Rezension: „Meine eigene Zaubershow“ von Susanne Rennert

Susanne Rennert hat ein neues Buch veröffentlichtt, mit dem Titel „Meine eigene Zaubershow“. Obwohl, ganz neu scheint es nicht zu sein, denn im Impressum steht zwar (c) 2022, aber zwei Zeilen weiter ist zu lesen: „3. Auflage 2022“. Die älteren Auflagen sind mir so akut nicht (mehr) bekannt, ich kann also nicht beurteilen, ob es vielleicht eine überarbeitete Fassung ist.

Wie auch immer: Das Buch hat 128 Seiten im Format 15,5 x 22 cm, Paperback, kostet 11,90 € und erscheint bei BoD Norderstedt, ISBN 97 837 54384077.

Es richtet sich an Kinder, es soll ihnen die Vielfalt der Zauberschule aufzeigen: „Du stellst deine Tricks selber her und lernst ihre Anwendungstechniken. Es wird gebastelt, gespielt, gemalt und geprobt, sodass am Ende eine Zaubervorstellung entsteht, die vor Eltern, Freunden und Bekannten vorgeführt werden kann.“ (S. 10)

Seite 70-71

Um es gleich vorweg zu nehmen: Für diese Zielgruppe Kinder halte ich weite Passagen des Textes für viel zu schwer geschrieben. Der Text enthält zum einen viele lange Textblöcke, zum anderen viele Hinweise, aus welchen pädagogischen oder psychologischen Gründen Zauberei förderlich ist oder Dinge vorgeschlagen werden. Das lesen zwar Pädagogen gern, vielleicht auch Eltern – aber sicher nicht Kinder im Alter von 10 – 12 Jahren. An die sich aber in etwa das Buch richtet, wenn ich die Auswahl der Tricks und anderen Inhalte betrachte. Beispiel: „Die Selbsterfahrung beim Vorführen einer selbst erarbeiteten Szene fördert positive Entwicklungen“ (Seite 11) oder „Förderung des ganzheitlichen Denkens und Erfahrung, dass eins mit dem anderen zusammenhängt“ (S. 60)

Inhaltliches

Inhaltlich ist das Buch in 9 Kapitel aufgeteilt: Das erste erläutert, wie das Kind sich seine Zauber-Ausrüstung bastelt: Zauberstab, Zauberhut, Zaubersprüche, Umhang. So viel Klischee muss denn wohl sein – für mich übertrieben, der ich (und meine Zauberkurs-Kinder) darauf wenig Wert lege.

Die Tricks

In Kapitel 2 – 5 und 7 werden einfache Tricks beschrieben. Darin finden sich die gängigen Bekannten aus Büchern oder Zauberkästen, aber auch kleine Spielszenen. Inhaltlich okay, Beschreibung siehe oben: viel Text.

Im Kapitel 6 geht es – für mich ziemlich überraschend – sehr ausführlich um die Herstellung von Seifenblasen und dem zugehörigen Pustering. Sicherlich ein schönes Gebiet – aber hat mit der Zauberkunst eher am Rande zu tun. Und dass im Rezept auf S. 77 unter anderem steht: „4. Koche die Flüssigkeit auf.“ halte ich für ein Kinderbuch für zu gefährlich. Es wird von 4 Litern Flüssigkeit geredet und kein Wort darüber, dass Eltern da vielleicht besser mithelfen sollten.

Kapitel 8 befasst sich ausgiebig mit „Die Zersägekiste“, die erklärt wird: „Es handelt sich um den legendären Trick „Die zersägte Jungfrau“.“ (S. 91) Wenn man die allgemein anerkannte Forderung ernst nimmt, dass nichts in ein Kinderprogramm gehört, was zu gefährlichen Nachahmungen führen darf, ist dieses Kapitel völlig deplatziert in einem Kinderbuch. Es hätte sicherlich Anderes, Harmloseres gegeben, wenn denn eine Großillusion mit aufgenommen werden soll.

Spiele

Recht unverhofft tauchen im Buch auch zwei Spiele für Kinder auf: Das altbekannte „Wenn der Zauberer kommt, möchte er kein rot sehen“ und „Kartenziehen“, ein Spiel für 6 -30 MItspieler*innen. Das eine ist ein Lauf- und Fangspiel, bei dem anderen wird ein großer Stuhlkreis benötigt. Beides also Spiele, die Kindern sicher Spaß machen – aber das Thema des Buches ist „Meine eigene Zaubershow“. Wieso in eine solche angeleitete Spiele mit viel Platzbedarf und Bewegung gehören erschließt sich mir nicht wirklich.

Tipps für die Zaubershow

In Kapitel 9 geht es schließlich um konkrete Hinweise für die Gestaltung einer Zaubershow. Das finde ich sehr positiv, weil in vielen Büchern und Kursen eben nichts darüber gesagt wird, wie man als Künstler*in mit Programmaufbau, Bühnenverhalten, Lampenfieber und anderem umgeht. Auch Dekoration, Bühnenaufbau und Musik werden erwähnt. Letzteres allerdings leider ohne einen Hinweis darauf, dass es eine GEMA und dafür geltende Bestimmungen gibt.

Fazit

Das Buch mit der Zielsetzung, eine Handreichung für eine gelungene Zaubershow für ein Kind zu sein, erfüllt diesen Anspruch nur zum Teil. Es schweift in anderen Bereichen von der Zauberei ab, wenn es um Spiele, Sketche und Seifenblasen geht.

Weite Passagen sind für Kinder zu komplex und schwierig beschrieben, hier werden eher Eltern, Lehrer*innen oder Erzieher*innen angesprochen.

So ist aus meiner Sicht viel vorhandenes, kreatives und nützliches Fachwissen von Susanne Rennert vermischt worden zu einem allgemeinen Varieté-Ratgeber, wobei zudem die Zielgruppe Kinder oder Erwachsene nicht eindeutig und konsequent berücksichtigt wurde.

Erwachsene können sich sicherlich viele gute Anregungen – auch für die Zusammenarbeit mit Kindern – in dem Buch holen, aber Kinder selbst sind meiner Meinung nach mit dem Lesen und Verstehen des Buches überfordert.

Da dies aber die Zielgruppe sein soll, bewerte ich es mit nur 2 von 5 Zauberzwergen.

One thought on “Rezension: „Meine eigene Zaubershow“ von Susanne Rennert

  1. Auch mir ist wiederholt das von Dir beanstandete Phänomen, die Zielgruppen durcheinander zu bringen, bei Kinderzauberbuchautoren aufgefallen. Dies irritiert manche lesenden Kinder und sie legen das Buch beiseite. Bei einer 3. Auflage sollte dies Manko doch geklärt bzw. behoben sein.

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