Bausteine für ein Kinderprogramm (6)

Ulrich Rausch

Meine Ouvertüre

In meinem Standardprogramm sieht der Beginn so aus: Aufgrund der Analyse, die ich bereits im letzten Teil vorgestellt hatte, ist sie in Form einer „Einführung“ gestaltet. Ich erkläre den Kinder, was passiert, was man braucht um Zaubern zu können und was für Zuschauer*innen ich als Zauberer mir wünsche, nämlich sehr aufmerksame.

Im Folgenden erkläre ich, was ich mache, warum ich es mache und was ich dazu sage – alles stichwortartig. Ich glaube, das reicht vollkommen aus, um mein Konzept zu verstehen. Und kopierbar ist es sowieso nicht. Da jeder seine eigene Ouvertüre hat, ist das sicher mehr als ausreichend.

Bevor ich anfange, sind alle „technischen“ Fragen, wie zum Beispiel die Sitzordnung der Kinder (Kleine Kinder vorne, große hinten, Eltern am Rand) geklärt. Meine Eröffnung hat zwei Teile: Ein etwas kürzeren, meine Vorstellung, und dann etwas länger die Einführung, bei der auch schon richtig gezaubert wird.

Meine Vorstellung

Manchmal wird man als Zauberkünstler angesagt, manchmal nicht. Egal, wie es im konkreten Fall ist: Ich stelle mich zu Beginn immer persönlich vor. Wenn man vom Veranstalter vorgestellt wird, kann es schon mal heißen: „Und jetzt kommt der Zauberer“ oder noch „besser“: „Jetzt kommt ein Zauberer“. Und selbst wenn ich mit Namen genannt werde, ist der manchmal nicht korrekt oder es wird mit lustigen Zusätzen verbunden wie „Liebe Eltern, haltet den Geldbeutel fest!“

Kurz gesagt: die Vorstellung kann so etwas von schief gehen, dass ich mich prinzipiell immer selber vorstelle. Dabei nenne ich nicht nur meinen Namen, sondern erzähle auch etwas von mir. Was genau, hängt von der Situation und den Zuschauern ab. Ziel ist es, mich nicht nur vorzustellen, sondern auch Nähe zwischen mir und den Kindern herzustellen.

Was ich nicht mache, auch wenn manche es lustig finden: Alle Kinder aufzufordern mir gleichzeitig ihren Namen zuzurufen. Ich selber würde mich, wenn man mich dazu auffordern würde, veralbert vorkommen, und was du willst, dass man dir’s nicht tut, füge ich auch keinem anderen zu.

Stattdessen wird immer dann, wenn ein Kind mitwirkt, sei es auf der Bühne, sei es im Publikum, nach seinem Namen gefragt, und dieser wird dann auch mindestens einmal verwendet, wenn ich das Kind anspreche. Das ist meine Vorstellung vom respektvollen Umgang miteinander. Und um die Kinder zu Anfang einmal zu aktivieren habe ich einen anderen Weg.

Die Einführung

Die Einführung hat den Rahmen, dass ich mit den Kindern kläre, was man alles braucht für eine gute Zaubervorstellung. Dazu zeigte ich die unabdingbaren Zauberrequisiten vor und mache auch einen Test mit den Zuschauern, um herauszufinden, wie gut sie aufpassen. Danach entscheide ich (angeblich) ob ich die leichten Kunststücke vorführen kann oder die schweren nehmen muss.

Vier Gegenstände werden vorgezeigt, und die Kinder gefragt, was das sei bzw. wie sie heißen: Zauberstab, Zauberbuch, Zaubersalz und Zauberhut. Und Zaubersprüche? Das Zauberbuch ist bei mir ein Flic-Buch, dass heißt, in dem weißen Buch können Zaubersprüche erscheinen. Die Kinder sollen dann mitlesen, wie die Sprüche heißen, wenn sie erscheinen. Das wiederhole ich auch noch einmal, wenn ich das Buch zum zweiten mal schnell vor blättere. Der Zweck, warum ich diesen Effekt zeige: Später sollen Kinder, die auf der Bühne mitzaubern, einen Zauberspruch sagen, um das Wunder auszulösen. Und wie das so ist, besteht immer die Gefahr, dass ihnen vor Nervosität spontan gerade keiner einfällt. Wie peinlich. Aber wenn sie vorher schon mal 4 verschiedene gehört haben, passiert das eher selten. Der erste Effekt ist also funktional begründet.

Wenn ich den überdimensionalen Salzstreuer hervornehme, dann rufen die Kinder oft „Salz“. Ich frage dann: „Wen das der ZAUBERStab, das das ZAUBERBuch ist: ist das das …?

Der Zuschauer-Test

Und jetzt kommt der Zuschauer-Test. Dazu zeigen ich den Zylinderhut leer vor und beginne meinen Würfelroutine. Offizielle als Test deklariert um herauszufinden, wie aufmerksam die Zuschauer sind, verfolge ich drei andere Ziele mit dieser Routine:

  • Zum einen sollen alle Kinder aktiviert werden, indem sie mir zurufen wo der Würfel ist,
  • zum anderen zeige ich, dass ich mich selbst nicht ganz so ernst nehme,
  • und schließlich, dass die Kinder auch widersprechen dürfen, wenn etwas falsch ist.

Ich versuche dabei die Situation so weit hoch zu kochen, wie es geht, in dem ich scheinbar immer falsch verstehe was die Kinder meinen und wollen, indem ich sie auffordere alle zu antworten (das ist ein Test mit dem ganzen Publikum, auch den Eltern), bis dann am Ende der Würfel tatsächlich verschwunden ist und in dem Zauberhut wieder erscheint.

Nach der ganzen Aufregung, ist jetzt etwas Entspannung gefragt, und die kommt mit dem nächsten Kunststück.

Fortsetzung folgt
 

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