Schatztruhe der Beteiligungs-Möglichkeiten

Von Bernhard Raupach („Bernhard der Zauberer“)

(Nähere Informationen zum Autor findest du am Ende des Artikels. Ich danke Bernhard herzlich für diesen Beitrag und freue mich jederzeit über die aktive Mitarbeit der Blog-Leser*innen! – Volkmar)

Ein wesentliches Merkmal der Zauberei für Kinder ist die Beteiligung des Publikums. Kinder lieben es, bei Kunststücken eingebunden zu werden. Nachfolgend möchte ich Ihnen meine Sammlung von Mitwirkungsformen vorstellen. Sie bezieht sich auf die Gesamtgruppe des Publikums, die im Zuschauerraum sitzt (oder steht).

Diese Aufstellung ist sicherlich nicht vollständig. Vielleicht möchten auch Sie, werter Leser*, noch weitere kreative Ideen dazu beisteuern? Wir Zauberer* und vor allem die Kinder werden es Ihnen danken.

*Die männliche Bezeichnung bezieht ausdrücklich auch alle zaubernden Frauen mit ein und wurde ausschließlich aufgrund der besseren Lesbarkeit gewählt.

Alle Fotos: Bernhard Raupach

Geschlossene Fragen / Abfragen

Kindern Fragen zu stellen, ist eine sehr einfache Art der Interaktion. Die besondere Herausforderung ist dabei die Akustik, um die Antworten auch verstehen zu können. Steht die Antwort schon vorher fest (rhetorische Frage) spielt die Akustik keine Rolle. Erlebnisse und Begebenheiten sollten eher nicht abgefragt werden. Die einzelnen Ausführungen würden zu lange dauern und Unruhe erzeugen.

Platzierung im Programmaufbau: Passt immer. In den ersten Minuten des Auftrittes könnten die Antworten aber noch zögerlich ausfallen, da die Kinder erst Vertrauen fassen müssen um sich öffnen zu können.

  • Ja / Nein
  • Namen abfragen (Humorvoll: alle rufen gleichzeitig, Zauberer nickt verständnisvoll)
  • Rätselfragen
  • Bilderrätsel
  • Ideensammlung (z.B.: „Welches Geschenk könnten wir herbeizaubern?“)

Akustische Aktionen

Geräusche selbst hervorzubringen macht Spaß und sorgt für Auflockerung. Jüngere Kinder tun sich teilweise schwer bei speziellen Lauten (Z.B.: Pfeifen), dies sollten Sie beim Einsatz beachten. Nicht alle Körpergeräusche eignen sich gleich gut, es sei denn, Sie wollten auch noch den Geruchsinn bedienen.

Platzierung im Programmaufbau: Passt im ganzen Programm. Ich würde aber davon absehen, mehrere akustische Aktionen aneinander zu reihen, sondern diese eher zeitlich versetzt einsetzen.

  • Zungenschnalzen (Wie tropfendes Wasser)
  • Pfeifen (Wie ein Vogel)
  • Zischen
  • Pusten (Wie der Wind)
  • Mit Zeigefinger Unterlippe bewegen und dabei summen
  • Zischeln (Wie eine Schlange)
  • Lautmalerei (z.B.: „Boom!“ „Piff!“ „Paff!“)
  • Brummen (Wie ein Bär)
  • Grummeln
  • Geräusch beim Händereiben
  • „Plop“ (Zeigefinger an der Wangeninnenseite schnalzen lassen)
  • Trällern
  • Summen
  • Handfläche an Mund und weg vom Mund („Indianergeheul“ Achtung: Begriff ist historisch falsch!)
  • Brüllen (Wie ein Löwe)
  • Surren (wie eine Mücke)
  • Husten
  • Prusten
  • Klatschen (schnell/langsam/laut/leise)
  • Glucksen (Etwas austrinken)
  • Fingerschnippen
  • Schmatzen (Etwas Essen)
  • Flüstern
  • Nur Lippen bewegen (ohne Ton)
  • Knurren (Wie ein Tiger)
  • Gurren (Wie eine Taube)
  • Fiepen (Wie ein Hund)
  • Maunzen (Wie eine Katze)

Bewegungen I. (Niedriger Energieverbrauch)

Die Bewegungen in dieser Kategorie sind leicht umsetzbar und unter nahezu allen räumlichen Bedingungen durchführbar.

Platzierung im Programmaufbau: Passt gut in die erste Programmhälfte, wenn die Kinder ohnehin konzentriert sind. Sie eignen sich auch als „Cooldown“ nach energieintensiven Bewegungen.

