Plakate – ein aussterbendes Werbemittel?

Ulrich Rausch

Einige wissen wahrscheinlich, dass ich eine kleine Sammlung mit etwas mehr als 500 Plakaten aus den letzten 100 Jahren mein eigen nenne. Der Schwerpunkt liegt verständlicherweise auf dem deutschsprachigen Raum, und dann Europa. Die Sammlung umfasst Einzelplakate von Künstlern, Gemeinschaftsvorstellungen wie zum Beispiel die Zauber-Zauber Tournee, Kongressplakate und Lagerplakate auch von Friedländer, die der Fachhandel Künstlern angeboten hat, die keine eigenen Motive zu Werbezwecken haben drucken lassen.

Für mich sind Plakate kulturhistorische Dokumente, da sich an ihnen die Entwicklung der Zauberkunst nachvollziehen lässt. Sie sind eine flüchtige Kunst, da sie nicht zum Aufbewahren gemacht wurden, sondern angeklebt und später abgerissen oder überklebt wurden. Entsprechend einfach sind sie hergestellt und sehr empfindlich. Zum Aufheben also sehr empfindlich. Aus diesem Grund hängt auch kein einziges, mag es noch so schön sein, bei mir an der Wand.

Plakate – Was ist ihr Zweck?

Diese Frage erscheint auf den ersten Blick banal. Denn das Plakate Werbemittel sind, ist mehr als offensichtlich. Aber ein Blick durch meine Plakate zeigt, dass der Weg, dies zu erreichen, auf sehr unterschiedliche Weise begangen wird. Und ich bei einigen Plakaten nicht davon überzeugt bin, dass sie wirklich eine werbende Wirkung haben. Mir sind – um eine kleine Auswahl zu nennen – folgende „Fehler“ aufgefallen:

  • Die Plakate locken nicht an. Sie funktionieren nicht auf die Entfernung, sondern nur, wenn man nahe davor steht, kann man erkennen, um was es geht. Dies ist übrigens keine Frage der Größe des Plakates, sondern eine der Gestaltung.
  • Es ist nicht deutlich, um was es geht. Dass es um eine Zaubervorstellung geht, sollte auch auf Distanz erkennbar sein. Ich habe Plakate von Zauberabenden (vorrangig von Vereinen), auf denen dann alle Namen der auftretenden Künstler stehen. Ich kann verstehen, dass alle genannt werden wollen und sollen. Aber dadurch ist das Plakat mit Verlaub so „zugemülllt“, dass die wirklich wichtigen Informationen nur noch am Rand Platz haben.
  • Ort, Datum und Uhrzeit fehlen

Ich könnte an dieser Stelle noch weiter Punkte aufzählen, will es aber dabei belassen. Ich will nur noch mal in drei Worten sagen, was die Aufgabe eines Zauberplakates ist: Interesse wecken, Anlocken, Informationen vermitteln. Ups, das waren ja dann doch fünf Worte und ich muss noch hinzufügen: Dies alles auch auf eine größere Distanz.

Plakate von Kinder-Zauberern

Das eben Gesagte gilt genauso auch für Kinderzaubervorstellungen: : Interesse wecken, Anlocken, Informationen vermitteln. Dies gilt auch, obwohl diese Plakat vielleicht in einem wesentlich geringenen Umfang bei einen Auftritt eingesetzt werden: Im Eingangsbereich der Schule und der Kita wird auf den Auftritt hingewiesen und nicht ein ganze Stadt damit zuplakatiert.

Haben Plakate eine Zukunft?

Die Frage ist, ob sich in Zeiten, in denen sich alles immer mehr digitalisiert, es sich überhaupt noch rentiert Plakate zu gestalten und zu drucken. Ich hätte 3 und ein halbes Argument, die dafür sprechen, dass ein Kinderzauberer ein gutes Plakat von sich hat.

  1. Kindervorstellungen – wenn endlich die verdammte Pandemie vorbei ist – werden wieder real stattfinden. D.h. man kann oder muss vielleicht sogar mit Plakaten vor Ort für einzelne Veranstaltungen werben.
  2. Ein Plakat ist ein wirkungsvolles Verkaufsargument, wenn man einem Veranstalter eine Show anbietet. Wenn man gleich ein Plakat mitschickt, dann hat man sofort einen ganz anderen Einstand bei möglichen Kunden.
  3. Für Kinder sind Plakate beliebte Erinnerungsstücke an eine tolle Zaubervorstellung. Ich habe sie immer am Ende großzügig verschenkt. Die Kinder haben sich gefreut und die Erwachsenen waren überrascht, dass ich sie verschenkt habe. Ich war damit der nette und freundliche Zauberer, was ja für evtl. Folgeaufträge kein schlechtes Argument ist.

Das halbe Argument: Plakate kosten heute im Duck wirklich nichts mehr. Durch die vielen Online-Druckereien ist es inzwischen sehr erschwinglich geworden (ein paar Cent bei einer entsprechenden Auflage), Plakate in sehr guter Druckqualität herstellen zu lassen. Selbst wenn man die Gestaltung durch einen Designer vornehmen lässt, stehen die Gesamtkosten in keinem Verhältnis zu dem Nutzen.

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