„Das Potenzial bist Du.“

Teil 2 der Serie „Zauberstab benutzen??!!

Im www.forum-der-magie.com war Anfang Oktober der Silly wand ein Thema. Jemand hatte den in einer youtube-Show von Greg McMahan gesehen und fragte nach einer Bezugsquelle, die auch schnell genannt wurde.

Nächste Reaktion von OleS79 war daraufhin: „Der Zauberstab scheint Potenzial zu haben.“, was ich als Kaufempfehlung betrachte. So weit, so normal, für diesen Austausch sind die Foren ja schließlich da.

Grandios fand ich dann aber die Antwort von MIKE: „Das Potenzial bist Du. Der Stab ist nur Mittel zum Zweck.“ Diese zwei Sätze bringen die Grundlagen einer guten Zaubershow auf den Punkt: Nicht das Trickgerät macht eine gute Show, sondern deine Persönlichkeit. Nicht das Gerät ist super, sondern das, was du damit machst.

Passt das Requsit zu mir?

Ich hatte mir selbstverständlich auch den Silly wand und die zugehörigen Präsentationen von Mister Greggy und Silly Billy angesehen und fand für mich: „Nett, aber muss ich nicht haben.“ Die beiden Präsentationen passen nicht zu meinem Vorführstil und eine andere Idee kam mir spontan und bis heute auch nicht, wie ich den Stab einsetzen könnte. Also hat er für mich nicht genug Potential. Er passt einfach nicht zu mir.

Womit ich zur Kernaussage dieses Artikels komme: Jedes Kunststück und jedes Requisit, das ich auf der Bühne benutze, muss zu mir passen. Dafür sind mir folgende Gesichtspunkte wichtig:

  • Ich muss mich damit auf der Bühne wohlfühlen.
  • Ich muss eine Idee haben, was ich damit machen will und wie ich es benutzen möchte.
  • Ich muss die Technik sicher bedienen können (manche Handgriffe kann ich einfach nicht ausführen…).
  • Es muss mir optisch gefallen
  • Das, was ich damit auf der Bühne vorhabe, muss mir Spaß machen.

Wenn alle diese 5 Aspekte erfüllt sind, kann ich mit dem Requisit auf die Bühne gehen. Nur wenn ich von dem Requisit überzeugt bin, kann ich es überzeugend vorführen oder einsetzen und die Chance ist relativ groß, dass ich meine Begeisterung auf das Publikum übertragen kann. Sind die 5 Gesichtspunkte nicht alle erfüllt, dann passt das Requisit nicht für mich und ich benutze es nicht.

Störungen im Gerät

An dem Silly wand stört mich, dass ich ihn auf der Bühne sehr offensichtlich auseinander ziehen und genau so deutlich wieder zusammen schieben muss. Zudem ist er ziemlich dick und sieht auf den ersten Blick nicht wirklich wie ein Zauberstab aus.

Ich weiß, alles sehr subjektive Betrachtungen. Aber genau das ist es: Es ist ja meine Zaubershow, und daher soll und muss alles, was ich mache, auch für mich und zu mir passen. Das Potential der Trickgeräte bin ich. Die Geräte sind nur Mittel zum Zweck: Nämlich die Kinder zu unterhallten.

Meine flexible Variante

Ich benutze in meinen Vorstellungen regelmäßig einen anderen flexiblen Zauberstab, den Comedy spring wand (https://www.stolina.de/comedy-spring-wand.html). Der passt besser zu mir, weil er zunächst wie ein „normaler“ Zauberstab aussieht, aber plötzlich während des Trickgeschehens etwas Unerwartetes damit geschieht. Das ist generell mein Zauberstil: Ich tue so, als ob ich ganz seriös Zaubertricks zeigen möchte, aber ständig passiert zur allgmeinen Freude etwas ganz anderes…

In der Schwammballroutine kündige ich an, dass wir einen Ball aus der Hand eines Kindes in meine Hand zaubern. Dazu biege ich den Zauberstab in der Mitte so um, dass beide Enden zu meiner anderen Hand zeigen. Er zeigt also die Zauber-Richtung an. (Die sich dann aber nicht erfüllt, denn die zwei Bälle sind in die Hand des Kindes gewandert).

In einer anderen Sequenz nehme ich den Zauberstab senkrecht auf, so bleibt er stabil stehen, und neige ihn dann etwas – promt fällt die Spitze herunter. Ich sehe den Stab erstaunt an, dann wirbele ich die Spitze im Kreis herum mit der lapidaren Bemerkung: „Oh, der war wohl früher ein Hubschrauber…“

Diese Varianten passen für mich. Ich kann sie überzeugend  präsentieren, fühle mich dabei gut und sicher und sie machen mir Spaß. Andere mögen lieber den Silly Wand. Das ist völlig okay, denn in diesem Zusammenhang gibt es kein Richtig oder Falsch. Da gibt es nur: Was kann ich mit dem Requisit auf der Bühne machen?

Das Potential bist Du!

4 thoughts on “„Das Potenzial bist Du.“

  1. Ich musste beim Lesen des Beitrags an Verkaufsangebot denken, bei denen privat teilweise neuwertige Tricks mit der Begründung: „Passt nicht zu mir!“ oder „Passt nicht in mein Programm!“ angeboten werden. Ich denke dann immer, warum machst du es dann nicht passend. Das Potential steckt in Dir.

    1. Das ist eine Möglchkeit. Ich hab aber oft erlebt, dass ich beim Auspacken und Testen eines neuen Tricks gemerkt habe, dass er z.B. Handgriffe verlangt, die mir auf der Bühne nicht liegen. Oder dass die Optik längst nicht so schön ist, wie im Händlerprospekt dargestellt. Oder eine enthaltene mechanische Tricktechnik mir zu unsicher erscheint.
      Alles subjektive Dinge, die erst beim ersten Testen bemerkt werden, aber für mich dazu führen, diesen Trick nicht weiter zu benutzen. In solchen Fällen habe ich Tricks auch unbenutzt zum Weiterverkauf angeboten.

  2. Am 28. 09. 2020 besuchte ich seit Jahren (ja tatsächlich!) wieder einmal ein Zauberseminar bei Stolina. Die C.-Situation hatte mir Appetit darauf gemacht. Und Axel Hecklau ist immer sehenswert! Bei diesem Anlass kaufte ich mir bei Robert und Carsten meinen 3. Pop-away-wand, weil die Vorgänger verschlissen waren. Und als Option auf die Zukunft, dass das neue Modell einen ähnlichen Verschleiß erleben möge!
    „Und jetzt ein großes Zauberkunststück! Da brauchen wir natürlich einen großen … ?“
    „Zauberstab!“ „Richtig!“
    Und später mutiert der Zauberstab zum Ärgerstab. Ich liebe ihn!

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