  • Blinzeln
  • Nicken
  • (Weg)Pusten
  • Kopf schütteln
  • Handheben
  • Finger heben (Strecken)
  • Tiefes (lautes) Atmen
  • Sanftes Ausstreichen / Streicheln bei sich selbst
  • Sanftes Zwicken bei sich selbst
  • Auf etwas deuten lassen (Auswahl treffen)
  • Hände reiben (bis sie warm sind)
  • Mit Finger auf Nase tippen
  • Sanft am eigenen Ohr ziehen
  • Mit den Fingern (laut) mitzählen
  • Klatschen nur mit einzelnen Fingern
  • Winken (mit einzelnen Fingern oder dem Handteller)
  • Gegen Wangen trommeln (mit/ohne geöffneten Mund)

Bewegungen II. (höherer Energieverbrauch)

Diese Bewegungsformen sind etwas anstrengender als die Bewegungen zuvor. Je länger das Programm dauert, desto mehr sollte dem kindlichen Bewegungsdrang stattgegeben werden. Einige dieser Bewegungen erfordern etwas Bewegungsfreiheit rund um den Sitzplatz. Deshalb sollte die Bestuhlung vor Ort geprüft werden.

Platzierung im Programmaufbau: Passt gut in die zweite Programmhälfte um die Konzentration zu steigern. Falls die Kinder vor der Vorstellung bereits lange gesessen haben, ist es auch schon zu Beginn sinnvoll.

  • Schunkeln
  • Handflächen fest aneinanderpressen
  • Hände vorstrecken und längere Zeit ausgestreckt lassen
  • Klatschen mit Handballen ( Hände falten , dann Handballen aufeinander klatschen)
  • Aufstehen
  • Setzen
  • Knien
  • Auf einem Bein stehen
  • Hüpfen
  • Auf Zehenspitzen stehen
  • Recken und strecken
  • Stapfen / Stampfen
  • Winken (mit dem ganzen Arm)
  • „Krokodilmaul“ mit beiden Armen (gestreckte Arme klatschen aufeinander)
  • Trommeln auf Brust
  • Trommeln auf Oberschenkel
  • Trommeln auf Bauch
  • Fäuste abwechselnd aufeinandersetzten („Pinke-Panke-Puster“-Bewegung)
  • Arme über dem Kopf (und klatschen, etc.)
  • Regenbewegung (Ausgestreckte Arme bewegen sich von oben nach unten, die Finger zappeln)
  • Hände schlackern / Ausschütteln

*** Fortsetzung folgt ***

Über den Autor :

Bernhard Raupach, Jahrgang 1980 , lebt in Albstadt auf der schwäbischen Alb. Er arbeitet als Erzieher in einer Kindertageseinrichtung. Die magische Kunst Betreibt er als Hobby ebenso wie das Verfassen von Theaterstücken für Kinder und Erwachsene.

Als Kind faszinierten ihn die Zauberergestalten aus Märchen- und Fantasy- Filmen wie „das letzte Einhorn“, „Sindbad“ oder „Willow“ . Seine heutige Rolle ist an diese sagenhaften Zaubererfiguren angelehnt.

Bernhard tritt vor allem in Kindertageseinrichtungen und Bibliotheken für Kinder im Alter von 3-8 Jahren auf. Immer mit dabei ist seine Handpuppe Ruffi: Ein mutiger Drache und stets freundlicher Wegbegleiter.

Für Bernhard ist der Erfolg einer Zaubervorstellung für Kinder nicht daran messbar, ob ein Wettbewerbspreis gewonnen wird , das Honorar hoch ist oder der Applaus besonders laut ausfällt. Seiner Meinung nach hat er seinen magischen Auftrag erst dann erfüllt, wenn die Kinder nach der Show froh gelaunt Zaubersprüche erfinden, Kieselsteine hinter dem Rücken verschwinden lassen und sie mit dem Gedanken spielen den großen Bruder in eine Kröte zu verwandeln.

One thought on “Schatztruhe der Beteiligungs-Möglichkeiten

  1. Hallo Bernhard,
    vielen Dank für Deine tolle Zusammenfassung.
    Meine Überlegungen gingen genau in diese Richtung, um das Interesse der Kinder aufrecht zu halten. Ich habe schon eine Auflistung von Tricks aus meinem Programm gemacht, bei denen einzelne Interaktionen stattfinden können.
    Dein Hinweis, wann welche Aktionen zeitlich am besten passen, ist sehr hilfreich.
    Viele Grüße von Rosi aus Berlin

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