum Beispiel die sehr unfairen Uruguayer, die Deutschland aber trotzdem 4:0 besiegt hat. Im Endspiel verlor Deutschland 2:4 nach Verlängerung gegen Gastgeber England. Durch das bis heute unvergessene Wembley-Tor, das definitiv gar kein Tor war. Der Ball prallte von der Latte vor die Torlinie. SR Gottfried Dienst ließ sich aber von seinem Linienrichter Tofik Bakhramov überzeugen, dass er dahinter war – also 3:2 für England.
Das Spiel habe ich im österreichischen St. Johan im Pongau gesehen, wo wir zu dem Termin in Urlaub waren. Fernsehen gab es nur in einem Hotel, zu dem wir von unserer Unterkunft etwa 1 Stunde gehen mussten…
1970 Mexiko – Sieger Brasilien
Die letzte WM von Uwe Seeler, die erste vom „Bomber der Nation“ Gerd Müller. Im Vorfeld gab es große Diskussion, wer von den beiden im Mittelsturm spielen sollte. Letztlich spielten beide gut zusammen und Deutschland belegte Platz 3. Uwe Seeler erzielte ein unvergessenes Tor mit dem Hinterkopf, Franz Beckenbauer spielte im Halbfinale gegen Italien mit einer ausgekugelten Schulter durch. Auswechseln war bei dieser WM zwar erstmals erlaubt, aber das deutsche Wechselkontingent von 2 Spielern war schon verbraucht, als er sich verletzte.
1974 Deutschland – Sieger Deutschland
Diese WM habe ich hochaktiv auch in mehreren Stadien miterlebt. Ich war zum Eröffnungsspiel gegen Chile in Berlin dabei, dann in Düsseldorf gegen Schweden und schließlich bei den beiden Endspielen in München. Unvergesslich im ausverkauften damals noch fast neuen Olympiastadion, wie Franz Beckenbauer den WM Pokal erhielt und in die Höhe streckte. Oder Bomber Gerd Müller das 2:1 erzielte.
1978 Argentinien – Sieger Argentinien
Deutschland schied früh aus durch die „Schmach von Cordoba“ beim 2-3 gegen Österreich. An diese WM erinnere ich mich nur verschwommen, wahrscheinlich weil ich keine Lust hatte, die Spiele immer nur nachts anzusehen. Außerdem hatte ich gerade eine persönliche schwache Phase – ich hatte keine Lust mehr auf mein Lehrer-Studium und sah mich nach einem Beruf um. Kurz danach bewarb ich mich als Jugendpfleger in Beverstedt und begann dort im Januar 1979 mein Berufsleben.
1982 Spanien – Sieger Italien
Während dieser WM fand in der Gruppenphase das Skandalspiel zwischen Deutschland und Osterreich statt – der Nichtangriffspakt von Gijon. Nach dem frühen Tor zum 1:0 für Deutschland stellten beide Mannschaften das Fußballspielen ein, weil beiden dieses Ergebnis zum Weiterkommen ausreichten. Sie passten sich nur noch in Zeitlupe die Bälle hin und her. Aus Protest habe ich bis zum Endspiel während unseres Vereins-Sommerlagers in Rödinghausen kein Spiel der WM mehr angesehen.
1986 Mexiko – Sieger Argentinien
Während dieser unvergessenen WM war ich mit meinem Kumpel Olaf live vor Ort in Mexiko. Wir hatten zwar keine Eintrittskarten, aber sahen alle Spiele im TV. Immer eines um 12 Uhr Ortszeit und eines um 16 Uhr Ortszeit in Cafes oder in unserem Hotelzimmer. An spielfreien Tagen reisten wir weiter zu anderen Orten in Mexiko. Unvergessen: 2 Tage Montezumas Rache, die uns an die Toilette fesselte, die Felsenspringer von Acapulco, und natürlich auch die deutschen Spiele. Außerdem haben wir uns spontan auf dem Schwarzmarkt (zu einem zivilen Preis) Karten für das Halbfinalspiel Belgien – Argentinien im Aztekenstadion in Mexiko-City gekauft und das Spiel im Stadion gesehen – inklusive Diego Maradona. Leider waren wir während des Endspiels gegen Argentinien im Flugzeug von Mexiko City nach Miami, weil wir von dort aus unseren Rückflug antreten mussten. Pünktlich zum Abpfiff waren wir in Florida in unserm Hotel. 🙂
1990 Italien – Sieger Deutschland
Gedanklich hängen geblieben von diesem Turnier sind der Elfmeter zum Siegtor von Andy Brehme und die einsame Wanderung von Franz Beckenbauer im Stadion nach dem gewonnen Endspiel. Damit war er der zweite Fußballer überhaupt, der sowohl als Spieler als auch als Trainer Fußball-Weltmeister wurde. Vorher hatte das nur der Brasilianer Zagalo geschafft.
Bei dieser Erinnerung bin ich sicherlich befangen. Franz Beckenbauer ist der grandiose deutsche Spieler, der mich von Kindheit an (1966 erste WM gespielt) durch meine aktive Fußballer-Karriere als Vorbild und Lichtgestalt geführt hat. Als Spieler, als Trainer und als Funktionär – alles, was ich selbst in meinem kleinen Kosmos auch gemacht habe. Und genau wie ich im Kleinen hat er im Großen den bunten Mix von Erfolg, Management, Fehlern und Fauxpas abgeliefert.
Fortsetzung folgt bei Gelegenheit…
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