Zaubertheater: Geld, Finanzierung, Sinn

Am 1. Februar 2022 hatte ich berichtet, dass Christian Hörner – ZaPPaloTT zum Herbst ein eigenes Zaubertheater eröffnen will. Nun teilte er mit, dass der geplante Umbau der Räumlichkeiten doch deutlich teurer als gedacht würde. Und das, obwohl er über seine Crowdfunding-Aktion sogar ca. 15000 € zusammensammeln konnte.

So teilt er in seiner FasZinierungs-Mail vom 18.03.2022 mit: „Die enorme Kostenentwicklung für den Umbau war so nicht abzusehen. Der Bauaufwand des Projekts wurde viel größer, als zu Beginn geplant. Die Barrierefreiheit in den Räumlichkeiten ist doch nicht so einfach umsetzbar und die Umnutzungsauflagen sind höher als zu Beginn gedacht. Dazu kommt die derzeitige Lage mit stark gestiegenen Materialkosten und hohen Mehrkosten für die sehr begehrten Handwerksfirmen.

So wurde mir das Bauprojekt und anschließendes Betreiben des Theaters schlicht und einfach zu groß, um es gesund und munter zu schultern. Aus diesen Gründen habe ich beschlossen, das Projekt “Theater Wunderweg” zu stoppen.“

ZaPPaloTT (Quelle: Zauberer ZaPPaloTT-FasZinierungen | ✨Zauberer Würzburg | Kinderzauberer | Zauberer ZaPPaloTT)

Selbstverständlich werden die gesammelten Crowdfunding-Spenden zurückgezahlt, das geht übrigens automatisch über die zuständige Plattform.

Mutige Entscheidung

Ich finde ZaPPaloTTs Entscheidung ebenso mutig wie richtig. Mutig deshalb, weil er in Anbetracht der Kostenlawine, die da auf ihn zu rollte, die Reißleine zog und absprang. Egal – was andere (Spender) jetzt vielleicht denken könnten. Und es ist richtig, den Brunnen abzudecken, bevor das Kind hineinfallen kann! Chapeau also vor dieser Entscheidung. Ich kann mir vorstellen, dass sie nicht leicht gefallen ist, denn ein eigenes Theater ist ein Traumziel vieler Künstler*innen.

Plan B?

Aber scheinbar war der Komplett-Umbau Plan A und und alternativlos. Ich möchte daher hier einen Plan B anregen. Er ist vielleicht für andere Interessenten denkbar und ich selber verfahre auch danach. Plan A, eine feine Räumlichkeit in bester Lage anzumieten oder gar zu kaufen und dann nach meinen Wünschen umzubauen, wäre für mich unfinanzierbar gewesen. Und ich bin auch nicht überzeugt davon, dass dies mit reinen Kinder- und Familienprogrammen finanziell langfristig tragbar gewesen wäre. Ehrlich gesagt bezweifle ich, dass dafür dauerhaft und genug Eintrittskarten in den Preisspannen von 40 € aufwärts gezahlt werden. Hier in meiner Region auf jeden Fall.

Ich habe bei meinen 3 Anläufen zu einem eigenen Theater immer nach Räumlichkeiten gesucht, die ich günstig oder kostenlos mieten konnte. Das waren geschlossene Gaststätten oder ähnliches. Zurzeit ist es eine Partnerschaft mit einem Sportverein. Wobei das nur geht, weil ich den Raum ohnehin betreue und Schlüsselgewalt habe.

Die Renovierungs- bzw. Einrichtungskosten lagen dann im niedrigen vierstelligen Bereich und konnten von mir getragen werden. Die langfristigen Mietkosten hingegen waren immer so gering, dass sie mit den laufenden Einnahmen beglichen werden konnten.

Das Ziel des Theaters

Für die Finanzierung eines eigenen Theaters ist meiner Meinung nach auch der langfristige Nutzen mit zu bedenken. Ich hatte immer die meisten Auftritte an den klassischen Spielstätten: Schulen, Kitas, Vereine, Geburtstage usw. Ins Theater kamen und kommen (Groß-)Eltern mit ihren Kindern. Oftmals aber auch solche, die in Schulen oder Kitas berufstätig sind.

Sprich: Die Gäste nutzen das Theater zur privaten Freizeitgestaltung, aber auch, um die Zaubershow einmal zu testen. „Wie ist der Zauberer so ist und was macht er“. Resultat davon waren dann häufig die oben erwähnten Buchungen.

Aus meiner künstlerischen Sicht ist das Theater für mich ein Ort, wo ich meine Ideen ausleben und umsetzen kann, ohne mich durch den Transport vieler großer Requisiten einschränken zu müssen. Sie sind einfach da und bereit. Wenn ich auswärts gebucht bin, spiele ich mein bewährtes (und ständig aktualisiertes) Programm „Zauber?Kinder!“. Das ist dafür optimiert.

Außerdem sehe ich mein Theater als Werbe-Maßnahme für meine Zauber-Auftritte. Und in dieser Gesamt-Kalkulation haben sich die Investitionen in meine Theater dann immer gelohnt.

Vielleicht ist solche eine Alternative B auch für andere eine Option, ein eigenes Theater zu betreiben. Ich kann das so nur empfehlen.

Buchtipp

Ausführlich habe ich meine Gedanken zum Thema „Mein eigenes Zaubertheater“ in der erweiterten Neuauflage von „Zauber?Kinder!“ 2021 veröffentlicht.

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