Kinder am Programm beteiligen

Anders als Erwachsene wollen Kinder in einer Zaubervorstellung gerne an der Vorführung beteiligt werden. Das ist gut für uns Zauber-künstler, aber es kann auch zu Problemen führen. Jede*r kennt ja die Rufe: „Ich! Ich! Ich!“, sobald du ein neues Requisit in die Hand nimmt.

Ich meine, wir Zauberkünstler sollten deshalb für die Zuschauerbeteiligung im Vorfeld klare Überlegungen haben, wie wir damit umgehen wollen. Ob wir das dann zu 100 Prozent umsetzen, ist eine andere Frage, aber dann steht ein Gerüst, an dem wir entlanghangeln können.

Generell gibt es zwei Wege Kinder an der Show zu beteiligen:

  • Einzelne Kinder auf der Bühne
  • Alle Kinder gemeinsam

Bei der Vorbereitung meines Programms überlege ich mir, was wo am besten passt.

Einzelne Kinder auf der Bühne

Beispiele für Einzelbeteiligung sind sicher zur Genüge bekannt: Ein Kind, oder auch mal mehr, stehen mit auf der Bühne und sind an der Trickvorführung beteiligt. (Hoffentlich, ich habe auch schon Vorführungen gesehen, in denen 1 oder 2 Kinder nur als Statisten dort standen.) Wenn ein Kind auf der Bühne ist, muss es aktiv beteiligt sein und es muss der Anschein erweckt werden, dass das Kind den Zauber veranlasst hat. Das Kind ist der Star, der gezaubert hat!

In meinem Programm (siehe hier und hier) schießt das Kind das Tuch in den Apfel, zaubert das Kind die Münze von einem Beutel in den anderen oder löst die 5000 Knoten aus den Tüchern. Ich stehe nur daneben und moderiere die Aktion. Und das Kind bekommt den Applaus, wenn das Kunststück zu Ende ist.

Die Regel für die Auswahl ist: Abwechselnd Mädchen und Junge, erste Reihe, zweite Reihe,…, in Schulen 1. Klasse, 2. Klasse usw. Das hilft ein bisschen, die „Iiiich!“-Rufe zu steuern.

Alle Kinder gemeinsam

Manche Kunststücke sind geradezu dafür prädestiniert, alle Kinder zugleich am Kunststück zu beteiligen. Zugleich dienen sie als aktive Bewegungspausen. Aus der Grundschularbeit wissen wir, dass Kinder kaum mehr als 20 Minuten still sitzen können – das sollten wir also in unserem Programm berücksichtigen und die Kinder zauberisch in Bewegung bringen. Dann reicht die Konzentration wieder für eine Weile.

In meinem Programm nutze ich dafür zwei Kunststücke, die auch zeitlich so ins Programm eingebunden sind: Das Malbuch nach etwa 20 Minuten und die Tuchrakete ca. 15 Minuten später. Bei der Malbuch-Vorführung lasse ich die Kinder Bilder in die Luft malen und zu mir werfen (Arm- und Oberkörperbewegung, Streckübung), sie pusten die Bilder zu mir oder saugen Farben und Bilder wieder heraus (ganzer Oberkörper in Bewegung). Sie staunen über das Geschehen und unmerklich sind sie in voller Körperbewegung, oft stehen einige sogar dabei.

Ähnliches wiederholt sich bei der Tuchrakete (20th century silk). Hier sind sie dafür zuständig, den Lärm zu erzeugen, der bei einem Raketenstart nun einmal dazu gehört: Mit den Füßen stampfen, in die Hände klatschen, pfeifen, brummen, kreischen und zugleich mit den Händen der Rakete den richtigen Weg zeigen zu den beiden verknoteten Tüchern.

Dazwischen rufen sie bei fast jedem Kunststück den Zauberspruch, singen kurze Lieder mit oder feuern unsichtbare Ameisen mit „Hauruck!“ rufen an. Und es ist doch wohl selbstverständlich, dass du selbst diese Aktionen alle vor- und mitmachst, oder?

Insgesamt ergeben sich so sehr bewegte Zaubervorstellungen für Kinder, denen sie auch lange folgen können. Die letzte Vorstellung in meinem Zaubertheater dauerte 70 Minuten – und dann fragten immer noch Kinder nach einer Zugabe.

Kinder wieder herunter holen

Doch Achtung: Durch die geschilderte gemeinsame Beteiligung kann das Publikum auch hochgepuscht werden. Es ist also wichtig, die Kinder immer im Auge zu haben und rechtzeitig wieder „herunter zu holen“. Wie das geschehen und gesteuert werden kann, wird demnächst in einem weiteren Artikel aufgegriffen.

One thought on “Kinder am Programm beteiligen

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